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Radsport : Ciolek gewinnt denkwürdiges Mailand - San Remo

  • Aktualisiert am

Sieg auf der Ziellinie: Gerald Ciolek (links) gewinnt Bild: dpa

Gerald Ciolek durfte zwischendurch sogar mit dem Bus fahren, ehe er als Erster in San Remo ankam. Der deutsche Sprinter feiert nach einem denkwürdigen Rennen seinen bislang größten Erfolg.

          2 Min.

          Erik Zabels „Geheimtipp“ Gerald Ciolek aus Pulheim hat sensationell eine der denkwürdigsten Ausgaben des Frühjahrs-Klassikers Mailand-San Remo gewonnen. Der für das südafrikanische Zweitliga-Team MTN fahrende Pulheimer besiegte im Spurt den Topfavoriten Peter Sagan aus der Slowakei und feierte den größten Triumph seiner Karriere. Nach dem vierfachen Sieger Zabel und Rudi Altig ist Ciolek der dritte deutsche Sieger in San Remo.

          „Das ist riesig. Ich war in der komfortablen Situation, dass ich
          nicht der Topfavorit war und alle auf Sagan geachtet haben. Ich war
          im Schlussspurt genau in der richtigen Position. Auf dem Poggio davor
          hatte ich gemerkt, dass es heute klappen könnte“, kommentierte Ciolek
          den größten Erfolg seiner Karriere, die bis zu diesem Sonntag noch
          kein ganz großes Highlight aufwies. Zum Feiern vor Ort verzichtete
          Ciolek, dessen Team nur mit einer Wildcard zum Start zugelassen
          worden war, auf den gebuchten Rückflug.






          Das eigentlich längste Eintagesrennen der Saison war am Sonntag wegen Eis und Schnee auf dem Turchino-Pass von ursprünglich 298 auf 243 Kilometer verkürzt und entschärft worden. Die Radprofis saßen zwischendurch im Bus - alle Renntaktik wurde über Bord geworfen.

          Beispiellose Aufholjagd

          Der 26-jährige Ciolek, der zwölf Jahre nach dem letzten deutschen Sieger Zabel im eiskalten San Remo triumphierte, schloss am Sonntag eine beispiellose Aufholjagd mit seinem ersten Klassikersieg ab. Der U23-Weltmeister von 2006, der seit seinem Übertritt ins Profilager dem ganzen großen Erfolg bis zum Sonntag immer hinterhergefahren war, trat die Nachfolge des Australiers Simon Gerrans an. Zabel hatte vor dem Start den Namen des gelernten Elektroingenieurs aus Pulheim als möglichen Überraschungssieger genannt.

          Sechs Ausreißer hatten den zweiten Teil des Rennens nach der Neutralisation und einer dreistündigen Rennunterbrechung mit 7:11 Minuten Vorsprung fortgesetzt. Diese Führung hatten sie bis zum Zwangsstopp in Ovoda am Fuß des 532 hohen Turchino herausgefahren. 126 Kilometer bis San Remo lagen noch vor ihnen.

          Sieg auf der Ziellinie

          Im Finale vor dem vorletzten Aufstieg auf die Cipressa wurden die Ausreißer bei der 104. Auflage der verregneten und eiskalten Fahrt in den Frühling aber gestellt. Ciolek und Co. schlossen auf und eine etwa 70 Fahrer Spitzengruppe rüstete für die entscheidende Phase.

          Sprint der Ausreißer: Ciolek düpiert die Konkurrenz

          Auf der Abfahrt vom Poggio sechs Kilometer vor dem Ziel hatte sich eine sechsköpfige Spitzengruppe gebildet. In ihr wartete Ciolek bis zum letzten Moment. Er folgte dem scheinbar unschlagbaren Sagan und fing den Slowaken auf der Ziellinie ab.

          Bei ähnlich widrigen Witterungsbedingungen war Mailand-San Remo 1910 planmäßig ohne Unterbrechung zu Ende gefahren worden.

          Mailand- San Remo (243 Kilometer, verkürzt)

          1. Gerald Ciolek (Pulheim) - MTN Qhubeka 5:37:20 Std.; 2. Peter
          Sagan (Slowakei) - Cannondale; 3. Fabian Cancellara (Schweiz) -
          RadioShack-Leopard Trek; 4. Sylvain Chavanel (Frankreich) - Omega-
          Quick Step; 5. Luca Paolini (Italien) - Katusha; 6. Ian Stannard
          (Großbritannien) - Sky; 7. Taylor Phinney (USA) - BMC alle gleiche
          Zeit; 8. Alexander Kristoff (Norwegen) - Katusha + 0:14 Min.; 9.
          Mark Cavendish (Großbritannien) - Omega-Quick Step; 10. Bernhard
          Eisel (Österreich) - Sky

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