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Rad-WM : IOC-Ethikkommission stärkt Verbruggen

  • -Aktualisiert am

Gregorio Moreno will UCI-Präsident werden Bild: REUTERS

Vor der Wahl des neuen Präsidenten des Radsport-Weltverbandes UCI hat sich der Bund Deutscher Radfahrer von seiner früheren Präsidentin Sylvia Schenk distanziert.

          3 Min.

          Manchmal fehlen selbst den Gefolgsleuten von Hein Verbruggen die Worte, wenn sie ihren Chef beschreiben sollen. Im offiziellen Organ des Internationalen Radsportverbandes (UCI), Ausgabe Nummer 43 vom September, herrscht jedenfalls gewisse Ratlosigkeit. "Wie soll man jemandem wie Verbruggen danken?" heißt es darin in einer Grußadresse an den Mann, der seit 14 Jahren Präsident der UCI ist.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Man würdigt die Verdienste des Niederländers, seine Träume und Visionen schließlich in blumigen Worten. An diesem Freitag wird die Ära Verbruggen vermutlich enden, beim UCI-Kongreß in dem Madrider Hotel Melia Castilla in der Nähe des Bernabeu-Stadions soll sein Nachfolger gekürt werden. Um das Amt bewerben sich der Ire Pat McQuaid, ein Zögling von Verbruggen, der Spanier Gregorio Moreno und Dato Darshan Singh Gill aus Malaysia. Sollte McQuaid sich durchsetzen, würde er Verbruggen den Platz im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) überlassen, wo der Holländer Vorsitzender der Koordinierungskommission für die Olympischen Spiele 2008 in Peking ist.

          Kein schuldhaftes Verhalten

          Vor allem um die Beziehung zwischen der UCI und McQuaid hatte es in jüngerer Vergangenheit gehörigen Wirbel gegeben. Dazu gehörten auch die Angriffe der früheren Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Sylvia Schenk, die der UCI und Verbruggen eine satzungswidrige Begünstigung von McQuaid vorgeworfen hatte. Die heftigen Attacken wurden von der UCI zurückgewiesen, und inzwischen machte auch die Ethikkommission des IOC deutlich, daß sie kein schuldhaftes Verhalten des Weltradsportverbandes sehe. Die in der Olympischen Charta verankerten ethischen Grundsätze seien nicht verletzt worden. Da zudem eine Friedensrichterin in der Schweiz den Antrag der Spanier ablehnte, an diesem Freitag einen unabhängigen Wahlleiter einzusetzen, dürfte Verbruggen gestärkt in die Versammlung gehen.

          42 Delegierte werden in Madrid ihr Votum abgeben. Über den neuen starken Mann in der UCI entscheiden unter anderen 14 Europäer - eine deutsche Stimme gibt es dabei allerdings nicht. Der Bund Deutscher Radfahrer hatte darauf verzichtet, weil es ihm sinnvoller erscheint, künftig auch weiterhin im Direktionskomitee der UCI vertreten zu sein. Darin hatte bisher die Frankfurterin Sylvia Schenk einen Sitz, in Madrid wird sie von dem Pfälzer Fritz Ramseier abgelöst werden.

          „Sylvia, warum tust du dir das an?“

          Zu Jahresbeginn, als Ramseier nach Sylvia Schenks Demission beim BDR kommissarisch die Geschäfte beim deutschen Verband führte, ehe Rudolf Scharping BDR-Präsident wurde, war dieser Wechsel bereits eingeleitet worden. Ramseier, dessen Aufnahme in die UCI in Madrid nur noch bestätigt werden muß, war bisher Vizepräsident des europäischen Radsportverbandes. Seine Funktionärskarriere wird zwar nicht mehr allzu lange dauern, er gilt in der Branche aber als erfahrenes "Schlachtroß" - auch wenn es etwa mit seinen Fremdsprachenkenntnissen nicht sehr weit her ist.

          Im Streit zwischen Verbruggen und der unnachgiebigen Sylvia Schenk hatte sich der BDR in der Öffentlichkeit zurückgehalten. Jedoch erklärte Scharping, der am Donnerstag in Madrid eintraf, in einem Schreiben an Verbruggen, daß sich der deutsche Verband vom Vorgehen der Frankfurterin distanziere. "Das ist nicht der BDR, der gegen ihn kämpft", sagte Vizepräsident Dieter Kühnle. Die Deutschen selbst hatten ihre einstige Präsidentin sogar gefragt: "Sylvia, warum tust du dir das an?"

          Verabschiedung für Verbruggen

          Über McQuaid, den Verbruggen nun so gerne an der Spitze der UCI sähe, äußert sich der BDR anerkennend - Kühnle jedenfalls preist seine Fachkenntnisse. "Er hat vom Radsport Ahnung." Das kommt nicht von ungefähr: Der Ire McQuaid war Radprofi, als Amateur hatte er sich zuvor auch in Frankreich aufgehalten.

          Am Donnerstag morgen hatte in Madrid das Direktionskomitee der UCI noch einmal mit Sylvia Schenk getagt. Die Sitzung dauerte lediglich zwei Stunden, die Tagungsordnung wurde, wie Sylvia Schenk sagte, "im Schnelldurchgang" abgehandelt. Verbruggen ging dabei auch auf die Dopingaffäre um Lance Armstrong ein. Er soll gesagt haben, er habe vor dem französischen Journalisten gewarnt, der vom UCI-Chefmediziner Leon Schattenberg ein Dokument bekam, mit dessen Hilfe die von einem französischen Labor ermittelten positiven Dopingbefunde Armstrong zugeordnet werden konnten. Schließlich gab es eine Verabschiedung für den Niederländer Verbruggen. Ein Zeichen für Sylvia Schenk, daß McQuaid an diesem Freitag antritt: "Gehen Sie davon aus, daß er kandidiert."

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