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Radsport : Trixi Worrack gewinnt ihr härtestes Rennen

  • -Aktualisiert am

Einen unglaublichen Sieg feierte Trixi Worrack: Deutsche Meisterin im Zeitfahren - drei Monate nach der Nieren-OP. Bild: Picture-Alliance

Im März verlor Trixi Worrack bei einem Sturz eine Niere - jetzt wird sie deutsche Meisterin im Zeitfahren. Ihr nächstes Ziel sind die Olympischen Spiele in Rio.

          Als sie auf einer lombardischen Landstraße in einer Kurve von einer Konkurrentin touchiert wurde und die Kontrolle über ihr Rad verlor, fühlte es sich zunächst wie ein „Sturz der harmloseren Sorte“ an. „Stürze und Brüche gibt es immer, wir betreiben einen gefährlichen Sport. Aber das war eine harte Nummer“, sagt Trixi Worrack, eine der erfolgreichsten deutschen Radsportlerinnen.

          Wenn die 34-Jährige auf jene dramatischen Stunden am 20. März angesprochen wird, verliert sie darüber nicht mehr Worte als nötig. Die Profifahrerin hat sich nach der wochenlangen Ungewissheit über den Fortgang ihrer Karriere mit voller Kraft neuen Zielen zugewendet. Sozusagen ihrer zweiten Laufbahn - jener, die nach dem Unfall beim Eintagesrennen „Trofeo Binda“ begonnen hat.

          Trixi Worrack fährt seit der Notoperation in Italien mit nur noch einer Niere. Die Ärzte haben es ihr erlaubt. Schmerzen bereitet ihr das nicht, nur der große Bauchschnitt von der Operation behindert sie bei der tiefen Sitzposition auf der Zeitfahrmaschine noch etwas.

          Lebensgefahr, Notoperation - „It goes on“

          Den Sturz damals überstand sie äußerlich fast unbeschadet, das Ausmaß der inneren Verletzungen wurde erst im Krankenhaus sichtbar: Lebensgefahr; Notoperation; in ihrem Bauch hatte sich so viel Blut gesammelt, dass die Ärzte nicht vom Rücken aus operieren konnten; Entfernung der dreifach angerissenen linken Niere; es ging um Minuten. Nachdem sie aus der Narkose erwacht war, sei die Diagnose ein „Schock“ gewesen, sagt die 34-Jährige. „Ich wusste ja gar nicht: Geht Leistungssport überhaupt mit einer Niere?“

          Die Liebe zu ihrem Sport, der sie seit vielen Jahren nährt, wurde auf eine harte Probe gestellt. Noch als sie aus der Rückenlage nicht allein aufstehen konnte, erwachte die Kämpferin in ihr. Frei nach dem kleinen Schriftzug, den sie sich mal auf den Nacken hat tätowieren lassen: „It goes on“ - es geht immer weiter. Und sie fasste den Plan: Fit werden bis Mitte Juni. Bei den deutschen Meisterschaften vor der Haustür in Erfurt dabei sein, die Olympiachance nicht einbüßen. „Manchmal war es schwer, an dem Plan festzuhalten“, erzählt Trixi Worrack, die für das Team Canyon/SRAM fährt.

          Deutsche Meisterin im Zeitfahren

          Die Arbeit in der Reha und das miese Gefühl, als dreimalige Olympia-Teilnehmerin nach gerade mal zehn Minuten im Sattel „platt zu sein“, haben sich ausgezahlt. Am vorvergangenen Wochenende fuhr Trixi Worrack bei den Auensteiner Radsporttagen in der Nähe von Heilbronn wie gewohnt im Feld und übernahm die angestammte Führungsrolle im Team. „Es war ein komisches Gefühl am Start. Aber dann war ich im Kopf frei und ohne Angst“, sagt sie.

          Noch wichtiger: Ihre Blutwerte nach der ersten Rennbelastung waren gut. Und so stand ihrem Start bei der deutschen Zeitfahrmeisterschaft im thüringischen Ort Straufhain an diesem Freitag nichts mehr im Wege. Auf der 26 Kilometer langen Strecke wollte sich Trixi Worrack schinden wie seit dem verhängnisvollen Unfall nicht mehr. Denn für die viermalige Teamzeitfahrweltmeisterin ging es um die Olympiaqualifikation. Und das Vorhaben glückte: Die 34-jährige siegte nach 26,2 Kilometern in 36:47 Minuten. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist was ganz Spezielles“, war ihr erster Kommentar.

          Teamzeitfahren als Lieblingsdisziplin

          Die Spiele sind für die Fahrerinnen neben den Weltmeisterschaften die größte sportliche Bühne. Der Bund Deutscher Radfahrer wird am Sonntag den vierköpfigen Frauenkader benennen - am Tag, an dem in Erfurt, wo die Veteranin seit einem Jahr wohnt, bei den Straßenrennen die deutschen Meister gekürt werden. Trixi Worrack geht als Titelverteidigerin an den Start.

          Sie war nach einer starken Saison 2015 auch in diesem Jahr bis zu ihrem Unfall die stärkste deutsche Radfahrerin. Worrack gewann unter anderem die Qatar-Rundfahrt zu Jahresbeginn. Und doch erkennen Fachleute in ihr noch mehr Potential. Doch ihre Neigung zu Zweifeln an der eigenen Leistungsfähigkeit habe ihr Chancen auf größere Erfolge verbaut. Dazu kommt ihr ausgeprägter Teamgedanke, Trixi Worrack ist so etwas wie eine geborene Helferin im Gewand der Kapitänin. „Ich fahre einfach gerne fürs Team und opfere mich auf“, sagt die stille Leaderin.

          Bezeichnend, dass die erfahrene Athletin Teamzeitfahren als ihre Lieblingsdisziplin nennt. „Radsport ist ein Teamsport, in dem am Ende des Tages einer auf dem Podium steht und die anderen unten. Beim Teamzeitfahren können sich alle mitfreuen“, erklärt Trixi Worrack. Bis 2018 will sie auf jeden Fall noch im Sattel sitzen und die Beine fliegen lassen. Aber möglicherweise gäbe ihr ein Start in Rio so viel Schwung, dass sie anschließend doch noch ihre fünften Olympischen Spiele anpeilt. Mit nur einer Niere.

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