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RadioShack und Leopard : „Monster-Fusion“ auf Rädern

Kapitän gebraucht: Bruyneel (l.) wird Teamchef, Armstrongs Krebshilfestiftung beteiligt sich an RadioShack-Nissan-Trek (Foto von der Tour de France 2010) Bild: dapd

Die wohl beste Radsport-Equipe der Welt hat sich gefunden - Sportchef wird Johan Bruyneel. Die Armstrong-Clique mischt also weiter kräftig im Radsport mit.

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          Carlo Rock hält sehr große Stücke auf Johan Bruyneel, er hofft auf eine prächtige Zusammenarbeit mit ihm. Der Mann sei ein Profi, „das zählt für uns“. Rock ist Berater des öffentlichkeitsscheuen Luxemburger Immobilienmoguls Flavio Becca, der bisher maßgeblich den Radrennstall Leopard-Trek alimentierte. Bruyneel ist ein Intimus von Lance Armstrong und Sportchef des amerikanischen Teams RadioShack, das bei der Tour de France im vergangenen Sommer durch die Ausfälle mehrerer Rennfahrer auffiel.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Künftig werden Becca und der Belgier Bruyneel gemeinsame Sache im Radsport machen – mit einer neuen Mannschaft, gebildet aus Leopard-Trek und RadioShack. Die neue Formation wird RadioShack-Nissan-Trek heißen, für manchen Beobachter des Radsports stellt sich dieser delikate Zusammenschluss als eine „Monster-Fusion“ dar. Weil dadurch die vermutlich beste Equipe der Welt entstehen wird, für die vor allem die Tour zählt – und natürlich der Sieg in Paris.

          In der Branche erregt das ambitionierte Projekt bereits großes Aufsehen. Die Luxemburger Brüder Andy und Fränk Schleck, die bei der Tour 2011 die Plätze zwei und drei hinter dem Australier Cadel Evans belegten, erhalten nun schlagkräftige Unterstützung aus den Vereinigten Staaten, zum Beispiel Chris Horner, aber auch Andreas Klöden. Der schweigsame Deutsche ist zwar bereits 36 Jahre alt, er befindet sich aber noch in einer erstaunlich guten Verfassung.

          Neue Hoffnung auf den ersten Tour-Sieg: Andy (l.)und Fränk Schleck sollen künftig durch das beste Team der Welt unterstützt werden
          Neue Hoffnung auf den ersten Tour-Sieg: Andy (l.)und Fränk Schleck sollen künftig durch das beste Team der Welt unterstützt werden : Bild: AFP

          Dass der Vertraute von Jan Ullrich in Deutschland einst im Zentrum von Doping-Diskussionen stand, stört die Crew um Becca nicht – sie sieht ja auch keine Probleme mit Bruyneel, dessen Glaubwürdigkeit ebenfalls in Frage gestellt wird. „Damit müssen wir leben“, sagt Rock, der in Bruyneel einfach einen exzellenten Fachmann sehen will: „Wir brauchen einen Kapitän an Bord.“

          Sogar Armstrong, hartnäckig verfolgt von den amerikanischen Dopingjägern, ist an dem neuen Team in gewisser Weise beteiligt: Zu den Partnern von RadioShack-Nissan-Trek gehört „Livestrong“, die Krebshilfeorganisation des Texaners. Die Armstrong-Clique mischt also weiter kräftig im Radsport mit, obwohl Rock betont, dass Armstrong selbst „keine aktive Rolle“ in dem ganzen Konstrukt spiele.

          Mindestens 20 Millionen Euro Budget

          Auch das neue Team soll mit einer Luxemburger Lizenz starten. Und der ehrgeizige Becca, der mit dem bisherigen Management um den Dänen Brian Nygaard unzufrieden gewesen sein soll und deshalb ein größeres Revirement veranlasste, wird weiterhin einen beträchtlichen Teil des Budgets übernehmen. Die zusätzlichen Sponsoren RadioShack und Nissan kommen ihm jedoch sehr gelegen; der Etat des Teams in der kommenden Saison soll sich auf mindestens 20 Millionen Euro belaufen.

          Die üppige finanzielle und personelle Ausstattung veranlasste Bruyneel bereits zu kühnen Behauptungen. Er glaube, „dass wir den Radsport in den kommenden Jahren dominieren werden“. Auch Armstrong meldete sich schon fröhlich zu Wort: „Aufregende Neuigkeiten! Ich freue mich darauf, einige Rennen zu gewinnen.“ Noch steht jedoch nicht genau fest, welche Profis Bruyneel übernehmen wird.

          Es könnte, auch aus deutscher Sicht, Härten geben; beim Team Leopard-Trek sind unter anderen Linus Gerdemann, Jens Voigt und Fabian Wegmann beschäftigt. Zudem gibt es in Torsten Schmidt einen deutschen sportlichen Leiter. Im Moment, sagt Schmidt, sei die Lage „völlig unkoordiniert“. Becca will sich aber kulant zeigen. „Wir stehen zu den Verträgen“, sagt sein Sprecher Rock. Wer dennoch wechseln will und anderswo weniger verdient, soll keinesfalls leiden: „Wir zahlen die Differenz.“ Für das große Ziel, das 2011 noch verpasst wurde, sind Becca offenbar viele Mittel recht.

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