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Berühmte Segelregatta : Kleine und große Probleme vor dem America’s Cup

Noch nicht fertig, aber immerhin schon mal im Wasser: Der „Delfin“ der Neuseeländer im Hafen von Auckland. Bild: AP

Ein Delphin, der nicht gleitet und vier Yachten, die noch nicht im Wasser sind: Anderthalb Jahre vor dem America’s Cup hat bislang nur der Titelverteidiger sein Boot präsentiert. Und die anderen Teams?

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          Es sind spannende Tage für die Fans der prestigeträchtigsten Segelregatta der Welt: Zwar findet der 36. America’s Cup erst im Frühjahr 2021 in der Bucht der neuseeländischen Hafenstadt Auckland statt. Doch nach mittlerweile fast zwei Jahren geheimster Planungs- und Entwicklungszeit soll sich Anhängern, Sponsoren und Teams schon bald die Möglichkeit bieten, die 23 Meter langen, mehr als 26 Meter hohen und knapp 6,5 Tonnen schweren Yachten der offiziell noch fünf teilnehmenden Teams endlich auf dem Wasser in Aktion zu sehen, anstatt nur die immergleichen Computeranimationen. So lautet jedenfalls der Plan der mit einem Budget von mindestens 100 Millionen Dollar ausgestatteten Syndikate aus Neuseeland, Italien, England und den Vereinigten Staaten.

          Die Realität sieht – zumindest in Teilen – anders aus. So zog die als offizieller Herausforderer der Cupverteidiger Team New Zealand eingetragene „Luna-Rossa“-Crew ihre eigentlich für den Montag dieser Woche geplante und angekündigte Präsentation ihrer „Monohull“ genannten Einrumpf-Yacht im sardischen Cagliari ohne Angabe von Gründen wieder zurück. Neuer Termin für das Spektakel soll nun Ende September sein – ein genaues Datum für das Event steht allerdings noch aus. Spekulationen zufolge sollen die Entwickler des hauptsächlich von Prada-Chef Patrizio Bertelli finanzierten Bootes allerdings Probleme mit der Konstruktion und Stabilität der sogenannten Foils haben, welche die Yacht bei hohem Tempo aus dem Wasser heben und so zu noch mehr Geschwindigkeit verhelfen sollen.

          Schon lange vor dem eigentlich Bau ausgeschieden

          Aber auch für die Vorstellung der Yachten des britischen „Ineos“-Teams sowie der Crew von „American Magic“ sind die Zeitpläne noch reichlich unkonkret. Sehr ruhig ist es indes um das zweite amerikanische Team „Stars and Stripes“ geworden. Womöglich wird dort die angekündigte Cup-Teilnahme bald ebenso zurückgezogen wie jene der Teams aus Malta und den Niederlanden, die schon lange vor dem eigentlichen Bootsbau aus der Technik-Hatz um die schnellste Yacht ausgeschieden waren.

          Deutlich besser läuft es dagegen beim Cup-Verteidiger aus Neuseeland: Bereits am vergangenen Freitag hatte das Team sein Privileg genutzt und als erste Crew den fertigen Körper der millionenteuren Yacht in den frühen Morgenstunden im Hafen von Auckland erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Im Beisein des begehrtesten Pokals des Segelsports und dem Großteil jener Mannschaft um Superstar Peter Burling, die die mehr als 150 Jahre alte Silberkanne vor zwei Jahren auf den Bermuda-Inseln noch auf einem Katamaran so souverän gewonnen hatte, wurde das Boot auf den Namen Te Aihe getauft, was in der Sprache der Maori für Delphin steht.

          65 Designer, Ingenieure und Bootsbauer haben nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 100.000 Stunden in einer dafür errichteten Werfthalle an der Yacht gebaut. Anders als die meisten ihrer Konkurrenten verzichteten die Neuseeländer dabei im Vorfeld auf die Produktion eines Miniaturmodells ihres Bootes und die dazugehörigen Tests auf dem Wasser und setzten ausschließlich auf die Entwicklung am Computer. Fest steht, dass das Team den bald beginnenden neuseeländischen Sommer für ausgiebige Testregatten im Cup-Revier nutzen – und mithilfe dieser Erkenntnisse dann im kommenden Jahr einfach noch eine zweite Yacht mit verbessertem Design bauen werden. Für Neuseelands Organisationschef Kevin Shoebridge, dessen Kampagne auch wegen des Einsatzes von Regierungschefin Jacinda Ardern zu einer nationalen Mission stilisiert wird, handelt es sich aber bereits jetzt um eine Yacht, welche „die Grenzen von Innovation und Technologie im America’s Cup weiter verschiebt“.

          Allerdings: Dass die neuen AC75-Yachten, wie sie offiziell heißen werden, noch weit davon entfernt sind, spektakulären und mitreißenden Segelsport zu bieten, beweist ein in Internetforen kursierendes Handyvideo, das den ersten Test des neuseeländischen Bootes im Hafen von Auckland zeigt. Noch ohne Segel, Taue und technische Geräte ausgestattet und von einem Motorboot gezogen, hat der „Delphin“ große Probleme, stabil und auf seinen Foils durch das Wasser zu gleiten. Zwar werden die Crews und ihre Yachten ihren ersten offiziellen Wettkampf erst im kommenden Frühjahr bestreiten, wenn im April auf Sardinien der Auftakt der America’s-Cup-Weltserie auf dem Programm steht. Doch im auf vier Jahre angelegten Zyklus der Regatta sind sechs Monate eine recht kurze Zeit.

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