https://www.faz.net/-gtl-9r8vj

„Ein wahr gewordener Traum“ : Eine Golf-Heldin zeigt pure Emotionen

  • -Aktualisiert am

Kann es kaum glauben: Suzann Pettersen in Gleneagles Bild: dpa

Suzann Pettersen steht in der Golf-Weltrangliste eigentlich nur auf Platz 665. Doch mit einem völlig überraschenden Coup macht sie sich unsterblich – und beendet anschließend prompt ihre Karriere.

          2 Min.

          Die Geschichte klingt fast zu kitschig, um wahr zu sein – denn die 16. Auflage des Solheim Cups auf dem PGA Centenary Course des Gleneagles Hotels in Auchterarder (Schottland) folgte einem Drehbuch, das selbst einem Hollywood-Regisseur wohl als zu gewagt erschienen wäre. Ausgerechnet Suzann Pettersen versenkte den allerletzten und entscheidenden Putt zum überraschenden 14 ½ : 13 ½-Sieg der Europa-Auswahl gegen das Team der Vereinigten Staaten. Die 38 Jahre alte Norwegerin schob den Ball am 18. Loch aus 2,10 Meter traumhaft sicher ins Loch und besiegte damit Marina Alex mit „1 auf“ (ein mehr gewonnenes Loch).

          Sie kürte sich zur überraschenden Heldin dieser weiblichen Version des Ryder Cups. Doch kaum hatte sich der Jubel um diesen Coup einer Frau gelegt, die in der Weltrangliste nur auf Rang 665 geführt wird, verkündete Suzann Pettersen das Ende ihrer glanzvollen Laufbahn. „Das ist der perfekte Abschluss meiner Profikarriere. Diesen Coup ausgerechnet in Schottland zu schaffen ist ein wahr gewordener Traum. Besser kann es nicht mehr werden. Das war’s.“

          Bei ihrer neunten Teilnahme am größten Spektakel im Damengolf war die routinierte Spielerin aus Oslo eigentlich nur als einer der Vice Captains von Catriona Matthew vorgesehen. Doch dann gab die Schottin Mitte August ihrer Freundin und jahrelangen Mitstreiterin im Solheim Cup überraschend einen ihrer vier „Captain’s picks“, eine von vielen vermeintlichen Experten kritisierte Entscheidung. Denn Suzann Pettersen hatte sich rund um die Geburt ihres ersten Kindes eine zwanzigmonatige Pause vom Profigolf gegönnt und war erst im Juli auf die Tour zurückgekehrt – ohne Erfolg. Bei zwei von drei Turnierteilnahmen verpasste sie den Cut, beim dritten landete sie unter ferner liefen. Aber wie im Ryder Cup folgt auch das seit 1990 ausgetragene Prestige-Duell eigenen Gesetzen, im Duell Frau gegen Frau ist alles möglich, vor allem für Suzanne Pettersen, die zum neunten Mal für Europa spielte.

          Die Hände an der Trophäe: Suzann Pettersen (Mitte) und ihr Team

          Zwar galten die Amerikanerinnen, die in der Weltrangliste deutlich höher eingestuft werden, als klare Favoriten, zumal sie die letzten beiden Duelle gewonnen hatten, im Jahr 2017 sogar deutlich 18:10. Nach den Vierern, wie die Doppel im Golf heißen, stand es 8:8 – eigentlich die ideale Ausgangsposition für die Amerikanerinnen, die in der Vergangenheit fast immer die Einzel dominiert hatten. Aber diesmal hielten die Europäerinnen mit. Alles kam auf die letzten drei Partien an. Erst fertigte die Schwedin Anna Nordqvist ihre Gegnerin Morgan Pressel 4 & 3 ab, dann gelang der Engländerin Bronte Law ein 2 & 1-Sieg gegen Ally McDonald, Sekunden bevor am 18. Grün dieser Solheim Cup entschieden wurde. Marina Alex verpasste aus drei Metern ihren Birdie-Putt – Bühne frei für Suzann Pettersen. „Ich wusste gar nicht, dass es der alles entscheidende Putt war“, sagte die strahlende Siegerin mit ihrem 18 Monate alten Sohn Herman im Arm, „ich wusste nur, dass es ganz knapp war.“

          Obwohl die Französin Celine Boutier und die Engländerin Georgia Hall ihre vier Partien gewannen, zwei davon gemeinsam, drehte sich beim Nachkarten alles um Suzanne Pettersen und das spektakuläre Finale einer glanzvollen Karriere mit 15 Siegen, darunter zwei Majors auf der LPGA Tour. „Suzann war einer der Wegbereiter des europäischen Golfs und des Solheim Cups“, sagte die 50 Jahre alte Kapitänin Catriona Matthews, die achtmal mit der Norwegerin gemeinsam im Team angetreten war. „Wenn das wirklich ihr letzter Moment im Profigolf gewesen war, dann ist es toll, dass sie sich ganz oben verabschiedet hat.“

          Weitere Themen

          Görges verliert Finale in Luxemburg

          Tennis : Görges verliert Finale in Luxemburg

          Julia Görges verpasst trotz aufsteigender Form die Wiederholung ihres Titelgewinns beim Damentennis-Turnier in Luxemburg. Im Endspiel unterliegt sie einer früheren French-Open-Siegerin.

          Topmeldungen

          Bernie Sanders ist zurück – und fühlt sich bereit für das Präsidentenamt.

          Bernie Sanders in New York : „Ich bin wieder da!“

          Bei seiner ersten Wahlkampfveranstaltung nach seinem Herzinfarkt bricht Bernie Sanders Besucherrekorde. In New York ist auch seine bislang wichtigste Unterstützerin dabei.
          Die Eingangshalle des Kammergerichtes Berlin.

          Emotet : Wie ein Trojaner das höchste Gericht Berlins lahmlegte

          Seit drei Wochen hat das Berliner Kammergericht keinen Internetzugriff mehr. Grund ist ein Angriff mit Schadsoftware. Auf den ersten Blick scheinen die Folgen beherrschbar – doch die echte Gefahr könnte woanders lauern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.