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Quidditch-WM in Deutschland : Harry Potters Besen erobert den Sport

  • -Aktualisiert am

Der Besen ist eine PVC-Stange ohne Borsten

Besondere Dynamik bekommt der Sport durch die Zweikämpfe. Es gibt körperbetonte Laufduelle und Bodychecks - ähnlich wie beim Rugby. Als einzige Schutzausrüstung tragen die Spieler einen Mundschutz. Zu harte Attacken werden bestraft. Bei den Zweikämpfen wird kein Unterschied zwischen Männern und Frauen gemacht, Quidditch ist eine gemischtgeschlechtliche Sportart. Mit Ausnahme des Suchers dürfen sich laut Regelwerk von den sechs verbleibenden Spielern eines Teams maximal vier „mit dem gleichen Geschlecht identifizieren“.

Das Training der Night Riders nimmt Fahrt auf. Nach einigen Aufwärmübungen werden Spielzüge einstudiert. Der schlaksige Jayke Archibald ist einer der Besten seines Teams. Eine seiner wenigen Schwächen ist körperlich bedingt: „Es ist üblich, den Ball mit zwei Händen zu fangen und den Besen dabei zwischen den Beinen festzuklemmen. Wegen meiner dünnen Beine verliere ich den Besen aber manchmal und scheide dann zwischenzeitlich aus dem Spiel aus“, sagt der amerikanische Nationalspieler. Der Besen - das ist im Wettkampf eine PVC-Stange ohne Borsten, die als Handicap für die Spieler fungiert. Vor einigen Jahren spielten die Teams noch mit tatsächlichen Besen. Sogar Nachbildungen des „Nimbus 2000“ aus den Harry-Potter-Büchern waren auf so manchem Quidditchfeld zu sehen.

Der Wandel vom Besen zur PVC-Stange ist ein Zeichen des Wandels der Sportart weg von der Fantasy-Vorlage, hin zum ernsten Sport. „Wir haben viele Spieler, die Harry Potter nie geschaut und die Bücher nie gelesen haben“, sagt Sarah Woolsey. Quidditch zieht zwar auch Interessenten an, die sich an den Büchern orientieren, bei Ligaspielen sieht man immer wieder Fans mit Zauberer-Umhängen und anderen Harry-Potter-Utensilien. Für die meisten Aktiven gilt jedoch das Motto: „Leave your books at home“ - Lasst eure Bücher zu Hause. Die Sportart hat sich in den Vereinigten Staaten von der Vorlage emanzipiert.

Einer, der den Sport mit besonderer Ernsthaftigkeit betreibt, ist Harry Greenhouse. Im vergangenen Jahr hat er 51 seiner 52 Spiele gewonnen und seine Teams in beiden Ligen zur Meisterschaft geführt. Mit lauter Stimme dirigiert der Spielertrainer die Übungen seiner Mannschaft. Er sagt Quidditch eine goldene Zukunft voraus: „Es ist der Plan, den Sport zu professionalisieren. Der Zeitpunkt, an dem das geschieht, ist ziemlich nah.“ In vier bis fünf Jahren, glaubt er, könne es so weit sein.

„Sie sind okay, was ich gehört habe“

An diesem Wochenende heißt es in Frankfurt am Main „Brooms Up!“ - Besen hoch! Dann wird die dritte Quidditch-Weltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen. Jayke Archibald steht im WM-Kader der amerikanischen Nationalmannschaft. „Ich bin gespannt, wie sich die Sportart in den anderen Ländern entwickelt hat und wie hoch das Niveau ist“, sagt er. Teamkollege Greenhouse ist ebenfalls dabei - es ist seine zweite WM. Die Vereinigten Staaten haben beide bislang ausgetragenen WM-Turniere gewonnen.

Sie sind auch diesmal Favorit – und treffen gleich in der Vorrunde auf Gastgeber Deutschland. „Sie sind okay, was ich gehört habe. Nicht gerade die Besten, aber okay“, sagt Greenhouse über den Gruppengegner. Er und sein Team wollen als Botschafter ihrer Sportart auftreten und Werbung für Quidditch machen. Doch noch wichtiger ist ihm der Sieg. „Amerika wird gewinnen, das ist mein großes Ziel.“ Und noch etwas wollen die Amerikaner: zeigen, dass Quidditch längst mehr ist als eine Harry-Potter-Hommage.

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