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Alfonsina Strada : Die unglaubliche Geschichte der vergessenen Rad-Heldin

  • -Aktualisiert am

Eine Frau und ihre Liebe: Für Alfonsina Strada war das Fahrrad so etwas wie das Vehikel der Emanzipation. Bild: akg-images / Fototeca Gilardi

Alfonsina Strada war die einzige Frau, die je beim Giro d’Italia startete. Ihre Leistung war sensationell, doch ihr Ruhm hat einen bitteren Beigeschmack.

          6 Min.

          Die achte Etappe ist die Hölle. Alfonsina Strada quält sich bei stürmischem Regenwetter über eine Strecke aus Schlamm und Geröll. 296 Kilometer durch die Abruzzen mit Steigungen bis zu 14 Prozent. Nach einigen Stürzen ist ihr Knie blutig, ihr wollenes Trikot völlig durchnässt. Sie stürzt wieder – und der Lenker ihres Fahrrads bricht. Notdürftig repariert sie ihn mit einem Stück Holz und erreicht völlig erschöpft das Ziel. Es gibt Berichte, die besagen, dass Alfonsina Strada ihren Lenker mit einem Besenstiel flickte. Ein Gegenstand, mit dem Frauen damals besser vertraut waren als mit einem Fahrrad. Dieses Narrativ spickt ihre unglaubliche Geschichte sogleich mit einem handfesten Vorurteil: Frauen in einer Männerdomäne dienen eher der Belustigung. Wenn schon eine mitfährt, dann ganz sicher auf einem Besenstiel.

          Alfonsina Strada ist eine zu Unrecht vergessene tragische Heldin. 1924 startete sie beim Giro d’Italia und erreichte nach zwölf Etappen und 3613 Kilometern das Ziel. Sie ist bis heute die einzige Frau, die jemals eine Männerrundfahrt absolvierte. Ihre Leistung war sensationell, doch ihr Ruhm hat einen bitteren Beigeschmack. Denn damals wie heute ringen Frauen im Radsport um Anerkennung. Als Alfonsina Morini wurde sie 1891 in Norditalien geboren. Ihr Vater mühte sich als Tagelöhner, das Essen für die kinderreiche Familie war stets knapp. Es ranken sich einige Legenden um ihre Kindheit. Eine von ihnen besagt, dass ihr Vater eines Tages im Tausch gegen zehn Hühner mit einem alten Fahrrad nach Hause kam. Die Zehnjährige brachte sich selbst das Radfahren bei und gewann drei Jahre später ihr erstes Rennen. Der Preis für diesen Sieg wiederum war ein Schwein.

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