https://www.faz.net/-gtl-8hq5u

Rio 2016 : Preisboxer werden olympisch

  • -Aktualisiert am

Olympia bleibt wohl ein Traum für Klitschko Bild: dpa

Weil bei Olympia immer „die Besten“ am Start sein sollen, können bei den Spielen in Rio nun auch Profiboxer antreten. Die müssen sich zuvor aber noch auf einen Kulturschock einrichten.

          2 Min.

          Bisher war es immer anders herum: Die Boxer Muhammad Ali, Joe Frazier, George Foreman, Lennox Lewis, Oscar de la Hoya und Wladimir Klitschko wurden Olympiasieger, bevor sie ihren Amateurstatus ablegten und Profi-Champions wurden. Künftig geht so etwas auch umgekehrt, denn die Preisboxer werden olympisch. Dies hat der Weltverband Aiba hat am Mittwoch bei seinem Kongress in Lausanne beschlossen. So werden also im Sommer in Rio de Janeiro 26 Berufsboxer (in einem Feld von 286) ein Tabu brechen, das in Wahrheit schon lange keines mehr war.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          „Wie viele Sportarten haben Profis bei den Olympischen Spielen?“, fragte der Taiwan-Chinese C.K. Wu, der Präsident des Box-Weltverbandes, in Lausanne rhetorisch. „Jede. Nur Boxen nicht.“ Und wirklich: An Fußballprofis, Radprofis oder Basketballprofis hat sich die olympische Fangemeinde längst gewöhnt. Mit überwältigender Mehrheit haben nun auch die Boxer ihre Beschränkung aufgehoben: 84 von 88 Delegierten stimmten in Lausanne für die Zulassung von Athleten aller Weltverbände zu Wettkämpfen der Aiba. „Es ist die Politik des Internationalen Olympischen Komitees, dass die Besten am Start sein sollen“, sagte Wu.

          Ende einer lebhaften Diskussion

          Die Aiba beendete mit ihrem Beschluss auch eine lebhafte Diskussion im Profi-Lager, das sich nun auf einen olympischen Kulturschock einrichten muss. Und das nicht nur, weil nach den Regeln der Amateure die Kämpfe lediglich drei Runden dauern statt zwölf bei den Profis. Die im Berufsboxen gepflegte Gewohnheit der Promoter und Organisatoren, gewinnträchtige Kämpfer gegen Fallobst antreten zu lassen, um die Geldquelle nachhaltig ausbeuten zu können, ist im Amateursport weniger üblich. Manipulierte Urteile hingegen kommen auch bei Olympia vor, wie verschiedene Skandale belegen. Nach den Spielen 2004 in Athen etwa hatte das IOC wegen manipulierter Kampfrichterurteile Zuwendungen in Höhe von einer Million Dollar eingefroren. Erst als C.K. Wu den damaligen pakistanischen Präsidenten Chowdry ablöste, wurde das Geld freigegeben. Im Zusammenhang mit dem olympischen Boxturnier 2012 in London präsentierte der Sender BBC einen Informanten, der behauptete, die Aiba habe Aserbaidschan zwei Goldmedaillen für 6,7 Millionen Euro verkauft.

          Für C.K. Wu, einen Architekten aus Taiwan, ist die Aufnahme von Profis ins olympische Turnier nicht der erste kühne Schritt. 2011 führte er die halbprofessionelle Liga World Series im Boxen ein. In London 2012 nahmen erstmals Frauen am olympischen Boxturnier teil. Für Rio wurden bei den Männern der Kopfschutz abgeschafft. Ob die jüngste Neuerung auf Zustimmung stößt, wird das olympische Turnier zeigen. Der ehemalige Profi-Champion Mike Tyson jedenfalls fand nichts Gutes an der Idee. „Das ist lächerlich, das ist dämlich“, sagte er. „Und einige Berufsboxer werden von den Amateuren besiegt werden. Das wird passieren, das glaube ich wirklich.“ Und das wäre nicht gerade günstig für die Entwicklung des prügelnden Kapitals.

          Ob sich also wirklich Faustkämpfer mit großen Namen für das Qualifikationsturnier vom 3. bis 6. Juli in Vargas (Venezuela) anmelden werden, ist fraglich. Der Ukrainer Wladimir Klitschko hatte zwar Interesse gezeigt. Aber er hat Terminprobleme: Am 8. Juli muss er in Manchester den Rückkampf gegen Tyson Fury bestreiten. Der Brite hatte ihm im November in Düsseldorf seine Grenzen aufgezeigt. Und in vier Jahren, wenn die nächsten Spiele in Tokio stattfinden, wäre Klitschko mit 44 Jahren zu alt.

          Weitere Themen

          Abwasch und Aufschlag

          Andrea Petkovic in Bad Homburg : Abwasch und Aufschlag

          „Schön, dass man auch mit 33 Jahren noch Premieren erleben darf“: Tennisspielerin Andrea Petkovic weiß die Vorzüge ihres Heimturniers zu nutzen.

          Topmeldungen

          EM-Debatte in München : Kampf um den Regenbogen

          Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der Stadtrat von München wollen zum EM-Spiel gegen Ungarn ein Zeichen setzen – gegen Viktor Orbán. Die UEFA spielt auf Zeit.

          F.A.Z.-Serie Schneller Schlau : Die Armut will einfach nicht weichen

          Der lange Wirtschaftsaufschwung und der Mindestlohn haben die gemessene Armut nicht verringert: In Deutschland sind sogar etwas mehr Menschen armutsgefährdet als vor zehn Jahren. Anders als oft behauptet, liegt das nicht nur an „den vielen Flüchtlingen“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.