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Radprofi Tony Martin : Aufstieg trotz Niedergang

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Radrennfahrer Tony Martin: Er braucht ein vertrauensvolles Umfeld Bild:

Die Auflösung des Rennstalls HTC-Highroad beschert dem deutschen Profi Tony Martin vermutlich eine Gehaltserhöhung. Sein Manager bestätigt, dass es sehr viele Anfragen anderer Teams gebe.

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          Das Ende hatte sich abgezeichnet, seit Wochen schon. Auch Tony Martin schwante, dass seine Zukunft nicht beim Radrennstall HTC-Highroad liegen würde. Die Nachricht vom Donnerstag, dass die Equipe am Ende dieser Saison tatsächlich ihren Betrieb einstellen wird, überraschte ihn deshalb nicht. Martin wird ja demnächst auch nicht auf der Straße sitzen, er ist schließlich ein sehr begehrter Mann. Und vermutlich wird ihm das Aus seiner bisherigen Mannschaft sogar eine beträchtliche Gehaltsaufstockung bescheren. „Die Topleute werden mit Angeboten zugeschüttet“, sagt Rolf Aldag, der Sportdirektor des Teams. Und natürlich zählt Martin zu dieser Kategorie, nicht erst seit seinem Sieg im Einzelzeitfahren bei der zurückliegenden Tour de France.

          Ohnehin dürfte es kaum Härtefälle geben bei HTC-Highroad, das nun wegen des Rückzugs des Hauptsponsors und wegen der erfolglos gebliebenen Suche nach einem frischen Finanzier abgewickelt werden muss. Etwa 60 Angestellte sind betroffen, fast alle aber sollen bereits jetzt eine neue Perspektive haben. Darauf könne man stolz sein, sagt der Westfale Aldag. Das beweise, dass die Arbeit bei HTC-Highroad international anerkannt werde.

          Einen Geldgeber als Nachfolger des Mobilfunkunternehmens HTC hatte sich dennoch nicht finden lassen, trotz großer Anstrengungen. Aldag erzählt von „extrem vielen Meetings und Rundflügen“ von Bob Stapleton, dem amerikanischen Eigner des Teams. Stapleton soll zwar auf Interesse bei potentiellen neuen Partnern gestoßen sein, letztlich mochte sich aber doch niemand zu einer Zusage durchringen. Vielleicht wegen des hohen Preises - ein Radteam der ersten Klasse kostet pro Saison immerhin zwischen zehn und 15 Millionen Euro. Auch die Dopingproblematik im Radsport spielte eine Rolle, sie wirkt weiterhin abschreckend auf mögliche Interessenten. „Das wird natürlich thematisiert“, sagt Aldag.

          HTC, das seinen Sitz in Taiwan hat, fuhr auf alle Fälle nicht schlecht mit dem Team. Für sportliches Wachstum sorgte vor allem der britische Sprinter Mark Cavendish, der Jahr für Jahr Aufsehen erregte und bei der Tour 2011 fünf Etappen gewann. HTC will jedoch angeblich die Aktivitäten auf dem eigentlichen Geschäftsfeld ausweiten, und so müssen jetzt die Radprofis weichen. Der exzentrische Cavendish wird bereits seit längerem mit dem britischen Team Sky in Verbindung gebracht; er dürfte sich ebenfalls finanziell deutlich verbessern. Aldag ist überzeugt, dass es auch für einen jungen Fahrer wie den aufstrebenden Thüringer John Degenkolb eine neue Betätigung geben wird - „er wird keine Mühe haben“. Jörg Werner, Manager von Degenkolb und auch von Martin, bestätigte, dass es sehr viele Anfragen für beide Profis gebe. „Seit Donnerstagnachmittag steht mein Telefon nicht mehr still. Beide werden eine große Auswahl haben.“

          Aldag hat angeblich noch keine konkreten Pläne

          Seit dem 1. August dürfen die Radrennfahrer offiziell neue Verträge unterschrieben. Der in Hessen aufgewachsene Polizeimeister Martin wird aber, da ist Aldag sich sicher, nicht nur auf den Verdienst achten, sondern womöglich mehr noch auf die allgemeinen Strukturen der Teams, die um ihn buhlen. „Er braucht“, betont Aldag, „ein extrem vertrauensvolles Umfeld.“

          Der Westfale selbst, der am Aufbau von HTC-Highroad maßgeblich beteiligt war, dürfte auch wieder in der Branche unterkommen. Aldag hat angeblich noch keine konkreten Pläne, er weiß aber, dass die Zunft nicht ewig auf ihn warten wird. „Man ist ganz schnell vergessen in diesem Sport.“ Wenigstens haben er und seine Frau inzwischen noch ein anderes berufliches Standbein: ein kleines Sportzentrum in Delecke am Möhnesee. Mit der Möglichkeit, Rad zu fahren, versteht sich. Das lässt sich einer wie Aldag nicht nehmen.

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