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Rad-WM : Mit Eis und Weste in der Wüste

  • Aktualisiert am

Es ist heiß in Doha: Der Franzose Remi Cavagna quält sich Bild: AFP

„Beat the Heat“: In Doha ist es auch im Oktober heiß. Die Radrennfahrer quälen sich bei der WM im Wüstenstaat - vor allem die Frauen in praller Sonne.

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          Franziska Brauße empfand die Hitze in Doha als gar nicht mal so extrem. Trotz Temperaturen um 38 Grad Celsius hatte die 17 Jahre alte Deutsche am Montag während ihres 13,7 Kilometer langen Kampfes gegen die Uhr weniger Probleme als befürchtet. Natürlich sei es sehr warm gewesen, „aber wir hatten beim Warmfahren bis kurz vor dem Start Kühlwesten an, Eis im Trikot und nasse Haare. Es ging also – unterm Zeitfahren habe ich es nicht wirklich gemerkt“, sagte sie nach Platz sechs – ganz im Gegensatz zu denen, die bei der Weltmeisterschaft der Straßenfahrer im Wüstenstaat Qatar über die extremen Bedingungen schimpfen.

          Wobei die sicher auch eine Frage des Zeitpunkts sind. Denn am späten Montagnachmittag, als die U23-Junioren auf die Strecke gingen, waren die Temperaturen schon wieder auf ein halbwegs erträgliches Maß gefallen. Und Marco Mathis und Maximilian Schachmann, die auf der 28,9 Kilometer langen Strecke für einen deutschen Doppelerfolg sorgten, dürfte das hitzige Thema angesichts ihres Coups ziemlich egal gewesen sein.

          Am Tag zuvor war der Radsport-Weltverband (UCI) wegen der nahezu unzumutbaren Verhältnisse allerdings heftig in die Kritik geraten, weil es beim Mannschaftszeitfahren der Frauen bei Temperaturen von fast 40 Grad erschreckende Bilder gegeben hatte: Den Sturz der Niederländerin Anouska Koster, die ihre Rennmaschine auf einer Geraden ohne ersichtlichen Grund in die Absperrgitter gesteuert und sich dabei überschlagen hatte; Fahrerinnen, die im Zielbereich völlig entkräftet auf dem Asphalt lagen – Hitzeopfer. Entsprechend deutlich war die Kritik. „Die UCI hat das nicht durchdacht. Das macht keinen Sinn. Die Hitze, das ist unmöglich. Es ist wie in einer Sauna“, schimpfte Kosters Kollegin Roxane Knetemann.

          In der prallen Sonne

          Dass in Doha die Temperaturen selbst im Oktober im Durchschnitt auf 35 Grad Celsius steigen, ist auch dem Radsportweltverband bekannt. Sonst hätte er nicht den Leitfaden „Beat the Heat“ – Verhaltensempfehlungen bei großer Hitze –, vor der WM publiziert. Warum man die Frauen dann zur schlimmsten Tageszeit in der prallen Sonne auf die Strecke schickte, während die Männer Stunden später etwas moderatere Temperaturen vorfanden, ist jedoch schwer zu verstehen. Genau wie die Tatsache, dass die Fahrerinnen offenbar bis zu 20 Minuten auf ärztliche Hilfe warten mussten.

          Bei den Männer – Startzeit 16 Uhr – hatte das Thema Hitze auch am Sonntag eine wesentlich geringere Rolle gespielt, selbst wenn Tony Martin nach dem Sieg mit Etixx im Teamzeitfahren sagte: „Nach zehn Minuten ist unser Motor heiß gelaufen.“

          Immerhin hat sich die UCI vorbehalten, bei anhaltender Hitze zu reagieren und die Straßenrennen entsprechend zu verkürzen. Der Verband hatte die WM aufgrund der klimatischen Bedingungen zwar schon um einige Wochen später als üblich angesetzt. Anders als bei der Fußball-WM 2022 war eine Verlegung in die Wintermonate aber keine Option, da die Radsaison im Oktober endet. Warum man eine Rad-WM überhaupt in eine klimatisch bedenkliche Region vergibt, ist eine andere Frage.

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