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Radprofi Björn Thurau : Der andere Sohn

Versöhnlich: Björn Thurau hat seinen Frieden mit Vater Dietrich gemacht Bild: imago sport

Björn Thurau will sich bei seinem Heimrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ am Mittwoch freistrampeln. Obwohl er vermutlich doch immer irgendwie auch gegen seinen berühmten Vater fahren wird.

          Von der Sonne verwöhnt? In der Türkei hat es Björn Thurau jedenfalls gut gefallen, „jeden Tag 30 Grad“, und sportlich musste er auch nicht klagen. „Ich habe mich zeigen können“, sagt Thurau, „ich habe wichtige Helferdienste geleistet.“ Er will den Schwung von dieser Rundfahrt, die am Sonntag endete, jetzt mitnehmen in die Heimat: Mittwoch, das Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“, ein Auftritt im Thurau-Land. In der Region, in der Thurau groß wurde, als Sohn eines Mannes, der einst als „blonder Engel“ gefeiert wurde. Björn Thurau, 24 Jahre alt, wird als Radrennfahrer freilich nie wie sein Vater werden, allein schon wegen seiner Körpergröße: Mit 1,93 Meter kommt man auf dem Rad nur schwer über Berge. Der Junior will sich deswegen auf Eintagesrennen spezialisieren, auf Klassiker, auf Rennen wie Paris-Roubaix, wo er in diesem Jahr erstmals startete. Und, eine erstaunliche Leistung, in einer Gruppe mit John Degenkolb ins Ziel kam, einem anderen deutschen Radprofi, der sich bereits einen Namen in der Branche gemacht hat: Platz 48, nur dreieinhalb Minuten hinter Sieger Fabian Cancellara. Auch Dietrich Thurau registrierte das mit Wohlwollen: „Es geht schon ein bisschen aufwärts.“

          Held und Dopingsünder: „Didi“ Thurau 1988
          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Björn Thurau und der Radsport und „Didi“, der Held und der Doping-Sünder von früher: eine problematische Angelegenheit, immer wieder. Es gab Zerwürfnisse in der Familie, sie wurden öffentlich diskutiert. Der Senior war nicht einverstanden damit, dass sein Filius mit 18 schon, nach dem Hauptschulabschluss, Profi wurde. „Er hat nicht auf mich gehört“, sagt Dietrich Thurau, „junge Kerle, ist halt schwierig.“ Björn Thurau tingelte durch den Sport, bei Mannschaften wie Atlas Romer’s Hausbäckerei, Elk Haus oder dem Team Bergstraße. Dietrich Thurau spricht von „Rumeiern“, von „Gurkenteams“. „Da verlierst du den Siegerinstinkt.“ Jeder mache Fehler, entgegnet Björn Thurau. Und betont auch seine Eigenständigkeit: „Ich bin meinen Weg gegangen. Und ich bin ihn mittlerweile gut gegangen.“ Bringe doch auch nichts, sagt er, in der Vergangenheit herumzuwühlen. „Es zählt nur, was jetzt ist.“ Das ist zum Beispiel das Team Europcar um den Franzosen Thomas Voeckler, bei dem der junge Thurau, in der Schweiz lebend, noch bis zum Jahresende unter Vertrag steht. Dank der Beziehungen des bekannten Vaters, dessen zweiter Sohn Urs eine Tenniskarriere anstrebt. „Die Chance muss er nutzen“, sagt Dietrich Thurau, „er muss merken, wie es läuft.“

          Der Radprofi Björn Thurau findet, dass es für ihn momentan ganz gut funktioniert. Behauptet sogar, dass es sein bestes Jahr sei, „ich habe Stück für Stück eine neue Ebene erreicht“. Das Ziel? Nichts weniger als die Weltspitze. „Ich bin zuversichtlich.“ Trotz all der Fährnisse, die der Radsport bereithält, die auch Dietrich Thurau genau kennt. Ebenso wie die Versuchungen, die in diesem Metier lauern. „Das belastet mich gar nicht“, sagt Björn Thurau ziemlich forsch. Und, ebenfalls sehr selbstbewusst: „Ich sehe mich nicht gezwungen, mich zu verteidigen, ich habe nichts zu verheimlichen.“ Er will sich einfach freistrampeln, endgültig. Obwohl er vermutlich doch immer irgendwie auch gegen „Didi“ fahren wird. Immerhin: „Ich habe meinen Frieden mit ihm gemacht.“

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