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Kind nach Streit verletzt : Rad-Star bekennt sich schuldig

  • Aktualisiert am

Mathieu van der Poel 2021 bei der Flandern-Rundfahrt. Bild: AP

Mathieu van der Poel hat in der Nacht vor dem Finale der Rad-WM eine Auseinandersetzung mit zwei Kindern, ein Mädchen wird verletzt. Nun verurteilt ihn ein Gericht zu einer Geldstrafe.

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          Nach einer Nacht auf dem Polizeirevier in Kogarah war für Mitfavorit Mathieu van der Poel der Traum von einer Medaille bei der Rad-WM erst einnmal zerstört. Am Montag, dem Tag nach dem Rennen, wurde van der Poel von einem australischen Gericht verurteilt. Er musste eine Geldstrafe in Höhe von rund 1000 Euro begleichen und erhielt dann im Anschluss seinen konfiszierten Reisepass zurück. Zuvor hatte sich der Radsportler schuldig bekannt. Ursprünglich sollte das Verfahren gegen den Enkel des französischen Radsportidols Raymond Poulidor am Dienstag stattfinden. Mit der vorgezogenen Entscheidung konnte van der Poel aber am Montag erleichtert den Rückflug mit der niederländischen Mannschaft antreten.

          Was war passiert? Am Vorabend des WM-Rennens hatte van der Poel eine Auseinandersetzung mit zwei Kindern, die mehrmals an seiner Tür geklopft hatten. Berichten zufolge wurde der Arm eines Mädchens verletzt. Daraufhin erschien die Polizei und nahm den Radstar mit auf die Wache. Der 27-Jährige wurde wegen zweifacher Körperverletzung angeklagt und am frühen Sonntagmorgen auf Kaution wieder freigelassen. Der Enkel des legendären Radstars Raymond Poulidor ging im Straßenrennen noch an den Start, gab nach gut einer Stunde aber wieder auf.

          Van der Poel: „Es ist eine Katastrophe“

          „Es stimmt, ja. Es gab einen kleinen Streit“, sagte van der Poel dem belgischen TV-Sender Sporza vor dem Start. „Es ging um laute Nachbarn und die sind hier ziemlich streng.“ Er sei früh ins Bett gegangen. Viele Kinder im Flur seines Zimmers hätten es aber notwendig gefunden, an die Tür zu klopfen. „Nach ein paar Mal war ich damit fertig. Ich bat nicht freundlich darum aufzuhören. Dann wurde die Polizei gerufen. Ich war erst um 4.00 Uhr wieder in meinem Zimmer. Das ist sicher nicht optimal. Es ist eine Katastrophe, aber ich kann nichts mehr ändern. Ich versuche, das Beste daraus zu machen. Mit wenig Schlaf werde ich das Rennen fahren, hoffentlich mit Adrenalin.“

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          Die Polizei von New South Wales bestätigte später, dass ein 27-Jähriger festgenommen und angeklagt wurde, nachdem er angeblich in einen Streit mit zwei Mädchen im Teenager-Alter in einem Hotel in Sydney verwickelt gewesen war. Demnach habe er die beiden Mädchen gestoßen, wobei eines umfiel und das andere gegen eine Wand schlug und eine Schürfwunde am Ellbogen erlitt.

          Van der Poel zählte bei der WM zu den Mitfavoriten. Doch daraus wurde nichts. „Er ist mental komplett am Boden. Er hatte große Ambitionen. Seit zwei Monaten hat er sich auf die WM vorbereitet, nachdem die Tour de France nicht wunschgemäß lief“, sagte der niederländische Sportdirektor Christoph Roodhoft.

          Der Kurs hätte van der Poel gelegen. Der Klassiker-Spezialist hat bereits einige schwere Eintagesrennen wie die Flandern-Rundfahrt, das Amstel Gold Race oder Strade Bianche gewonnen. 2021 gewann er die zweite Etappe der Tour de France und trug sechs Tage das Gelbe Trikot. Am Ende gewann Remco Evenepoel das Rennen, der nach seiner beeindruckenden Triumphfahrt zu seinem ersten WM-Titel jubelnd über den Zielstrich rollte.

          Der 22 Jahre alte Rad-Profi holte sich nur zwei Wochen nach seinem Vuelta-Erfolg nach 266,9 Kilometern am Sonntag im australischen Wollongong den Sieg im Straßenrennen vor dem Franzosen Christophe Laporte und dem Australier Michael Matthews. Damit bewegt sich das Talent immer mehr auf den Spuren seines legendären Landsmannes Eddy Merckx, der 1967 ebenfalls im Alter von 22 Jahren seinen ersten WM-Titel gewann.

          Evenepoel fährt allen davon

          Es war eine beeindruckende Show von Evenepoel, der die Nachfolge des Franzosen Julian Alaphilippe antrat, der zuletzt 2020 und 2021 triumphiert hatte. 72 Kilometer vor dem Ziel setzte sich der belgische Ausnahmefahrer mit einer größeren Gruppe von den Mitfavoriten wie Tadej Pogacar (Slowenien), Matthews oder Alaphilippe ab. Bei einer weiteren Tempoverschärfung zwei Runden vor Schluss konnte dann nur noch der Kasache Alexej Luzenko folgen, der aber 26 Kilometer vor Schluss gegen den Belgier auch nichts mehr ausrichten konnte. Die deutschen Fahrer spielten erwartungsgemäß keine Rolle.

          Evenepoel wird in seiner Heimat bereits als der neue Eddy Merckx gefeiert. Und seine Entwicklung ist verblüffend. 2016 war er noch Junioren-Nationalspieler beim belgischen Fußball-Rekordmeister RSC Anderlecht, mit 16 Jahren lief er auch den Brüsseler Halbmarathon in 1:16:15 Stunden, ehe der Junge aus Schepdaal die Liebe für den Radsport entdeckte. Nur zwei Jahre später war Evenepoel, dessen Vater Patrick auch für einige Jahre Radprofi war, schon Doppel-Weltmeister bei den Junioren. Genauso furios war sein Einstieg bei den Profis mit WM-Silber im Zeitfahren 2019, ehe ihn ein schwerer Sturz bei der Lombardei-Rundfahrt 2020 mit einem Beckenbruch zu einer neunmonatigen Pause zwang.

          Die deutschen Fahrer waren im WM-Rennen chancenlos. Georg Zimmermann, dem am ehesten noch eine vordere Platzierung zugetraut wurde, kam 74 Kilometer vor dem Ziel zu Fall. Damit gab es für den Bund Deutscher Radfahrer in den Eliterennen keine Medaille. Am Samstag hatte Liane Lippert trotz einer starken Leistung mit dem vierten Platz im Frauen-Rennen beim Sieg der Niederländerin Annemiek van Vleuten einen Podestplatz knapp verpasst. Die 24-Jährige aus Friedrichshafen hatte auch im Mixed-Teamzeitfahren mit dem deutschen Team Platz vier belegt.

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