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Chaos beim Giro d’Italia : Die Blase hält nicht

  • -Aktualisiert am

Acht Corona-Fälle beim Giro d’Italia, hier Steven Kruijswijk: Wie sicher ist das Hygienekonzept? Bild: AP

Acht neue Infektionen, zwei Teams steigen aus. Eine Frage drängt sich auf: Kommen die Fahrer überhaupt in Mailand an? Sportlich meldet sich Peter Sagan eindrucksvoll zurück.

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          Oberflächlich betrachtet war alles wie sonst beim Giro d’Ìtalia. Vor dem Start der 10. Etappe am Dienstag trafen die Teambusse ein, Räder wurden ausgeladen. Die Profis fuhren zum Einschreiben. Manche hatten auf dem Podium die Maske auf, manche setzten sie jedoch ab. Die Bilder von den Startvorbereitungen dokumentierten Anti-Corona-Strategien der Teams jeweils nach eigener Einschätzung. Dieses Pandemie-Flickwerk ist Alltag in Europa.

          Der Alltag der Infektionen hat nun aber auch den Giro eingeholt. Schon am Freitag wurde der Brite Simon Yates positiv getestet. Die obligatorischen Tests am Ruhetag ließen die Infiziertenzahl nun auf neun steigen. „Bei der Durchsetzung des Gesundheitsprotokolls des Giro d’Italia, das gemäß der Regeln des Weltverbands UCI und unter Beachtung der Maßnahmen des Gesundheitsministeriums Italiens erarbeitet wurde, wurden am 11. und 12. Oktober insgesamt 571 PCR-Tests bei Fahrern und Betreuern vorgenommen. Dabei gab es insgesamt acht positive Fälle, zwei Fahrer, je einer von den Teams Sunweb und Jumbo Visma, sowie sechs Betreuer“, hieß es in einem Statement von Giro-Organisator RCS.

          Vier der sechs Betreuer arbeiten beim Rennstall Mitchelton Scott, dem Team des ersten Infizierten. Das Team entwickelte sich also zu einem klassischen Infektionsherd; folgerichtig zog es sich am Dienstag auch komplett aus dem Rennen zurück. „Wir erhielten die Nachricht von den positiven Tests bereits am Montagabend. Aus Verantwortung für unsere Fahrer und Betreuer, das gesamte Peloton und die Organisatoren haben wir die Entscheidung getroffen, den Giro zu verlassen“, teilte der Manager des Rennstalls, Brent Copeland, mit.

          Jumbo Visma zieht sich zurück

          Die gleiche Reaktion gab es bei Team Jumbo Visma. Hier gab es zwar nur einen positiven Fall, den Kapitän Steven Kruijswijk. Dennoch zog sich das Team, für das auch die beiden deutschen Profis Tony Martin und Christoph Pfingsten beim Giro zum Einsatz kamen, zurück. „Wir haben die Nachricht Montagnacht erhalten. Es gab dann am Dienstagmorgen noch weitere Kontrollen. Für uns war es aber die verantwortungsvollste Entscheidung, das gesamte Team vom Giro zu nehmen“, sagte der Sportliche Leiter Addy Engels. Als Grund nannte er auch die Sorge seiner Fahrer, im Peloton neben einem bereits infizierten, aber noch nicht positiv getesteten Kollegen zu fahren und sich so selbst einem Infektionsrisiko auszusetzen.

          Erst als Fahrer nicht mehr dabei, nun steigt auch das gesamte Team beim Giro aus: Simon Yates von Mitchelton-Scott
          Erst als Fahrer nicht mehr dabei, nun steigt auch das gesamte Team beim Giro aus: Simon Yates von Mitchelton-Scott : Bild: AP

          Andere Teams reagierten weniger drastisch. Bei Ineos Grenadiers und AG2R wurde lediglich der jeweils betroffene Betreuer isoliert. Auch das dritte Team mit einem positiv getesteten Athleten, der deutsche Rennstall Sunweb, folgte dieser Linie. Es nahm lediglich den Australier Michael Matthews aus dem Rennen. „Ich bin enttäuscht, den Giro auf diese Art verlassen zu müssen. Jetzt beginne ich meine Isolation und beobachte die Dinge aufmerksam. Ich hoffe, schnell zurückzukommen“, teilte Matthews per Twitter mit.

          Weitere Bedrohungen durch das Wetter

          Seine Teamkollegen traten derweil zum Start der 10. Etappe an, bei der sich der ehemalige Straßenrad-Weltmeister Peter Sagan sportlich eindrucksvoll zurückmeldete. Der 30-jährige Slowake vom deutschen Bora-hansgrohe-Team setzte sich nach langer Flucht als Ausreißer vor dem Amerikaner Brandon McNulty und dem Gesamtführenden João Almeida aus Portugal durch. „Ich hatte gute Beine, um alle zu kontrollieren. Ich habe in meinem Stil gewonnen und eine Show geboten“, sagte Sagan im italienischen TV.

          Tagessieger als Solist: Peter Sagan.
          Tagessieger als Solist: Peter Sagan. : Bild: AP

          Der Niederländer Wilco Kelderman vom deutschen Team Sunweb ist weiter Gesamt-Zweiter mit 34 Sekunden Rückstand und hat Aussichten auf einen Podiumsplatz – wenn der Giro überhaupt bis Mailand kommt. Denn neben Corona gibt es noch die Bedrohung durch das Wetter. Die Gipfel der 15., der 18. und der 20. Etappe sind bereits mit Schnee bedeckt. Es handelt sich um Piancavallo, das Stilfser Joch und den Colle dell’Agnello. Für alle Etappen bereitet der Veranstalter gegenwärtig B- und C-Varianten vor. Für die 18. Etappe ist statt des Stilfser Jochs der Mortirolo-Pass im Gespräch. Statt des Colle dell’Agnello wird es wohl gleich zweimal die Auffahrt nach Sestriere, dem geplanten Etappenziel, geben.

          Die größere Bedrohung aber bleibt natürlich Corona. Die Tests vom Ruhetag zeigen: Die Hygiene-Blase hält nicht. Dringt das Virus einmal in sie ein, sind weitere Infektionen nur schwer aufzuhalten. Die Sorge der Jumbo-Visma-Profis, neben möglicherweise bereits infizierten Kollegen zu fahren, bei denen zwar der Test negativ ausfiel, die das Virus aber dennoch in sich haben, ist daher berechtigt. Die Frequenz der Tests müsste deshalb erhöht werden. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die bislang als positiv identifizierten Fahrer und Betreuer weitere Personen innerhalb der Blase angesteckt haben.

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