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Radprofi Tadej Pogacar : Großtaten in jungen Jahren

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„Ich lebe gerade meinen Radsporttraum“: Tadej Pogacar sprintet bei Lüttich–Bastogne–Lüttich zum Sieg. Bild: EPA

Mit 22 Jahren gehört Tadej Pogacar längst zur Elite. Jetzt holt der Slowene seinen ersten Sieg bei einem der Monumente des Radsports. Nächstes Ziel ist die Bestätigung seines größten Coups.

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          Vor zwei Jahren gewann Tadej Pogacar sein erstes World-Tour-Rennen. Da stand ein zartes, unscheinbares Bürschchen auf dem Siegerpodest der Kalifornien-Rundfahrt. Weil er erst 20 Jahre alt war, durfte Pogacar die Champagnerflasche nicht öffnen. Er war zu jung, um in Amerika Alkohol trinken zu dürfen, aber stark genug, um namhafte Konkurrenz zu besiegen. Sonderlich überrascht zeigt sich der Slowene nicht von seinen Großtaten in jungen Jahren, schließlich habe er sich ja schon ausgangs der Kindheit ganz seinem Sport verschrieben. Mit 21 Jahren hob er vergangenes Jahr die gesamte Radsportwelt aus den Angeln, als er die Tour de France für sich entschied und der unscheinbare Kerl Knall auf Fall weltbekannt wurde.

          Und wie geht es weiter, seitdem auf seinen schmalen Schultern große Erwartungen liegen? Wie gehabt, äußerst erfolgreich. Und nach wie vor frei von jeglicher Extravaganz und von Allüren – der Typ fährt auch mit 22 Jahren einfach nur Rad. Noch nie ist ihm irgendein pharmazeutisches Vergehen nachgewiesen worden, doch die Mitstreiter während seiner Aufstiegsgeschichte waren nicht alle gut beleumundet in Sachen Doping. Zumal auch die slowenische Szene schon Zielscheibe von Verdächtigungen geworden ist.

          In dieser Saison trat Pogacar bei drei einwöchigen Rundfahrten an und gewann zwei davon: das Heimrennen seines Teams UAE Emirates, die UAE Tour und die Fernfahrt Tirreno-Adriatico. Am Sonntag fügte Pogacar seiner Vita noch sein erstes Radsport-Monument an, den Gewinn des knüppelharten Lüttich–Bastogne–Lüttich. Unscheinbar und geduldig, wie es seine Art ist, reihte er sich auf der Zielgeraden in der fünfköpfigen Gruppe ganz hinten ein. Blieb am Hinterrad von Weltmeister Julian Alaphilippe, einem der stärksten Beschleuniger im Peloton. Und überspurtete ihn nach enormen 259, mit unzähligen Ardennen-Anstiegen gespickten Rennkilometern mit taktischer wie kraftvoller und standfester Exzellenz. „Ich liebe dieses Rennen, und hier gegen diese Namen zu gewinnen ist unglaublich. Ich lebe gerade meinen Radsporttraum“, sagte Pogacar.

          Der Franzose Alaphilippe (Deceuninck-Quickstep) dagegen erlebte seinen zweiten Lütticher Zielsprint-Albtraum innerhalb eines halben Jahres. Bei der in den Herbst verschobenen 2020er-Ausgabe nahm er die Arme so früh jubelnd vom Lenker, dass Primoz Roglic ihm den Sieg noch stehlen konnte. Nun entriss ihm mit Pogacar wieder ein Slowene auf den letzten Metern den Sieg bei „La Doyenne“, dem ältesten noch ausgetragenen Eintagesrennen (seit 1892). Erstmals seit Bernard Hinault (1980) konnte mal wieder ein aktueller Tour-de-France-Champion Lüttich– Bastogne–Lüttich gewinnen.

          Nicht nach dem Geschmack von Maximilian Schachmann und dem deutschen Team Bora-hansgrohe lief die 107. Ausgabe des Rennens. Der Berliner ist als Kapitän in die Woche des Ardennen-Triples, bestehend aus Amstel Gold Race, Flèche Wallonne und eben „La Doyenne“ gegangen. Nach Schachmanns starkem drittem Platz zum Auftakt in den Niederlanden folgten bei den belgischen Finals der Klassikersaison die Ränge zehn und neun. An sich ein weiterer Beweis dafür, dass der 27-Jährige mit der absoluten Weltspitze auf diesem Terrain mitradeln kann. Doch gemessen an den Ansprüchen von Bora-hansgrohe, bei den großen, prestigeträchtigen Rennen immer einen Siegkandidaten an Bord zu haben, fahren die Profis des Raublinger Rennstalls in diesem Frühjahr zu weit hinterher. „Ich habe mich gut gefühlt, aber das Resultat war am Ende nicht das, was ich mir erhofft hatte“, sagte Schachmann in Lüttich.

          Nun geht es zu den großen Rundfahrten

          Sein Fehler sei gewesen, am Côte de La Redoute, einer Schanze, an der bei Lüttich–Bastogne–Lüttich häufig entscheidende Attacken lanciert werden, den Sprung in die Gruppe verpasst zu haben, aus der sich letztlich das Spitzenquintett löste. Bei der späteren Jagd auf die mitunter nur wenige Sekunden vorwegfahrenden Führenden hätten ihm die Mitstreiter gefehlt, so Schachmann, der in diesem Jahr zugunsten der Olympischen Spiele auf einen Start bei der Tour de France verzichtet.

          Nach dem Ende der Klassikersaison wendet sich das Peloton nun den großen Landesrundfahrten zu. Der Giro d’Italia beginnt am 8. Mai, unter anderem mit dem Ravensburger Emmanuel Buchmann (Bora-hansgrohe), der ein Topresultat anstrebt. Stars wie Pogacar, welche die Frankreich-Rundfahrt anstreben, gehen nun in eine Rennpause, um dann die Vorbereitung aufzunehmen auf den Höhepunkt der Saison. Eine Saison, die während der Pandemie bislang – abgesehen vom verschobenen Klassiker Paris–Roubaix – ihre wichtigsten Veranstaltungen aufrechterhalten konnte. Aufrecht und wacker hielt sich bei Lüttich–Bastogne–Lüttich auch Alejandro Valverde (Movistar). Der spanische Veteran eröffnete den Sprint auf der Zielgeraden – an seinem 41. Geburtstag. Valverde darf also schon seit 20 Jahren Alkohol trinken in Amerika, Sieger Pogacar erst seit einem.

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