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Radprofi Linus Gerdemann : Ein Beruf neben der Spur

Deutsch, jung, vertrauensvoll, transparent: Linus Gerdemann Bild: ddp

Deutsch, jung, vertrauensvoll, transparent: Linus Gerdemann am Anfang eines harten Weges. Im schwer belasteten Schauspiel des Radsports muss er, der als ein Versprechen auf ein besseres Morgen gilt, eine glaubwürdige Heldenrolle spielen.

          Süden, Küsten, Ferienorte, manchmal scheint sogar die Sonne: Das ist in diesen Tagen das Terrain für all jene, die im Sommer im Sattel auf der Höhe sein wollen. Sie halten sich auf Mallorca auf, in Andalusien, in Portugal oder auch in Kalifornien. Das Peloton ist wieder in Bewegung gekommen, nimmt Fahrt auf, und seine Mitglieder suchen nach ihrer Form und auch nach Format.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Es ist ein zähes Ringen in Zeiten des Zweifels, auch für solche, die als „frische Gesichter“ betrachtet werden, die einen Aufbruch zu verkörpern scheinen und ein siechendes Metier wiederbeleben sollen. Auch der taumelnde deutsche Radsport klammert sich an solche Männer, an einen Profi aus Münster vor allem, an Linus Gerdemann. Er fährt voraus, nicht nur mit dem Rad. Er geriert sich wie ein Botschafter seines Sports, er wirbt für ihn und auch für sich selbst. In seinem Windschatten sollen sich neue Horizonte eröffnen.

          Keine optimale Vermarktungsplattform

          Marc Kosicke spricht sehr wohlwollend über Gerdemann. Er nennt ihn, ganz Verkaufsstratege, ein Aushängeschild, einen Leader, eine Persönlichkeit. Kosicke kommt nicht aus dem Radsport, er kennt sich aber mit Public Relations aus, er betreibt die Firma „Projekt B“, bei der Oliver Bierhoff Gesellschafter ist. Zu ihren Klienten gehört der Dortmunder Fußballtrainer Jürgen Klopp, der in Fernsehspots am Steuer eines Autos japanischer Bauart zu sehen ist. Kosicke vertritt auch den Radrennfahrer Gerdemann, doch Gerdemann ist nicht so präsent wie Klopp, weil ein Radprofi nicht mehr das beste Ansehen genießt, gelinde gesagt.

          Der Berufsstand steckt im Zwielicht

          Kosicke ist sich dessen bewusst, auch Gerdemann redet offen darüber, sie versuchen, sich mit dieser Situation zu arrangieren. Nicht, dass sie sich damit abfinden würden, aber sie können der Realität nicht entfliehen. In Deutschland, sagt Gerdemann, gebe es gerade keine optimale Vermarktungsplattform für seinesgleichen. Der Berufsstand steckt im Zwielicht, überall herrscht Skepsis, auch in der Wirtschaft, an Geld mangelt es ohnehin. Gerdemann konzentriert sich deswegen vorläufig auf Überzeugungsarbeit, nicht nur auf seinem Rennrad.

          Er setzt auch auf die Macht der Worte; er ist eloquent genug, um das praktizieren zu können. Gerdemann sagt, dass er diskussionsfreudig auf die Leute zugehen wolle. Und der Mann, der die Deutschland-Tour 2008 gewann, betont dabei: „Ich habe gemerkt, dass ich sauber erfolgreich sein kann.“ Radeln und reden - das ist also vorläufig seine Methode, sich zu positionieren, gegen das allgemeine Misstrauen gegenüber dem Radsport vorzugehen, ein bisschen Licht zu schaffen zwischen all den Schatten.

          Immer wieder neu entflammt

          Das soll keine Masche sein, kein Konzept, das kühl an einem Schreibtisch in Oberbayern entworfen wurde. Es sei ein Stück von Gerdemann selbst, sagt sein Manager Kosicke, er verweist auf dessen „Gerechtigkeitsbewusstsein“ und den Wunsch, sich den Dingen zu stellen. Den Debatten über Doping beispielsweise, die in den zurückliegenden Jahren stark befeuert wurden durch eine Reihe von Skandalen, die immer wieder auch neu entflammen.

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