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Rad-WM : Der Auszug der Funktionäre

  • Aktualisiert am

Rad-Präsident Verbruggen (l.) mit Lance Armstrong Bild: AP

Aus Protest gegen WM-Gastgeber Spanien hat die Verbandsspitze um UCI-Präsident Hein Verbruggen Madrid verlassen. Im eskalierten Machtkampf der Funktionäre werden die Sportler vor ihren Titelkämpfen in den Hintergrund gedrängt.

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          Der Machtkampf im Radsport-Weltverband UCI wirft einen Schatten auf die am Mittwoch in Madrid beginnenden Straßen-Weltmeisterschaften. Während sich am Vorabend die Auseinandersetzungen um den umstrittenen UCI-Chef Hein Verbruggen vor der Präsidenten-Wahl mit der Abreise des Direktions-Komitees aus Madrid zuspitzten, konzentrierten sich die deutschen Profis mit Erik Zabel und Titelverteidigerin Judith Arndt an der Spitzeauf den letzten Höhepunkt der Saison.

          „Die Feindseligkeiten zwischen den Funktionären kriegen mehr Schlagzeilen als die Leistungen der Sportler“, sagte der deutsche Verbandschef und frühere Verteidigungsminister Rudolf Scharping der „Süddeutschen Zeitung“. Seine Klage ist verständlich, denn der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat in Zabel und Judith Arndt mindestens zwei WM-Trümpfe. „Wir haben in allen Disziplinen gute Voraussetzungen und Hoffnungen auf Medaillen, aber Gewißheiten gibt es im Radsport natürlich nie“, sagte Scharping vor den bis zum Sonntag dauernden Titelkämpfen.

          WM-Eröffnung ohne Verbandsspitze

          Zur offiziellen Eröffnungs-Zeremonie der Titelkämpfe am Dienstag abend wurden die UCI-Oberen wegen ihres Auszugs aus Madrid nicht erwartet. Aus Protest gegen den spanischen Verband, der einen Schweizer Juristen als Schiedsrichter der Präsidiums-Wahlen bestimmte, verließ das Direktoriums-Komitee Madrid in Richtung Genf, wo am Dienstag eine Krisensitzung stattfinden sollte. Vielleicht wird die Präsidenten-Wahl sogar verschoben, was im Interesse des in letzter Zeit immer mehr in die Kritik geratenen Amtsinhabers Verbruggen wäre. Als einziges Mitglied des Komitees unterstützte die deutsche Ex-Präsidentin Sylvia Schenk, die von Verbruggen wegen Verleumdung und Rufschädigung angezeigt wurde, die Aktion nicht.

          Der umstrittene Niederländer, auch Vorsitzender der Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zur Vorbereitung der Olympischen Spiele 2008 in Peking, wollte sich erst im letzten Moment entscheiden, ob er sich zur Wiederwahl gegen drei Konkurrenten - darunter den aussichtsreichen Gregorio Moreno Martinez aus Spanien - stellt. Verbruggens Zögling Pat McQuaid (Irland) wurde mit illegalen Zahlungen des Verbandes in Verbindung gebracht und gilt mittlerweile als Wackel-Kandidat. Verbruggen geriet zudem wegen der schleppenden Aufarbeitung der Doping-Affäre um Lance Armstrong in die Kritik.

          Zabel mit Medaillenchance

          Auf dem sprinterfreundlichen 289-Kilometer-Kurs durch die spanische Hauptstadt hofft Zabel auf einen Podiumsplatz wie 2002 in Zolder/Belgien und im vergangenen Jahr in Verona. Aber der erste deutsche Weltmeister seit Rudi Altig (1966) wird wohl noch etwas auf sich warten lassen. Zu überlegen scheint zur Zeit Alessandro Petacchi zu sein. Die Italiener wollen mit ihrer Galionsfigur, die Zabel bei der Vuelta als fünffacher Etappensieger keine Chance ließ, das gleiche Rezept wie vor drei Jahren in Belgien anwenden. Damals legte sich das gesamte Team erfolgreich für den Vollstrecker Cipollini ins Zeug.

          Titelverteidigerin Judith Arndt fährt leicht gehandicapt nach Madrid. Eine Erkältung zwang sie in der WM-Vorbereitung zur Absage des Weltcup-Finales am Firmensitz ihres Teams in Nürnberg. Ohnehin macht sich die Leipzigerin wegen des schnellen Parcours keine großen Hoffnungen auf den Sieg im Straßenrennen. Sie sieht mehr Chancen in der anspruchsvollen Zeitfahr-Prüfung am Mittwoch über 22 Kilometer im Park Casa de Campo: „Da würde mir Gold noch fehlen.“ Beim Zeitfahren der Männer über 44 Kilometer probiert es der dreifache Weltmeisterschaftszweite Michael Rich (Emmendingen) noch ein Mal. Aber auch ohne Jan Ullrich (WM-Absage), Tyler Hamilton (gesperrt) und Lance Armstrong (Karriereende) wird es für den 36jährigen schwer.

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