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Radrennen Mailand–Sanremo : Ultramarathon in den Frühling

  • -Aktualisiert am

Die Klassiker-Saison beginnt: Es geht los für Peter Sagan (rechts) und sein Team. Bild: EPA

90 Angestellte, 27 Radprofis, 40 Fahrzeuge und ein rollendes Restaurant: Auch für die deutsche Renn-Equipe Bora-hansgrohe beginnt mit Mailand–Sanremo die Klassiker-Saison. Dabei geht es um viel.

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          Ein wunderbarer Frühlingstag am Gardasee. 20 Grad am Nachmittag. Die Straßen noch nicht überfüllt, die Sonne schon kräftig. Auf den Parkplatz des Garda Bike Hotels rollt gut gelaunt ein Radteam ein, die Bora-hansgrohe-Equipe hat eine entspannte Trainingsrunde hinter sich, ein bisschen die Beine ausschütteln nach der Rundfahrt Tirreno–Adriatico, dem italienischen Aufgalopp der Radsaison. An der Spitze der Trainingsgruppe um Superstar Peter Sagan fährt Ralph Denk, der Manager des Teams, er war selbst mal Rennfahrer und 10.000 Kilometer schafft er immer noch im Jahr. Er fährt zum Materialtruck und reicht seine Rennmaschine den Mechanikern, die heute mal Zeit haben, ein paar Minuten in der Sonne zu sitzen.

          Der Truck ist gewaltig. Er bietet Platz für Dutzende Räder, Laufradsätze, Spezialwerkzeug, für Waschmaschinen. Im Vergleich wirkt das schicke lindgrüne Wohnmobil mit monegassischem Kennzeichen daneben wie ein Spielzeugauto. An seinem Heck ist ein Radträger montiert, darüber der Schriftzug: „They laugh at me because I’m different. I laught at them because they’re all the same.“ Gezeichnet Peter Sagan. Man muss schon – wie der Radkünstler aus der Slowakei – dreimal Weltmeister geworden sein und die Flandern-Rundfahrt und Paris–Roubaix und noch hundert andere Rennen gewonnen haben, um mit dieser Botschaft durch die Gegend zu fahren, ohne gemeinhin als größenwahnsinnig zu gelten.

          Restaurant-Besucher: Der dreimalige Weltmeister Peter Sagan und sein wertvollster Helfer Marcus Burghardt.

          Das Idyll am Gardasee täuscht. Es ist Donnerstag, und es ist die Ruhe vor dem Sturm. An diesem Samstag nimmt die Saison Fahrt auf, das Einrollen, das Kilometerschrubben hat ein Ende, die Klassikersaison beginnt mit der 110. Auflage der Fernfahrt Mailand–Sanremo, einem der fünf Monumente des Radsports. Paris–Roubaix, Flandern- und Lombardei-Rundfahrt sowie Lüttich–Bastogne–Lüttich sind die anderen. Mailand–Sanremo! Wer hier gewinnt, hat einen Platz in der Radsportgeschichte sicher.

          Im Profiradsport ist nichts mehr, wie es war vor zehn, zwanzig Jahren. Trotz aller Probleme – vor allem in Deutschland – mit der Akzeptanz der Sportart bei Sponsoren als Spätfolge einer weithin organisierten Hoch-Doping-Praxis in den neunziger und nuller Jahren, sind viele Teams weitaus besser aufgestellt als früher. Das deutsche Radsport-Unternehmen Bora-hansgrohe beschäftigt in dieser Saison rund 90 Angestellte, davon 27 Profifahrer, die in verschiedenen Teams zeitgleich bis zu drei Rennen bestreiten. Vier Ärzte kümmern sich im Wechsel um die Fahrer, wobei Denk seit Jahren prinzipiell nicht mit privat praktizierenden Medizinern oder solchen mit Verbindungslinien in die Zeit des Hoch-Dopings zusammenarbeitet, sondern mit dem BG Klinikum Hamburg, das die Ärzte zur Betreuung abstellt, Jan-Niklas Droste, der jüngste, ist erst 28 Jahre alt. Denks Vertragspartner sind nicht die Ärzte, sondern das Klinikum.

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