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Radprofi Gerald Ciolek : Über Afrika zur Tour

Radprofi Gerald Ciolek ist auf einer Abenteuerreise zweiter Klasse Bild: dpa

Gerald Ciolek hat sich noch nirgendwo wirklich durchsetzen können - obwohl er einst U-23-Weltmeister war und als großes Talent galt. Nun wagt der Radprofi einen Umweg und lernt den afrikanischen Rhythmus kennen.

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          Der Startschuss fällt jenseits von Europa, in Gabun, bei einem Rennen namens Tropicale Amissa Bongo. Es ist die erste Rundfahrt im UCI-Kalender 2013 - mit dem südafrikanischen Team MTN-Qhubeka, der neuen sportlichen Heimat des deutschen Sprinters Gerald Ciolek. Afrika macht mobil im Radsport, und warum sollte dort nicht ein deutscher Profi einen Neuanfang wagen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Ciolek ist 26 Jahre alt, er war bei Rennställen wie T-Mobile, Milram oder Omega Pharma-Quickstep beschäftigt - und hatte sich doch nirgendwo wirklich durchsetzen können. Obwohl er einst U-23-Weltmeister war und als großes Talent galt. Er sagt: „Nur einer von 1000 Fahrern schafft es von der Spitze im Nachwuchsbereich auch bei den Profis ganz nach vorne.“ Nach Südafrika brachte ihn sein neuer Manager Ken Sommer, Sohn des früheren Telekom-Chefs Ron Sommer.

          MTN-Qhubeka ist ein Pro-Continental-Team, ein Zweitdivisionär des Radsports also. Und ein ernst zu nehmender Betrieb. „Wir sind nicht die Cool Runnings des Radsports“, sagt Ciolek mit Bezug auf den Kinofilm über das erste jamaikanische Bobteam, das 1988 an den Olympischen Spielen in Calgary teilnahm. „Die Ausstattung ist top, alles läuft sehr professionell“, urteilt der deutsche Radrennfahrer über die Equipe mit Sitz in Johannesburg.

          Ciolek lernt den afrikanischen Rhythmus kennen - mit Begleitern aus der Heimat an seiner Seite. Das sind die Fahrer Martin Reimer und Andreas Stauff und der Sportliche Leiter Jens Zemke. Der Hesse Zemke sagt selbstbewusst: „Wir wollen als erstes afrikanisches Team zur Tour de France.“ Der südafrikanische Teammanager Douglas Ryder würde am liebsten auch noch einen afrikanischen Weltmeister hervorbringen.

          „Gerald muss ein paar Mal treffen, dann läuft es“

          „Wir haben ein professionelles Umfeld der Fahrer vom afrikanischen Kontinent geschaffen.“ Zemke und Ryder hoffen, dass Ciolek nun wichtige Anschubhilfe leistet als Sprinter und Klassiker-Spezialist: „Gerald muss ein paar Mal treffen“, sagt Zemke, „dann läuft es.“ Am besten bei größeren Rennen in Europa: Ciolek spricht von dem Wunsch, zur Algarve-Rundfahrt, zu Tirreno-Adriatico oder zu Mailand-San Remo eingeladen zu werden. „Ich bin zuversichtlich“, behauptet er. Sein Team ist allerdings auf das Wohlwollen der Organisatoren angewiesen.

          MTN-Qhubeka, im Jahr 2008 gegründet, ist sozusagen eine bunte Truppe. Mit Rennfahrern aus Deutschland oder Spanien, aus Südafrika, Algerien, Äthiopien, Eritrea oder Ruanda. Hinter der südafrikanischen Mannschaft steht der afrikanische Telekommunikations-Riese MTN. Das afrikanische Wort Qhubeka bedeutet entwickeln, vorantreiben.

          Und stellt eine Organisation mit sozialem Engagement dar: Sie versorgt Kinder aus ländlichen Gegenden Afrikas mit Fahrrädern. Qhubeka lässt sich aber auch auf den neuen Karriereschritt von Ciolek münzen: Er soll ebenfalls vom frischen afrikanischen Wind im Radsport profitieren. Auch wenn es vorläufig „nur“ eine Abenteuerreise zweiter Klasse ist.

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