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Primož Roglič vor Vuelta-Sieg : Der slowenische Stoiker

Bislang erfolgreich: Sichert sich Primoz Roglic nun auch den Gesamtsieg bei der Vuelta? Bild: AFP

Einer der berühmtesten Philosophen kommt aus Slowenien, ziemlich viele gute Skispringer auch. Jetzt gibt es auch eine ganze Radsportarmada. Erstmals überhaupt wird wohl Primož Roglič den Titel bei einer Grand Tour gewinnen – das ist kein Zufall.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Primož Roglič übersteht manche Kapriolen bei der Vuelta. Er kann am Sonntag der erste Slowene werden, der eine Grand Tour gewinnt. Und wäre auch der erste Skiflieger, der im so wenig artverwandten Sommersport derartig für Furore sorgt. Vor vier Jahren wurde Primož Roglič noch aus den Ferien geholt, um beim niederländischen Rennstall Lotto Jumbo einen Belastungstest zu machen.

          „Es war eine besondere Situation. Sie fragten mich. Ich hatte einige Tage nicht mehr trainiert und sagte ihnen das auch. Aber dann machten wir den Test. Und er fiel so aus, dass sie mich dann engagierten“, erinnerte sich Roglič jetzt an diese Episode. Vier Jahre sind vergangen. Der frühere Skispringer, der damals nur drei Jahre ernsthaftes Radsporttraining in den Beinen hatte, trägt das rote Leadertrikot der Vuelta.

          Es scheint ihm angewachsen, so sehr hat er diese Spanien-Rundfahrt dominiert. Ihn konnte der Sturz beim Teamzeitfahren zum Auftakt nicht schrecken. Sein Team, das mittlerweile Jumbo Visma heißt, verlor 40 Sekunden auf den Astana-Kapitän Miguel Ángel López und 26 Sekunden auf das Movistar-Duo Nairo Quintana und Alejandro Valverde. Im Einzelzeitfahren nahm Roglič seinen Rivalen anderthalb bis drei Minuten ab. Auch in den Bergen war er ihnen meistens überlegen.

          Vor allem aber beherrschte er diese Vuelta, weil er sich von nichts aus der Ruhe bringen ließ. Nach dem Sturz im Teamzeitfahren fanden er und die verbliebenen Teamkollegen schnell in ihren Rhythmus zurück und begrenzten den Schaden. Als auf der 17. Etappe das Feld schon bei Kilometer null zerriss und sich ein 220 Kilometer langes Verfolgungsfahren der beiden Sub-Pelotons entwickelte, verlor er ebenso wenig die Nerven. Vorn machte Movistar Druck für Quintana. Auch Deceuninck Quick Step und Sunweb warfen viele Helferbeine in die Schlacht, während hinten die Jumbo Visma-Truppe von Roglič lange auf sich allein gestellt war. Das größte Desaster drohte, als die im Hauptfeld verbliebenen Movistar-Fahrer kurz beschleunigten und so die Helfer von Roglič schachmatt setzten.

          In den Begleitfahrzeugen von Jumbo Visma rechnete man schon mit dem Verlust des roten Trikots. Dann aber nahte Rettung in Gestalt der hellblauen Astana-Trikots. Die Helfer von López, der ebenfalls zum abgehängten Teil gehörte, ließen sich zurückfallen. „Es war mein Fehler, zu weit hinten positioniert gewesen zu sein. Aber wir haben das Trikot verteidigt“, zog der Slowene danach eine so knappe wie unaufgeregte Bilanz. Er ließ sich auch zwei Tage später nicht erschüttern, als ein Sturz bei etwa 65 km vor dem Ziel seine halbe Mannschaft niederstreckte. Roglič fiel ebenfalls. Und vorn schoss Movistar davon – ungeachtet all der auf dem Asphalt hingestreckten Arbeitskollegen.

          Dem spanischen Rennstall trug die Aktion viel Verachtung ein. Von den „immer gleichen Sachen der immer gleichen Dummköpfe“, schimpfte López. Roglič wählte moderatere Töne. Der Präzision halber muss man erwähnen, dass Movistar sich die Sturzstelle schon bei der Teambesprechung am Morgen aus genauer Kenntnis des Streckenabschnitts als Attackeareal ausgesucht hatte. Später entschuldigte sich López für die verbale Entgleisung, und Movistar bedauerte, auf die Gestürzten keine Rücksicht genommen zu haben. Roglič musste keine Energie für eine Bitte um Verzeihung aufwenden. Stoisch spulte er drei Wochen lang sein Arbeitsprogramm ab, in der gleichen Unaufgeregtheit, die er sich beim Skispringen mit Bretterwachsen, Kleidung anlegen und immer wieder Telemarküben angeeignet hat. Den Telemark wird er am Sonntag wohl auch auf dem Podium in Madrid zeigen.

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