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Radsport : Adidas zieht Konsequenzen, T-Mobile zögert

Die drei Streifen auf dem T-Mobile-Trikot könnten schnell verschwinden Bild: picture-alliance/ dpa

Der Sportartikelhersteller Adidas will als Konsequenz aus den Doping-Aussagen von Patrik Sinkewitz seinen bis Ende 2008 laufenden Ausrüstungsvertrag mit dem Team T-Mobile auf keinen Fall verlängern und prüft einen sofortigen Ausstieg.

          Die Meldung aus Herzogenaurach kam am Donnerstag gegen 15 Uhr, und sie bedeutet neues Ungemach für das T-Mobile-Team: Die Bonner Radprofis, deren Zukunft ungewiss ist nach den Enthüllungen des Dopingsünders Patrik Sinkewitz, laufen Gefahr, einen bedeutenden Sponsor zu verlieren. Der Sportartikelhersteller Adidas teilte mit, einen sofortigen Ausstieg zu prüfen. Die Franken sind noch ein Jahr mit dem stark belasteten Rennstall verbunden – der bis Ende 2008 laufende Kontrakt werde auf keinen Fall verlängert, ließ Adidas wissen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Die Botschaft aus Herzogenaurach ist klar: Ein wichtiger, langjähriger Partner geht deutlich auf Distanz zu T-Mobile, bei dem es – laut Sinkewitz – zumindest noch 2006 organisiertes Doping mit Eigenblutinfusionen gegeben haben soll. Adidas-Sprecher Oliver Brüggen sagte am Donnerstag zur Haltung des Sportartikelherstellers gegenüber T-Mobile: „Dies ist die Konsequenz aus den Erkenntnissen der letzten Tage. Sie stellen in einer langen Chronologie schrittweise bekannt gewordener Vorgänge aus den vergangenen Jahren einen vorläufigen Endpunkt dar und veranlassten uns zu dieser Entscheidung.“ Adidas verurteile Doping in jeglicher Form, fügte Brüggen hinzu, und werde auch in Zukunft an dem Grundsatz festhalten, laufende Verträge mit Sportlern, die nachweislich gedopt waren, unverzüglich und vereinbarungsgemäß zu kündigen.

          Audi wartet Telekom-Entscheidung ab

          Der Autohersteller Audi hingegen, der ebenfalls mit T-Mobile kooperiert, verhält sich noch zurückhaltend. „Radsport ist bei uns derzeit permanent auf dem Prüfstand. Wir warten das weitere Vorgehen der Telekom ab“, sagte Iris Altig von der Audi-Sportkommunikation.

          Der Vorstand der Telekom AG, die wegen der ständigen Dopingdebattenoffenbar über ein abruptes Ende des noch bis 2010 laufenden Radsport-Engagements berät, bleibt zumindest in der Öffentlichkeit noch in der Defensive. Telekom-Chef René Obermann sagte am Donnerstag in Bonn, dass es keinen neuen Dopingfall gebe, sondern nur Aussagen von Fahrern über die Vergangenheit. „Das ist für die Telekom unangenehm“, müsse jetzt aber bewertet werden. Sein Fokus liege im übrigen auf dem operativen Geschäft und nicht im Radsport-Sponsoring, sagte Obermann.

          Radsport büßt an Wert ein

          Die Stellungnahme von Adidas könnte indes die Meinungsbildung bei der Deutschen Telekom beschleunigen – und vielleicht tragen auch die Äußerungen von Marketing-Experten ihren Teil dazu bei. In dieser Branche heisst es, dass der krisengeplagte Radsport in Deutschland 80 bis 90 Prozent seines Wertes eingebüßt habe. Anders ausgedrückt: Der Verlust für den Radsport durch das Thema Doping soll zwischen 50 bis 100 Millionen Euro betragen. Zahlen, die Telekom nicht unbeeinflusst lassen dürften.

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