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Profigolfer Justin Rose : Endlich der Beste

  • -Aktualisiert am

Die neue Nummer eins der Golfwelt: Justin Rose Bild: USA TODAY Sports

20 Jahre hat Justin Rose gebraucht, um die Nummer eins der Golfwelt zu werden. Wo er es nun ist, soll seine Reise noch nicht beendet sein.

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          Dieser Trostpreis kann sich sehen lassen. Justin Rose hat bei der auf den Montag verlegten Schlussrunde der BMW Championship, dem dritten Play-off-Turnier des FedExCups, im Aronimink Golf Club in Newton Square, einem Vorort von Philadelphia, zwar wie in der Vorwoche wieder nur den zweiten Platz belegt, aber dafür etwas viel Wertvolleres gewonnen. Der 38 Jahre Engländer löste den Amerikaner Dustin Johnson als Spitzenreiter der 1986 offiziell eingeführten Weltrangliste ab.

          Er kürte sich damit als 22. Golfprofi, als vierter Engländer nach Nick Faldo, Lee Westwood und Luke Donald, zum Primus, ein verdienter Aufstieg in einen erlesenen Kreis. Denn bei seinen letzten 27 Turnieren kam der Brite zu drei Siegen, landete fünf Mal unter den Top Drei und 19 Mal unter den Top Ten. Kein anderer Profi hat in den letzten Monaten so beständig gespielt wie der in Johannesburg geborene Rose, der mit seinen englischen Eltern im Alter von fünf Jahren nach Hook in Hampshire umzog.

          „Im Moment bin ich sehr enttäuscht“, sagte Rose nachdem er das Stechen am ersten Extra-Loch gegen den Amerikaner Keegan Bradley durch ein Bogey verloren hatte. „Wenn man durch ein Bogey am 18. Loch in ein Stechen muss, gibt es keinen Grund, sich darüber zu freuen. Das dämpft ein wenig die Freude über den Aufstieg zur Nummer eins. Aber wenn ich auf diese Woche zurückblicke, ist es eine unglaubliche Leistung, ein Kindheitstraum ist wahr geworden. Jeder junge Golfer träumt davon.“ Und dann erzählte Rose von seiner langen, zwanzig Jahre währenden Reise bis zum Erklimmen des Golfgipfels. Als 17 Jahre alter Teenager hatte er 1998 bei der British Open in Royal Birkdale für Furore gesorgt. Aus 40 Metern hatte er am letzten Loch zum Birdie eingelocht und Platz vier belegt, die beste Plazierung eines Amateurs beim ältesten Turnier der Welt seit Jahrzehnten. Wenige Tage später, kurz nach seinem 18. Geburtstag, wechselte er ins Profilager, im Rückblick eine falsche Entscheidung: „Ich habe die große Bühne des Golfs betreten, bevor ich dafür bereit war.“ In seinen ersten 21 Turnieren als Berufsspieler verpasste er 21 Mal den Cut.

          Neun Siege auf der PGA Tour

          Erst im Jahre 2001 etablierte er sich auf der europäischen Tour, war 2007 die Nummer eins in Europa und gehörte auch nach seinem Wechsel auf die amerikanische PGA Tour und dem Umzug nach Orlando mit seiner Frau Kate, einer ehemaligen britischen Spitzenturnerin, fast immer zu den Top Ten der Weltrangliste. Mittlerweile hat er neun Mal auf der amerikanischen PGA Tour und elf Mal auf der European Tour gewonnen, dazu feierte er weitere sechs Siege auf der Japan, der Asian, der Sunshine und Australasian Tour. „Einmal im Leben der Beste zu sein, das gehört neben dem Olympiasieg in Rio de Janeiro und dem Triumph bei den US Open 2012 zu den Höhepunkten meiner Laufbahn“, reihte Rose seinen Aufstieg zum Branchenprimus ein.

          Aber auch wenn „Rosie“, wie ihn die Kollegen nennen, jetzt offiziell als Bester seiner Zunft gilt, ist er noch lange nicht am Ende seines Weges angekommen. „Ich habe zwanzig Jahre gebraucht, bis ich ganz oben war. Ich habe nie aufgegeben. Jeden Morgen habe ich beim Aufwachen nur daran gedacht, wie ich mich verbessern kann“, beschreibt Rose sein Bestreben, auch weiterhin an seinem Spiel und seinem eleganten, lehrbuchmäßigen Schwung zu arbeiten. Da er in der Vorwoche bei der Dell Technologies Championship in Newton, einem Vorort von Boston, ebenfalls den zweiten Platz belegt hatte, liegt er im Rennen um den mit zehn Millionen Dollar dotierten Sieg im FedExCup hinter dem Amerikaner Bryson DeChambeau, der die beiden ersten Play-off-Turniere gewonnen hatte, auch bei der Saisonwertung der PGA Tour auf Rang zwei – eine glänzende Ausgangsposition, den größten Jackpot im Sport zu gewinnen.

          Auch der Amerikaner Tony Finau, der sich durch einen achten Platz auf den dritten Rang im FedExCup vorschob, gehört wie seine Landsleute Dustin Johnson und Justin Thomas zu den fünf Spielern, die sich mit einem Turniersieg in Atlanta das Zubrot von zehn Millionen Dollar sichern können. Für Finau, dessen Familie aus der Südsee stammt, gab es noch eine Extra-Belohnung. Der amerikanische Ryder-Cup-Kapitän vergab den letzten seiner vier „Captain’s pick“ an den 28 Jahre alten Finau, der dank vieler Top-Ten-Plazierungen als hoher Favorit für die Nominierung galt.

          Beim Ryder Cup vom 28. bis 30. September nördlich von Paris wird auch Tiger Woods dabei sein. Der Publikumsliebling, der auch in Newton Square mit Abstand die meisten Zuschauer anzog, war zwar nach neun Löchern bis auf einen Schlag an die Spitze herangerückt, aber sieben Birdies, die meisten der Schlussrunde, reichten nicht. Zwei Bogeys und eine Schlussrunde von 65 Schlägen sicherten ihm mit dem geteilten sechsten Platz ein weiteres Topergebnis. Dadurch qualifizierte sich Woods, der in der Weltrangliste schon wieder auf Platz 21 geführt wird, für das Tourfinale der besten dreißig Spieler in Atlanta – für Woods ein Riesenerfolg: „Anfang des Jahres wusste ich nicht einmal, ob ich jemals wieder auf der Tour spielen kann.“

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