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Rad-WM : Gold für Polen, Degenkolb Neunter

  • Aktualisiert am

Goldjubel: Michal Kwiatkowski hat alle Konkurrenten abgehängt Bild: AFP

Historischer Triumph: Michal Kwiatkowski holt in 87 Jahren WM-Geschichte den ersten Titel für sein Land. Die deutschen Radsportler um John Degenkolb verpassen abermals die ersehnte Medaille.

          Erst scheiterte Tony Martin mit einer Soloflucht im strömenden Regen, dann verließen Kapitän John Degenkolb im Finale die Kräfte: Auch 48 Jahre nach dem Triumph von Rudi Altig geht das Warten auf einen deutschen Straßenrad-Weltmeister unvermindert weiter. Stattdessen sorgte Michal Kwiatkowski für den ersten polnischen Sieg in der 87-jährigen WM-Geschichte. Der Pole rettete am Sonntag bei der Rad-WM im spanischen Ponferrada nach 254,8 Kilometern einen Vorsprung von einer Sekunde auf den Australier Simon Gerrans und dem Spanier Alejandro Valverde ins Ziel. Degenkolb, der vor etwas mehr als einer Woche wegen einer Infektion noch im Krankenhaus lag, wurde nach einem wahren Kraftakt sieben Sekunden zurück starker Neunter. Am Schluss verließen ihn die letzten Kräfte.

          Die Entscheidung fiel gut sechs Kilometer vor dem Ziel, als Kwiatkowski alleine ausriss. Der Teamkollege von Martin bei der belgischen Omega Pharma-Quickstep-Mannschaft nahm als Erster den Anstieg und ließ sich auch auf der Abfahrt nicht mehr abhängen. Degenkolb, der immer gut im Hauptfeld plaziert war, musste am letzten Berg ein wenig den Kontakt abreißen lassen und erreichte mit der zweiten Verfolgergruppe das Ziel.

          Für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) war es aber auch ohne eine Medaille beim Finale eine überaus erfolgreiche WM, schließlich hatten zuvor Shootingstar Lisa Brennauer Gold und Silber in den Frauenrennen sowie Tony Martin Silber im Zeitfahren geholt. Dazu fuhren die Junioren Lennard Kämna und Jonas Bokeloh zwei weitere Weltmeistertitel ein.

          Deutsches Team dezimiert

          Bei immer wieder einsetzenden Regen ging es am Sonntag auf den letzten fünf von 14 Runden richtig zur Sache. Zunächst sorgte die italienische Fraktion um Tour-de-France-Sieger Vincenzo Nibali für eine deutliche Tempoverschärfung. Dann ergriff Martin die Initiative und zeigte eine starke Trotzreaktion, nachdem er am Mittwoch noch von Bradley Wiggins als Zeitfahr-Weltmeister entthront worden war.

          Vergebene Mühe: Tony Martin wurde kurz vor dem Ziel wieder eingeholt

          Gut 60 Kilometer vor dem Ziel attackierte der Deutsche mit dem Hochgeschwindigkeitsmotor und fuhr zwischenzeitlich einen Vorsprung von einer halben Minute heraus. Es wurden bereits Erinnerungen an die Vogesen-Etappe bei der Tour wach, als Martin in ähnlicher Weise einen beeindruckenden Sieg herausgefahren hatte. Doch die Konkurrenz passte diesmal auf. Nach 20 Kilometern an der Spitze musste Martin mit einem Lächeln im Gesicht sein Unterfangen einstellen.

          Zu der Zeit hatte sich das deutsche Team arg dezimiert. André Greipel, Christian Knees, Paul Voss und Johannes Fröhlinger beendeten das Rennen vorzeitig. Degenkolb war dagegen im Hauptfeld immer gut positioniert. In den vergangenen Tagen hatte es ein Rätselraten um die Form des WM-Vierten von 2012 gegeben. Schließlich hatte Degenkolb erst vor gut einer Woche das Krankenhaus verlassen, nachdem er wegen eines entzündeten Lymphknotens mit der Größe eines Tischtennisballs außer Gefecht gesetzt worden war.

          Brennauers Woche

          Das Zuschauerinteresse war wie schon die gesamten Titelkämpfe über einer WM nicht würdig. Viele Radsport-Fans hatte offenbar die schwierige Anreise in die Provinz im Inland Spaniens abgeschreckt. Lisa Brennauer dürfte die WM trotzdem in bester Erinnerung behalten. Vor gut einer Woche war sie nur den Kennern der Branche ein Begriff, bei der WM startete sie aber durch. Und wie! Weltmeisterin im Mannschafts- und Einzelzeitfahren, und zur Krönung holte die Sportsoldatin auch noch Silber im Straßenrennen. „Das war meine Woche“, betonte Brennauer.

          Zwei Jahre nach dem Abschied von Ausnahmefahrerin Judith Arndt hat die deutsche Meisterin eine riesige Lücke geschlossen, auch wenn sie davon gar nichts wissen möchte. „Judith war in gewisser Weise ein Vorbild für mich. Ich habe auf sie aufgeschaut, auch wenn ich nie so viele Rennen gewinnen werde wie sie“, betonte Brennauer

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