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Giro d’Italia : Ungläubiges Staunen über Froome

  • -Aktualisiert am

Der britische Radprofi Chris Froome bei der Giro d’Italia. Bild: AFP

„Er machte den Landis!“: Die spektakuläre Solofahrt des Salbutamol-Patienten ins Rosa Trikot beim Giro d‘Italia verblüfft die Konkurrenz. Doch eine Hypothek kann der britische Tour-Seriensieger nicht abhängen.

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          „Er machte den Landis!“, war der erstaunte Ausruf von George Bennett, als ihm seine Teambetreuer steckten, dass Froome tatsächlich ins rosa Trikot gefahren war. Bennett kann durchaus einschätzen, was eine solche Leistung bedeutet. Der Neuseeländer erreichte schon einmal eine Top-10-Plazierung bei der Vuelta. Und er fuhr sich am Freitag mit einer bemerkenswerten Bergleistung auch unter die besten Zehn beim Giro. Augenzeuge der Froomeschen Leistung war er freilich nicht. Bennett kämpfte sich im Abstand von mehr als acht Minuten hinter Froome ins Ziel. Dass der Brite ganz allein sowohl seiner eigenen, sechs Mann starken Gruppe stand gehalten hatte und auch der mit drei Minuten Rückstand ins Ziel gekommenen Vierergruppe um Titelverteidiger Tom Dumoulin, verblüffte nicht nur Bennett.

          Er war nicht der einzige, der sich an Floyd Landis‘ sensationelle Alleinfahrt bei der Tour de France 2006 erinnert fühlte. Aber der Mann aus Neuseeland war der einzige, der dies so deutlich aussprach. Landis hatte damals in einer über 120 km andauernden Alleinfahrt mehr als fünf Minuten auf die Konkurrenz herausgeholt. Er hatte seine Superperformance mit „Wut im Bauch und einem ordentlichen Schluck Whiskey“ zu erklären versucht. Wenige Tage später wurde Landis positiv auf Testosteron getestet. Der Sohn einer Mennonitenfamilie versuchte wenigstens nicht, die Testosteronspuren auf eine Verunreinigung des Whiskeys zu schieben. Ist Froome nun auch ein Landis?

          Bennett ruderte am Abend verbal zurück. Sein Team LottoNL-Jumbo verbreitete eine Botschaft, in der es heißt: „Haftungsausschluss, um jede Fehlinterpretation zu vermeiden: Das ist keine Unterstellung, sondern eine Art, die Bewunderung für eine ganz besondere Leistung auszudrücken. Glückwünsche an Chris Froome und Team Sky.“

          „Dazu gebe ich keine Auskunft“

          Ob der Anwalt des Rennstalls den Spruch so formuliert hatte, blieb im Dunkeln. Fakt ist, LottoNL-Jumbo will keine Klage wegen Rufschädigung riskieren. Froomes Anwaltsteam ist ja ohnehin gerade im hochtourigen Betriebsmodus. Ihm muss etwas einfallen, den Klienten aus dem Salbutamol-Prozess herauszuboxen. Eine Klage wegen Rufschädigung ist da schnell aufgesetzt. Froome wurde nach der Etappe natürlich auch gefragt, wie er sich auf sein großes Unternehmen vorbereitet hatte. Er gewährte aber nur bedingt Einblick: „Wir haben uns am Abend alle zusammengesetzt. Wir haben die Aufgaben verteilt, wo wir attackieren, wer wo Tempo macht. Es ging auch um die Ernährung. Was füllt man ein, wie verteilt man es.“ Was eingefüllt wurde, sagte er nicht. Froome hielt sich im Laufe dieses Giro auch bedeckt darüber, ob er weiter Asthmamittel nimmt oder ob er therapeutische Ausnahmegenehmigungen hat. „Das sind alles persönliche Dinge. Dazu gebe ich keine Auskunft“, sagte er am zweiten Ruhetag.

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