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Regatta vor America`s Cup : Segel-Unfall nach schwerer Fehlentscheidung

Drohte zu sinken: das Boot des Teams „American Magic“ beim Prada Cup Bild: AFP

Eine falsche Entscheidung führt zum spektakulären Kentern der Amerikaner bei der Qualifikation zum America`s Cup. Die Rennleitung ruft zunächst den Notfall aus, am Ende erreicht das sinkende Boot aber noch den Hafen.

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          Endlich schien alles klar: Drei Niederlagen in Serie, dann aber bei auffrischendem Wind erstmals die Führung und das über gut einen halben Kilometer Distanz. Eigentlich hätte Dean Barker, Steuermann des amerikanischen Bootes im Prada-Cup vor Neuseeland, den Sieg im sechsten Ausscheidungsrennen der Herausforderer für den America’s Cup nur noch über die Ziellinie bringen müssen. Dann aber, an der letzten Luvtonne, ein überhörter Warnruf, ein Fehler, ein technisches Problem – alles in Sekundenschnelle aufeinanderfolgend. Die Patriot, das amerikanische Boot, schoss meterhoch in die Luft, drehte mit dichten Großsegel weit über ihren Tragflügel nach Lee und kenterte über ihre Backbordseite.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die elf Mannschaftsmitglieder überstanden den unerwarteten Hochgeschwindigkeitssprung und das Kentern unverletzt. Das Boot war schnell wieder aufgerichtet. Beim Schleppen in den Hafen aber begann es zu sinken. Die Rennleitung rief am Abend in Auckland den Notfall aus, die Küstenwache und die Unterstützter der Konkurrenten eilten zur Hilfe. Dass die Italiener der Luna Rossa, zuvor weit abgeschlagen, nach dem Ende des amerikanischen Konkurrenten einen ungefährdeten Sieg einfuhren, zählte nur noch für die Ergebnistabelle. Ungeschlagen an der Spitze liegt mit vier Siegen nach dem ersten Wochenende der Ausscheidungsrennen der Herausforderer das britische Team um den „König des Segelns“, Sir Ben Ainslie. Die Verteidiger des Cups, das Team New Zealand, dürfte beim Verfolgen der Rennen seiner Konkurrenten viel gelernt haben.

          Unfall nach „schwierigem Manöver“

          Der Sonntag wurde zum ersten Tag der Wahrheit für die immer noch unter Rennbedingungen weitgehend ungetesteten AC75-Cupper. Frischer, böiger Wind schaffte ganz andere Bedingungen als der Leichtwind bis Samstag. Die Briten mit ihrem völlig überarbeiteten Boot bewiesen auch in diesem Wetter ihre unerwartete Überlegenheit. Im ersten der beiden Rennen des Sonntags schlugen sie Luna Rossa auf der Regattabahn trotz eines verschenkten Starts. Das zweite Rennen, Italiener gegen Amerikaner, konnten sich die Männer entspannt vom Ufer aus anschauen. Es sollte sich lohnen.

          Nach drei verlorenen Matchraces ging das amerikanische Team mit einer gewaltigen Bürde an den Start. Bei Italienern wie Amerikanern waren technische Probleme auszumachen: Die Navigation der Italiener funktionierte nicht, und sie durchschnitten mehrfach die Begrenzung der Regattabahn. Auch klemmte das Kommunikationssystem an Bord der Amerikaner augenscheinlich mehrfach. Das ließ sich ausgleichen, doch sollten größere Herausforderungen folgen: Als die Patriot mit voller Geschwindigkeit am Wind auf die letzte Luvtonne zujagte, warnte der britische Olympia-Sieger Paul Goodison an Bord noch vor einem „schwierigen Manöver“, das Barker gerade angekündigt hatte – was den Steuermann eines Bootes, das auf dem letzten Schenkel vor dem Ziel fast einen halben Kilometer in Führung liegt eigentlich von ihm abhalten sollte.

          Auf der Seite: Die „Patriot“-Yacht vom Team American Magic kentert kurz vor Schluss.
          Auf der Seite: Die „Patriot“-Yacht vom Team American Magic kentert kurz vor Schluss. : Bild: AP

          Barker aber zog es durch, als sei er von dem greifbar nahen ersten Sieg wie betrunken. Er wendete an der Luv-Tonne genau in eine Bö, die nach mindestens 20 Knoten aussah, um sofort danach in voller Fahrt von fast 45 Knoten (83 Stundenkilometer) scharf abzufallen. Das Backstag, das vom Rumpf hoch in den Mast führt, aber blieb fixiert, damit ließ sich das Großsegel nicht öffnen – umgangssprachlich konnten Barker und seine Männer den Fuß nicht vom Gaspedal heben. Das Schicksal der Patriot war besiegelt. Der neuseeländische Legionär stand bei seinem Manöver als Steuermann noch auf der neuen Lee-Seite seiner Yacht und hatte keine Chance, die Böe zu erkennen. Zwei Sekunden später kam es zur Katastrophe.

          Für Steuermann Dean Barker muss es ein déjà-vue in seinem Heimatrevier gewesen sein. Zwar hatte er 2007 und dann noch mal 2013 mit dem Team New Zealand die damalige Luna Rossa im Finale der Herausforderer jeweils geschlagen. Doch verlor er den fast schon sicher geglaubten Cup 2003 vor Auckland an das Schweizer Team Alinghi. Damals schlug die neuseeländische Yacht in schwerem Wetter voll und nahm bis zu fünf Tonnen Wasser auf – eine nationale Schmach.

          Die Bilder von vor 17 Jahren erinnern nun an den Fast-Untergang der Patriot. Von Schwimmkörpern gerade noch über Wasser gehalten, erreichte sie am Abend im Schlepp den rettenden Hafen in Auckland. Über die nächsten vier Tage müssen die Amerikaner nun rund um die Uhr arbeiten, um ihr Boot bis zum nächsten Startschuss für die Ausscheidungsregatten am kommenden Freitag fit zu machen.

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