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Französischer Radprofi Bardet : „Ich liebe Deutschland“

  • -Aktualisiert am

Radprofi Romain Bardet bei der Tour de France. Bild: AFP

Romain Bardet ist einer der besten Bergfahrer der Welt – und bekennend germanophil. Ein Gespräch vor der Deutschland-Tour über die Macht von Team Sky und den Schüleraustausch in Sachsen.

          3 Min.

          Frankreich sieht in Romain Bardet einen kommenden Tour-de-France-Sieger. Nach dem zweiten Platz 2016 und Platz drei 2017 wurde er dieses Jahr nur Sechster. Fast vier Wochen später nimmt er mit seinem Team ag2r an der Deutschland-Rundfahrt teil, die an diesem Donnerstag (12.00 Uhr bei Eurosport) startet.

          Haben Sie sich nach der Tour de France gut erholt?

          Die Tour war anstrengend und ermüdend, die Umsetzung mehrerer Monate Training, Vorbereitung, Erkundung. Ich habe mich ein paar Tage erholt, aber man sollte trotzdem Rad fahren, sonst hat man keinen Rhythmus mehr.

          Wie betrachten Sie nach drei Wochen Ihre Tour? Sind Sie mit Ihrem sechsten Platz zufrieden?

          Das war nicht mein Ziel. Aber es gibt immer Umstände, mit denen man nicht rechnen kann. Dieses Jahr waren sie für mich nicht so vorteilhaft wie gewünscht, auch nicht für die Mannschaft als Kollektiv. Manche Etappen wollte ich besser fahren. Aber das Ergebnis ist auch nicht schlecht. Ich war nur daran gewöhnt, bei der Tour starke Gefühle zu haben, und dieses Jahr ist es nicht so gewesen. So ist Hochleistungssport. Manche Tour ist glanzloser.

          Haben Sie den Eindruck, Sie haben großes Pech gehabt? Ihre besten Teamkollegen mussten aufgeben, Sie haben mehrmals und in schlechten Momenten gepatzt.

          Die Tour de France ist ein großes Abenteuer, immer gibt es Glück und Unglück. Das erklärt aber nicht allein das Ergebnis. Die Aufgabe meiner Teamkollegen hat die Tour schwieriger gemacht, und das menschliche Abenteuer hat darunter gelitten. Aber die Mannschaft wächst daran. Deshalb bleiben wir in diesem Projekt total engagiert. Ich fahre die Tour seit sechs Jahren und habe mich sehr verbessert. Sie bleibt mein Hauptziel. Ich habe noch ein paar Jahre vor mir.

          Sie haben während der Tour mehrmals attackiert, Ihre Mannschaft hat versucht, das Team Sky zu stören, es blieb aber erfolglos. War Sky einfach zu stark?

          Im Sinne des Rennablaufs war die Tour enttäuschender als das Ergebnis. Ich hatte mehr Spaß in den vergangenen Ausgaben, mit mehr Freiheit und mehr Platz für Instinktfahrer wie mich. Dieses Jahr hatte ich weniger Spaß beim Rennen. So gesehen war es frustrierend.

          Mit seinem Abschneiden bei der Tour de France ist Bardet nicht ganz zufrieden.

          Wegen der Strecke oder wegen Sky?

          Nicht wegen der Strecke. Ich meine, die Tour ist das wichtigste Rennen der Welt. Die Mannschaften haben immer größere Budgets und sind für den Sieg strukturiert. Sie versuchen, den Platz für die Unwägbarkeiten immer kleiner zu machen. Für Fahrer wie mich ist das schwer zu akzeptieren. Alles wird von den Mannschaften kontrolliert, und es gibt keinen Platz mehr für die Improvisation.

          Vor der Tour haben Sie sich über den Fall Christopher Froome ausgelassen. Sie hatten gesagt, an seiner Stelle würden Sie sich schämen.

          Meine Aussage wurde falsch verstanden. Ich dachte nur, dass es klüger gewesen wäre, sich vom Sport zurückzuziehen und zu warten, bis die Affäre geregelt ist. Jetzt ist die Sache entschieden. Es war wichtig, dass das vor der Tour stattfand. Früher wäre es besser gewesen, aber die Tour hat unter erträglichen Bedingungen begonnen.

          Das Publikum war frustriert und verärgert. Ein Fan hat versucht, Christopher Froome zu Fall zu bringen. Verstehen Sie das?

          Natürlich nicht. Wenn man zur Tour kommt, soll man die Radfahrer unterstützen, die Mühe der Sportlers respektieren. Jemanden auspfeifen bietet den Fans und der Jugend ein schlechtes Bild.

          Warum haben Sie sich entschieden, die Deutschland-Tour zu fahren?

          Ich habe wunderbare Erinnerungen an den Tourstart in Düsseldorf 2017. Ich habe Deutsch in der Schule gelernt und habe tolle Erinnerungen an diese Zeit. Und ich habe darüber viel erfahren, dass Radsport in den Jahren nach Jan Ullrich ziemlich unbeliebt wurde. Heute gibt es eine sehr schöne Generation deutscher Fahrer wie Marcel Kittel, John Degenkolb, Tony Martin und andere. Sie verteidigen die Doping-Bekämpfung, und ich fühle mich dem nah. Sie geben ein gutes Bild ab. Ich bin froh, dass wieder ein Vier-Tage-Rennen in Deutschland stattfindet. Und es ist Zeit für mich, Rennen zu fahren. Also nehme ich an dieser „Wiedergeburt“ des deutschen Radsports teil.

          Sie mögen Deutschland?

          Ja, ich liebe es. Vor zwei oder drei Jahren lernte ich noch Deutsch in meiner Wirtschaftshochschule. Heute verstehe ich es besser, als ich spreche, aber ich habe wirklich wunderbare Erinnerungen an meinen Schüleraustausch mit einem Gymnasium in der Region von Leipzig. Ich habe noch viele Kontakte dort. Ich habe immer eine besondere Beziehung zu diesem Land gehabt, ich bin froh, hier fahren zu können. In Deutschland ist das Rad das erste Verkehrsmittel, aber der Radsport hat sich nicht sehr stark entwickelt. Wenn man heute diese Kultur mit Radsport vereinbaren könnten, wäre es wunderbar.

          Vergangenes Jahr in Düsseldorf haben Sie während den Mannschaftsvorstellungen Deutsch gesprochen. Sie haben beim deutschen Publikum Eindruck gemacht.

          Ich war vom Empfang wirklich angenehm überrascht. Die deutsche Sprache ist sehr schwer zu beherrschen, wegen der Satzstruktur zum Beispiel. Man sollte es oft üben. Heute bin ich froh, hier zu sein, und ich habe ein paar Zeitungen gekauft, um auf Deutsch zu lesen.

          Ihr Ziel ist nun die Weltmeisterschaft, die am 30. September in Innsbruck stattfindet. Wie gehen Sie das Ende der Saison an?

          Das ist für mich ein großes Ziel. Aber ich bin vor allem hier, um Tempo aufzunehmen. Aber auch, um unserem Deutschen im Team, Nico Denz, zu helfen. Er ist in Form und ist total motiviert, in Deutschland zu fahren.

          Sie werden auch auf den schönen Straßen von Koblenz, Trier oder Stuttgart fahren.

          Ich freue mich darüber! Ich kenne diese Region eigentlich nicht, es wird schön, sie zu entdecken.

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