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Rad-WM : Zabel verpaßt WM-Titel - und macht deswegen weiter

  • -Aktualisiert am

Familie Zabel muß warten Bild: dpa

Sein letztes Ziel hat Erik Zabel um eine Radlänge verpaßt. Der Italiener Paolo Bettini jagte ihm WM-Gold auf der Ziellinie ab. Wäre ihm der große Wurf gelungen, hätte er nach dieser Saison seine Karriere beendet.

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          Rudi Altig war auch nach Salzburg gereist, der Bund Deutscher Radfahrer hatte ihn eingeladen. Ehrensache. Immerhin hatte Altig just vor 40 Jahren einen Gipfel des Radsports erklommen: Er wurde 1966 auf dem Nürburgring Straßen-Weltmeister. Angeblich hätte er in Salzburg endlich gerne einen Nachfolger aus der Heimat begrüßt, doch auch diesmal wurde daraus nichts. Statt Erik Zabel, dem viel zugetraut worden war, machte am Sonntag ein Italiener sein Glück. Nach 265 Kilometern hatte sich Paolo Bettini eine Sehnsucht erfüllt: Weltmeister, knapp vor dem Deutschen Zabel und vor dem Spanier Alejandro Valverde.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Wäre ihm der große Wurf endlich gelungen, sagte Zabel später, hätte er nach dieser Saison seine Karriere beendet und sich seiner Familie gewidmet. Das war sein Lebensplan. So aber will er nun doch zwei weitere Jahre in die Pedale treten - eine sportliche Fortsetzungsgeschichte also wegen einer „Niederlage“.

          „Die Freude überwiegt“

          Wieder einmal war ein WM-Auftritt des in Unna lebenden Berliners aller Ehren wert, wieder einmal aber auch wurde Zabel geschlagen. Zabel, 36 Jahre alt, hatte im Finale den Spurt initiiert, aber vielleicht hatte er damit ein wenig zu früh begonnen. Olympiasieger Bettini jedenfalls machte sich sofort auf die Verfolgung seines deutschen Rivalen, und auf den letzten Metern überholte er ihn auch. Zabels Kraft reichte nicht, um den Italiener auf Distanz zu halten. Aufs neue Künstlerpech also für einen Mann, der bereits 2004 hinter dem Spanier Oscar Freire WM-Zweiter und der bei der WM 2002 Dritter geworden war. Immerhin zeigte Zabel, der in Diensten des Teams Milram steht, daß er auch im reifen Alter noch mit den Besten des Metiers mithalten kann. „Die Freude überwiegt“, sagte Zabel schließlich. Zuvor hatte er noch erläutert, wie brutal es sei, das Ziel unmittelbar vor sich zu haben und doch noch abgefangen zu werden.

          Bettinis Jubel, Zabels Enttäuschung
          Bettinis Jubel, Zabels Enttäuschung : Bild: AFP

          So gab es für die Deutschen beim WM-Championat in Salzburg drei Medaillen: Silber für Zabel, Silber auch für die Cottbuserin Trixi Worrack, die bei den Frauen Weltmeisterschaftszweite hinter der Niederländerin Marianne Vos wurde. Zuvor hatte es für Gerald Ciolek Gold im Rennen der Kategorie U23 gegeben, wovon ein besonderes Signal ausgehen soll für den deutschen Radsport.

          „Junge Fahrer haben eine gewisse Verantwortung“

          In Gestalt von Ciolek, des jungen Mannes aus Pulheim bei Köln, war ja auch bereits am Samstag ein bißchen etwas von Zabel zu erleben. Ciolek, den Zabel selbst schon als seinen legitimen sportlichen Erben bezeichnet hat, bewies bei seinem Triumph seine außergewöhnlichen Qualitäten als Sprinter; mit wuchtigem Tritt eroberte er das Regenbogentrikot. Das war keine Überraschung, der 20 Jahre alte Ciolek hatte seit einiger Zeit schon von sich reden gemacht. Im Jahr 2005 beispielsweise, mit seinem unerwarteten Coup bei den deutschen Meisterschaften. In dieser Saison entschied der Emporkömmling eine Etappe der Deutschland-Tour für sich. Mithin zählt Ciolek nun zu den Rennfahrern, die dem deutschen Radsport nach der Dopingaffäre um Jan Ullrich und auch Jörg Jaksche ein neues Gesicht geben sollen - der aufstrebende Rheinländer verkörpert die Hoffnung auf ein besseres Morgen.

          Ciolek, der noch bei Wiesenhof-Akud unter Vertrag steht, sich aber für die kommenden beiden Jahre an T-Mobile gebunden hat, sprach somit am Samstag auch von seiner Verpflichtung für den deutschen Radsport in schweren, ungewissen Zeiten. „Alle jungen Fahrer haben eine gewisse Verantwortung“, sagte er. Auf ihn wird dabei einiges zukommen, Ciolek hat sich darauf eingestellt. Schließlich sei sein Berufsstand, sagte er, „ein bißchen in den Dreck gezogen worden“. Aus eigenem Verschulden, man weiß das.

          „Dank“ Bettini: Zabel bleibt

          Dem Bonner Rennstall T-Mobile, der sein Image nach dem Fall Ullrich dringend aufpolieren möchte, kommt Ciolek jetzt gerade recht. Der Weltmeister wird dort vermutlich als ein Symbol des Umbruchs dargestellt werden. Und er könnte auch tatsächlich eines Tages einen Part übernehmen wie einst Zabel, der auch im Zeichen von Magenta beträchtlichen Lorbeer eingeheimst hatte. Ciolek redete in Salzburg immerhin auch schon von seinen Träumen, von Etappensiegen, vom Grünen Trikot bei der Tour de France und auch von einem Klassiker, den er gerne einmal gewinnen möchte: die Flandern-Rundfahrt.

          Immer wieder mit Zabel verglichen zu werden stört ihn einerseits zwar nicht - und doch betont Ciolek auch, daß er sich ein wenig davon distanziere. Schließlich möchte er sich als Profi erst einmal entwickeln. In drei, vier Jahren, sagt er, werde man wohl sehen, ob er in die Nähe der Klasse von Zabel komme. Mit dem Wechsel zu T-Mobile glaubt Ciolek jetzt schon einen „großen Schritt nach vorne“ zu machen, generell aber möchte er nicht gleich ein zu hohes Tempo anschlagen. Dazu gehört, 2007 wohl noch auf die Tour de France zu verzichten. „Ich will nichts überstürzen.“ Zabel, der „dank“ Bettini dem Radsport vorerst als Galionsfigur erhalten bleibt, würde ihm das bestimmt auch empfehlen.

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