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Radprofi Kämna : Endlich auf große Rundfahrt

Deutsche Radhoffnung: Lennard Kämna will an den großen Rundfahrten teilnehmen. Bild: Picture-Alliance

Radprofi Lennard Kämna will beim Giro d’Italia und der Tour de France mitfahren. Er ist das nächste Talent, das Hoffnungen auf einen neuen deutschen Rundfahrer weckt.

          2 Min.

          Radprofi Lennard Kämna ist große deutsche Hoffnung.  Bei der Präsentation seines Teams Sunweb am Donnerstag in Berlin gibt er sich freilich noch sehr bescheiden. Er erwarte von der bevorstehenden Saison viele große Rennen und tolle Erfahrungen. Beim Giro d’Italia oder der Tour de France steht das Debüt des Zweiundzwanzigjährigen bei den berühmten Rennen des Radsports bevor – endlich.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In Italien will Kämnas Mannschaftskapitän Tom Dumoulin wie bereits 2017 gewinnen. Gehörte Kämna zum Team, würde er dem Leader verpflichtet sein – eine ehrenvolle Aufgabe mit der Chance, sich an der Seite des Niederländers einen Namen zu machen. Würde Kämna für die Tour nominiert, sieht er die Chance, in Ausreißergruppen mitzugehen und um Etappensiege kämpfen zu dürfen, ohne Rücksicht auf die Hierarchie im Team nehmen zu müssen. Sunweb hat keine Ambitionen auf die Gesamtwertung 2018, da die Veranstalter lediglich ein kleines Einzelzeitfahren eingeplant haben, 27 von 3351 Kilometer. Der überragende Zeitfahrer Dumoulin empfindet das als Benachteiligung. Wo Kämna lieber führe? „Das ist wie die Wahl zwischen Platin und Gold.“

          Deutschen Gewinner entwickeln

          Bereits im vergangenen Jahr hätte Kämna auf große Rundfahrt gehen sollen. 2017 war er Profi geworden – und war mit den Besten seines Teams praktisch auf Anhieb Weltmeister im Mannschaftszeitfahren geworden. Kämna versilberte den Titel mit Platz zwei im Straßenrennen der U23 und schien damit zu bestätigen, dass Team Sunweb und er auf bestem Wege waren, das britische Team Sky mit Tour-Sieger Christopher Froome herauszufordern. Man wolle einen deutschen Gewinner entwickeln, sagte Sunweb-Teamchef Iwan Spekenbrink, als er ankündigte, Kämna werde 2018 endlich auf Tour gehen.

          All die Prognosen und Erwartungen schienen greifbar zu werden, die Kämna begleiten, seit er 2014 Junioren-Weltmeister im Einzelzeitfahren wurde: ein neuer Jan Ullrich, allerdings ohne Doping. „In Deutschland wird man schnell zum neuen deutschen Rundfahrer ausgerufen“, sagt Kämna. „Ich hätte es lieber gesehen, dass man es ruhiger hält.“

          2018 wurde ruhiger als erhofft. Während Dumoulin sich beim Giro nur Froome und bei der Tour allein Geraint Thomas geschlagen geben musste, war für Kämna schon im Sommer Schluss. Im Winter umgezogen nach Köln, kehrte er auf dem Höhepunkt der Saison zu einer achtwöchigen Auszeit zurück in seine Heimat Fischerhude an der Wümme nahe Bremen. Dort nahm er sich Zeit zum Lesen, für Freunde, zum Skaten, zum Klettern, zum Wasserski. Nur Radfahren war ihm im sonnigsten Sommer seit langem verboten. „Körperlich erschöpft und geistig müde“ war er gewesen. Erholt und mit ein, zwei Kilo mehr auf den Rippen stiegt er wieder in den Sattel und fuhr im Oktober Rennen in Italien und China.

          Lennard Kämna scheint bereit, seine vielversprechende Karriere weiter voranzutreiben. Mit der Tour de Provence beginnt seine Saison und führt ihn zu Katalonien-Rundfahrt, Amstel Gold Race und Flèche Wallonne. Sein Traum ist der Anstieg nach Alpe d’Huez mit seinen 21 Kehren. Im Alter von zwölf Jahren ist er auf dem Kinderfahrrad die knapp 14 Kilometer mit 1060 Meter Höhenunterschied hinaufgefahren – in reichlich zwei Stunden. Wenn er sich etwas wünschen dürfte, gäbe es, wie 2004 und seitdem nie wieder, ein Einzelzeitfahren nach Alpe d’Huez. 2019 meidet die Tour den legendären Anstieg.

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