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Radsport : Casper als fünfter Tour-Fahrer des Doping überführt

  • Aktualisiert am

2006 trug der Franzose Jimmy Casper noch das Grüne Trikot. Nun ist er des Dopings überführt. Bild: dpa

Der Franzose Jimmy Casper ist drei Wochen nach Ende der der diesjährigen Tour de France als fünfter Fahrer des Dopings überführt worden. Casper ist der erste Sportler aus dem Gastgeberland.

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          Die Doping-Liste der Tour de France wird immer länger. 13 Tage nach dem Ende der 95. Frankreich-Rundfahrt ist der Franzose Jimmy Casper als fünfter Dopingsünder entlarvt worden. Dem 30 Jahre alte Radprofi wurde nach Angaben der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD während der Tour die Einnahme des Cortisons Glukokortikoid nachgewiesen.

          „Dies ist hoffentlich der letzte Fall dieser Tour“, sagte AFLD-Präsident Pierre Bordry am Sonntag im Rundfunk. Damit ging den Fahndern erstmals ein Radprofi des Gastgeberlandes, das sich seines strikten Anti-Doping-Kurses rühmt, ins Netz. Sein französisches Agritubel-Team suspendierte Casper vorläufig, berichtete die „L'Équipe“. Der Franzose beteuerte seine Unschuld und begründete den positiven Befund mit einem Asthmaleiden.

          Erster Franzose überführt

          Casper ist nach den Spaniern Moises Dueñas Nevado, Manuel Beltran, dem zweifachen Etappensieger Riccardo Ricco aus Italien und dem Kasachen Dimitri Fofonow der fünfte Dopingfall der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Damit wurde die Marke der Skandal-Tour des Vorjahres, als drei Profis des Dopings überführt worden waren, übertroffen.

          Jimmy Casper ist als erster Franzose in die Fänge der Dopingjäger gegangen

          Nach Angaben der Internausgabe der „L'Équipe“ erklärte Casper, er leide an Asthma und es habe ein Problem mit der Verschreibung von Medikamenten gegeben. „Ich habe dieses Produkt nicht genommen, ummich zu dopen, sondern aus gesundheitlichen Gründen“, sagte der vierfache Etappensieger der Deutschland-Tour 1999. Er habe eine Genehmigung für das Medikament Syndicort gehabt. Bei der Erneuerung des Attests sei Ende Mai dann das Präparat Bécotide notiert worden und er habe versäumt, eine entsprechende Genehmigung für dieses Produkt aus therapeutischen Gründen einzuholen. Casper werde wahrscheinlich vor den französischen Radsport-Verband FFC vorgeladen werden, um das Ergebnis der Urin-Probe zu erklären, kündigte Bordryan.

          13 Auffälligkeiten bei 218 Proben

          Der Agritubel-Fahrer war nach der 17. Etappe hinauf nach L'Alped'Huez wegen Überschreitung des Zeitlimits ausgeschieden. Seinen größten Erfolg hatte Casper 2006 gefeiert, als er die Auftaktetappe der Tour im Zielsprint gewann. In diesem Jahr beendete Casper den 8. Tagesabschnitt als Dritter. Am Donnerstagabend hatte die AFLD, die in diesem Jahr erstmals für die Kontrollen bei der Tour zuständig war, einen Bericht vorgelegt, der den fünften Dopingfall der 95. Tour angedeutet hatte. Es seien in der Probe eines damals namentlich nicht genannten Fahrers, der keinentsprechendes Attest hatte, Spuren von Glukokortikoiden gefundenworden.

          Nach dem AFLD-Bericht haben die Testergebnisse von 13 Fahrern bei den 218 Doping-Kontrollen Auffälligkeiten gezeigt. Allerdings hätten acht Profis Ausnahme-Genehmigungen des Weltverbandes UCI und der AFLD für den Einsatz verschiedener Medikamente vorgelegt. Casper gehörte nicht dazu.

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