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Radprofi Andy Schleck : Wie riecht eigentlich die Provence?

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„Das ist eine komische Frage. Man kann mir glauben. Alle meine Leistungen und Resultate sind nicht übermenschlich. Ich habe schon öfter gezeigt, dass ich bei Rennen auch einbreche, dass ich menschlich bin. Und keiner sieht doch, wie ich arbeite, dass ich auch im Regen und bei zwei Grad minus trainiere und danach fast mit Schüttelfrost nach Hause komme. Wer das nicht respektiert, der muss mir auch nicht applaudieren.“

Schleck sagt zwar, dass sich der Radsport seine Lage selbst zuzuschreiben habe, er verweist aber auch auf die Überwachung der Fahrer, die er als sehr umfangreich betrachtet. Und jeder positive Doping-Test sei doch ein Zeichen dafür, dass das System wirke. Er kritisiert es jedoch auch, weil es trotzdem noch gewisse Schwächen habe.

„Die Doping-Kontrollen müssten viel besser koordiniert werden von den verschiedenen Organisationen. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen. Ich hatte einmal um 7.30 Uhr eine Kontrolle von der UCI, und um 7.35 Uhr klingelte es wieder, und es war eine andere Agentur da. Ich stand dann mit zwei Bechern da. Eine Kontrolle ist ja auch nicht billig.“

Der Spanier Contador, der seine positive Doping-Probe mit einem verseuchten Stück Fleisch zu erklären versuchte, durfte nach seiner Entlastung durch den spanischen Radsportverband vorläufig wieder in das Peloton zurückkehren. Seine Zulassung zur Tour de France hängt aber vom Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes ab. Schleck sagt, dass es ihn nicht stören würde, wäre Contador im Juli wieder einer seiner Gegner.

„Ich war über seinen Fall erstaunt, verblüfft, kann man sagen. Das macht Angst, wenn man das hört, das ist erschreckend. Wenn Contador am Start ist, werde ich auf jeden Fall versuchen, ihn zu schlagen. Ich hoffe, beweisen zu können, dass ich besser bin als er. Man darf ihn auch nicht zu früh verurteilen und mit dem Finger auf ihn zeigen. Seine Sache ist jetzt in den Händen von Experten. Die Entscheidung wird schwarz oder weiß sein, es gibt kein Dazwischen.“

Wie gerissen der Spanier ist, war bei der Tour 2010 deutlich geworden, als Contador einen Kettenschaden bei seinem Rivalen aus Luxemburg konsequent zu seinem Vorteil nutzte und damit im Radsport eine Debatte über Ehre, Ehrgeiz und Egoismus auslöste. Was Schleck daraus gelernt hat?

„Ich hoffe, er hat daraus gelernt. Die Kritik, die er danach bekommen hat, war nicht gerade das Schönste. Er kam auch zu mir und hat sich entschuldigt. Ich habe ihm gesagt: Ich vergebe dir, aber ich vergesse nicht. Ich habe meine Lehren daraus gezogen.“

Die Sinne sind geschärft, der Radsport verlangt einen hohen Einsatz - und mancher zahlt auch einen hohen Preis dafür. Kein Platz für Seitenblicke bei der Tour. Wie die Provence riecht? Schleck, durchaus naturverbunden, muss passen. Er nehme, erzählt er, leider immer nur den Geruch der Motorräder mit den Kameramännern wahr, die ihn während des Rennens umschwirren. Es könnte für ihn ein sehr intensives Erlebnis werden im Juli 2011.

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