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Yates gewinnt die Vuelta : Wider die eigene Natur

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Simon Yates jubelt nach der 20. Etappe. Zu diesem Zeitpunkt steht fest: Er wird die Gesamtführung behalten. Bild: EPA

Eigentlich ist Simon Yates ein aggressiver Radfahrer. Doch bei der Vuelta wird er gezügelt. Was ihm selbst immer wieder schwer fiel, verhilft ihm in Spanien jedoch letztlich zum Sieg.

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          Eine Spazierfahrt war diese Vuelta nicht für Simon Yates. „Bis zum Ende habe ich nicht richtig glauben können, dass es wahr wird“, sagte der Brite am Samstagabend in Andorra, nachdem er alle Attacken abgewehrt und als Etappendritter hinter dem neuen Gesamtzweiten Enric Mas das Ziel erreicht hatte. In der Gesamtabrechnung der Spanien-Rundfahrt blieb Yates damit vorn, nach der letzten Etappe am Sonntagabend lag er insgesamt 1:46 Minuten vor Mas. „Ich muss das erst mal alles sacken lassen, es ist unglaublich“, sagte Yates anschließend über den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere: „Ich will das jetzt genießen und einen schönen Wein trinken.“

          Er wurde bei der Vuelta jedoch voll gefordert, vor allem von der Movistar-Doppelspitze Nairo Quintana und Alejandro Valverde, die sich mit ihren abwechselnden Leistungsschwankungen allerdings in taktische Aus beförderte; vom Kolumbianer Miguel Ángel López, dessen Astana-Team die dominierende Kraft der letzten beiden schweren Tage in Andorra war; und auch vom neuen spanischen Kletter-Stern, dem von Alberto Contador in Pinto bei Madrid entdeckten Mas.

          „Das war hart für mich“

          Mehr als all diese Gegner hatte Yates über die vergangenen drei Wochen aber wohl der eigene Teamchef zugesetzt. „Es geschah jeden Tag mindestens einmal, dass mir Matthew White Einhalt gebot und mir sagte, ich solle jetzt nicht attackieren“, sagte Yates. „Das war hart für mich. Es war gegen meine Natur. Ich weiß, dass es zu meinem Besten geschah, aber es war auch schwer zu ertragen. Und ich musste meine Einstellung komplett ändern.“

          Der in der Nähe des Velodroms von Manchester, der Keimzelle des neuen britischen Radsports, groß gewordene Athlet verdiente seine ersten Sporen als Punktefahrer auf der Bahn. Da gehören Aggressivität und Explosivität zur Grundausstattung. Yates behielt diese Eigenschaften auch auf der Straße bei. Das war beim Giro d’Italia 2018 deutlich zu sehen. Da griff er vom Start weg an, setzte so seinen Landsmann Christopher Froome massiv unter Druck. Auf der letzten Bergetappe brach er aber ein. „Wir haben daraus gelernt, sind die Vuelta wesentlich konservativer gefahren und haben uns die Kräfte besser eingeteilt“, erzählte Yates’ Zwillingsbruder Adam.

          Dessen Präsenz beim Rennen war ebenfalls ein Schlüssel zum Erfolg. In den Karrieren der talentiertesten Zwillingsbrüder, die der Radsport je hatte, sorgt der Coup von Simon Yates für einen neuen Drehmoment. Denn auf der Straße war zuvor Adam Yates der Erfolgreichere. Er hatte es zuvor allerdings nicht ins Bahnprogramm von British Cycling geschafft, für das Simon Yates unter anderem den Weltmeistertitel im Punktefahren 2013 holte. Dass die Yates-Brüder nicht automatisch den Schritt zum Team Sky machten, dürfte mit der Nichtberücksichtigung von Adam Yates im Förderprogramm zusammenhängen. Vor allem aber auch mit dem Wissen, an einem Mann wie Froome in der Hackordnung im Rennstall nicht vorbeizukommen.

          „Es war genau richtig, dass wir nach Australien gingen. Hier haben wir den Raum, uns zu entwickeln“, sagte Simon Yates. In Zukunft sollen die Brüder aber wieder getrennt auf die Rundfahrt-Abenteuerreise gehen. Bis eines nicht allzu fernen Tages vielleicht sogar alle Rundfahrtsiege einer Saison nicht nur bei einer Nation bleiben, wie es 2018 Großbritannien mit dem Giro-Sieg durch Froome, dem Tour-Erfolg von Geraint Thomas und dem Vuelta-Triumph von Simon Yates gelang, sondern alles in einer Familie bleibt.

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