https://www.faz.net/-gtl-6qzgk

Rad-Weltmeisterschaft : Gold für Judith Arndt im Zeitfahren

  • -Aktualisiert am

„Ich habe es so lange versucht, endlich hat es mal geklappt”: Judith Arndt Bild: dapd

Im Spätherbst der Karriere ist Judith Arndt am Ziel. In Kopenhagen gewinnt sie WM-Gold im Zeitfahren. Die Krönung für Judith Arndt soll 2012 folgen.

          2 Min.

          Ein Leben im Schatten? Für gewöhnlich ist das so für Judith Arndt. Abgesehen von Olympia oder Weltmeisterschaften: Da erheischt auch der Frauenradsport ein bisschen Aufmerksamkeit - und mit ihm die Leipzigerin. Am regnerischen Dienstag in Kopenhagen erlebte Judith Arndt sogar einen wahrhaft goldenen Moment: endlich Weltmeisterin im Zeitfahren, nach vielen Anläufen. Und das im Spätherbst ihrer Karriere!

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Die 35 Jahre alte Deutsche, die schon dreimal WM-Zweite im Zeitfahren geworden war, siegte bei dem dänischen Championat vor der Neuseeländerin Linda Villumsen und der Britin Emma Pooley. Judith Arndt war die enorme Erleichterung darüber deutlich anzumerken, schließlich jagte sie einem solchen Erfolg bereits seit fast 15 Jahren hinterher.

          Ihre erste WM-Medaille im Zeitfahren hatte sie 1997 gewonnen; damals ergatterte sie in San Sebastian Bronze. „Ich habe es so lange versucht, endlich hat es mal geklappt.“ Es scheint fast so, als wäre sie nun endlich als Athletin mit sich im Reinen.

          Es war gewissermaßen ein Triumph mit Ansage: So herausragend waren Judith Arndts jüngste Zeitfahr-Auftritte, dass sie auch in Kopenhagen von vornherein hoch gehandelt wurde. Und sie bestätigte eindrucksvoll die Erwartungen, auch die eigenen. Die Leipzigerin war fast 22 Sekunden schneller als die Zweite. Obwohl sie in der ersten Runde des 27,8 Kilometer langen Kurses eher vorsichtig agiert und erst danach das Tempo erhöht hatte.

          Immerhin spürte Judith Arndt von Anfang an, dass es für sie ein guter Tag werden könnte. „Ich habe gemerkt, dass ich Druck habe“ - das sollte heißen, dass sie ihr Rad wie gewünscht auf Touren brachte. Und weil das am Dienstag so prächtig funktionierte, wies sie noch lächelnd darauf hin, dass es sich wirklich um eine pure Eigenleistung gehandelt habe: „Es ist kein Motor drin gewesen.“ Auf den möglichen Kontakt zur Teamleitung während des Rennens hatte die eigenwillige Leipzigerin freiwillig verzichtet. Eine Funkverbindung hätte sie nur gestört, behauptete sie: „Mich macht das fertig.“

          An Motivation mangelte es ihr so oder so nicht. „Ich kann das gut aus mir selbst rausholen.“ Judith Arndt, Straßen-Weltmeisterin von 2004, geht damit beflügelt in ihre vermutlich letzte Saison als Radrennfahrerin. Sie plant, ihre Laufbahn im kommenden Jahr zu beenden - und dann vielleicht ein Studium aufzunehmen. „Aber nicht fragen, was“, sagte sie. Schließlich ist sie sich darüber selbst noch im Klaren.

          „Das ist ganz wichtig für uns“

          Dafür steht längst fest, für welche Equipe sie nach dem Ende des Teams HTC-Highroad, das auch eine Frauen-Mannschaft unterhielt, in die Pedale treten wird. Den Namen des Rennstalls will Judith Arndt jedoch noch nicht nennen. Immerhin ist damit eine professionelle Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 garantiert.

          Mit Genugtuung registriert das auch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR). „Das ist ganz wichtig für uns“, betonte BDR-Vizepräsident Udo Sprenger in Kopenhagen. London wäre ja die nächste Gelegenheit für Judith Arndt, die mit dem BDR einige Male über Kreuz lag, ins Licht zu fahren. Allerdings weiß sie, dass selbst ein Coup wie in Kopenhagen doch nur eine begrenzte Strahlkraft hat: „Das wird jetzt“, sagte die glückliche Weltmeisterin über die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, „keine Berge versetzen.“

          Weitere Themen

          Wiedersehen mit den Weltmeistern

          Beachvolleyball : Wiedersehen mit den Weltmeistern

          Das Olympia-Abenteuer für Julius Thole und Clemens Wickler geht weiter. Die Beachvolleyballer lassen sich im Achtelfinale auch von einem Rückstand nicht aus der Ruhe bringen.

          Anti-Olympia-Proteste halten an Video-Seite öffnen

          Gegen Corona-Ausbreitung : Anti-Olympia-Proteste halten an

          In Tokio sind am Sonntag erneut etwa Hundert Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Ausbreitung zu demonstrieren. Die Zahl der positiven Tests steigt weiterhin stetig an.

          Topmeldungen

          Podcast starten 28:53

          Podcast-Serie zur Wahl : Wo die Grünen schon ewig Volkspartei sind

          Freiburg gibt sich gern als ökologisches Idyll mit vielen Fahrrädern. Hier sind die Grünen schon lange erfolgreich. Haben sie hier gelernt, mögliche Kanzlerinnenpartei zu sein?
          In Partylaune: Deutsche Urlauber feiern am Strand von Arenal.

          Tourismus : Keiner will die Billigurlauber

          Der Partytourist gerät in Misskredit: Viel saufen und wenig zahlen, das wollen viele Staaten nicht mehr. Hinzu kommt der Klimaschutz. Naht das Aus für den billigen Urlaub?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.