https://www.faz.net/-gtl-a1xxr

Schachmann bei Rad-World-Tour : Lehmkruste auf der Haut

  • -Aktualisiert am

In der Hitze des Gefechts: Das Rennen in Italien hat von den Rennfahrern viel abverlangt. Bild: dpa

Die Rad-World-Tour meldet sich nach der Corona-Zwangspause zurück. Doch das Comeback wird beim Start der Strade Bianche zu einer hitzigen Tortur, der nicht jeder Fahrer gewachsen ist.

          2 Min.

          Radsport in Corona-Zeiten saugt die Städte leer. Zu der fast 500 Jahre alten Festung Fortezza Medicea in Siena hatten sich am Freitagabend noch zahlreiche Menschen zu einer Open-Air-Kinovorstellung versammelt. Am Tag danach war die Festung abgesperrt. Der einzige Zugang wurde scharf kontrolliert. Und wer keine Autorisierung hatte, durfte auch nicht hinein ins mittelalterliche Gemäuer.

          Dort fand am Samstag der Start der Strade Bianche statt, des ersten World-Tour-Rennens im Post-Corona-Kalender des Straßenradsports. Männer und Frauen nahmen an dem Rennen in der Toskana teil. Bei den Frauen – nur 45 von 125 Starterinnen erreichten das Ziel – gewann die Niederländerin Annemiek van Vleuten. Sie hat pandemieübergreifend die vergangenen fünf Rennen gewonnen. Bei den Männern kamen gar nur 42 Profis ins Ziel. Am Anfang rollten 166 los.

          184 Kilometer bei 43 Grad Celsius

          Die Hitze machte das Rennen so hart. 43 Grad Celsius hatte es gegen 14 Uhr am zweiten von insgesamt elf Schotterabschnitten des 184 Kilometer langen Rennens. Das brachte die Haut zum Glühen. Die Eiswesten, in die sich viele Profis vor dem Start gehüllt hatten, waren da längst abgelegt. Wasser kam nur noch in Flaschenform. Und mit dem Staub, der vom durch die Räder aufgewirbelten Schotter aufstieg, vermischten sich Schweiß und Wasser zu einer Lehmkruste auf der Haut, wie es sie sonst nur bei Mountainbike-Rennen oder eben beim ultimativen Klassiker Paris-Roubaix gibt.

          Der Mühe Lohn: der Belgier Wout Van Aert mit der Trophäe.
          Der Mühe Lohn: der Belgier Wout Van Aert mit der Trophäe. : Bild: dpa

          „Mir ist das Rennen im Frühjahr lieber, muss ich ehrlich sagen. Da sieht man wenigstens noch den Boden vor sich“, sagte Maximilian Schachmann im Ziel. Der Berliner Radprofi gehörte in der Hitze- und Staubschlacht nicht nur zu den Fahrern, die überhaupt die schöne Piazza del Campo im Herzen der Altstadt Sienas erreichten. Er wurde sogar Dritter, hinter dem Belgier Wout Van Aert und dem italienischen Meister Davide Formolo. „Am Ende hat es mir ein wenig an Kraft gefehlt“, sagte Schachmann und beschrieb dann die entscheidende Szene etwa 13 Kilometer vor dem Ziel: „Wout hat den entscheidenden Move in der Abfahrt im letzten Sektor gemacht.

          Das war mir dann ein bisschen zu sehr Harakiri. Ich habe dann auch nicht mehr so viel Mitarbeit bekommen.“ Mit Platz drei auf den Strade Bianche hat sich der deutsche Meister endgültig einen Platz in der ersten Reihe der Klassikerspezialisten erobert. Auch von Pannen ließ er sich nicht aufhalten. „Wir hatten viele Schäden“, sagte Enrico Poitschke, der Sportliche Leiter von Bora hansgrohe. „Auch Max musste einmal das Rad wechseln.“

          Kleiner Tropfen Bitterkeit

          Am Ende konnten aber fast alle strahlen beim Raublinger Rennstall. Ein kleiner Tropfen Bitterkeit mischte sich angesichts der Corona-Bedingungen nur bei Teamchef Ralph Denk in die Bewertung. Er hielt die Balance zwischen Sicherheit und Zugänglichkeit des Radsports für noch nicht geglückt. „Wir müssen einerseits Sicherheit geben, vor allen gegenüber den Gesundheitsbehörden, die die Hoheit über die Veranstaltung haben“, sagte er. „Auf der anderen Seite müssen wir an unsere Reichweite denken. Dafür sind zum großen Teil die Medien verantwortlich. Wenn wir uns dem komplett verschließen, werden das unsere Geldgeber nicht so toll finden.“

          Journalisten waren offiziell vom Fahrerlager ausgeschlossen. Nur über Absperrungen hinweg konnte man kommunizieren. Die Tour de France sieht eine noch stärkere Abschottung vor. Denk hält die Sicherheitsblase zwar für sinnvoll. „Man darf sich aber auch nicht in seiner Bubble verstecken und nur noch zum Rennen Fahren herauskommen.“

          Ein weiteres Problem des Radsports unter Corona-Bedingungen stellen die PCR-Tests dar, die eine Infektion nachweisen sollen. Einige Fahrer wurden positiv getestet und durften nicht an Rennen teilnehmen. Bei den Strade Bianche traf dies den Schweizer Sylvan Dillier. „Die Tests selbst“, sagte Denk, „sind aber nicht sehr zuverlässig. Es gibt falsch-positive Ergebnisse. Je mehr getestet werden, desto mehr falsch-positive Tests wird es geben. Was passiert, wenn der Träger des Gelben Trikots wegen eines falsch-positiven Tests aus dem Rennen genommen werden muss?“ Ein zweiter Test von Dillier war negativ. Für das Rennen wurde er aber nicht mehr zugelassen.

          Weitere Themen

          Fast wie Ferraris in der Formel 1

          Rad-WM auf Rennstrecke : Fast wie Ferraris in der Formel 1

          Statt Kirmesrennen nun die Weltmeisterschaft: Für viele Spitzenfahrer der Tour de France, darunter auch Sieger Tadej Pogacar, gehen die Strapazen direkt weiter. Dabei steht auch ein ganz besonderes Rennen auf dem Programm.

          Topmeldungen

          Nominierung für Supreme Court : Sie ist Trumps neuer Trumpf

          Donald Trump steht kurz davor, eines seiner wichtigsten Versprechen an die Republikaner einzulösen. Mit einer konservativen Richterin Amy Coney Barrett am Obersten Gericht könnten sich die schlimmsten Befürchtungen der Demokraten bewahrheiten.

          Biden über Trump : „Er ist so in etwa wie Goebbels“

          Der Ton im Präsidentschaftswahlkampf ist rau – und wird noch unversöhnlicher: Joe Biden bezichtigt Trump der Lüge und stellt einen schwierigen historischen Vergleich her. Der Amtsinhaber ist nicht weniger zimperlich.
          Dass es in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu einer Stichwahl kommen würde, hat sich schon länger abgezeichnet.

          Zweite Runde der Kommunalwahl : Tag der Entscheidung in NRW

          Gelingt es den nordrhein-westfälischen Grünen, erstmals einen Oberbürgermeister zu stellen? Gewinnt der CDU-Kandidat in Düsseldorf und beendet so das Großstadttrauma seiner Partei? Ein Überblick über die spannendsten Stichentscheide.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.