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Prix de l’Arc de Triomphe : Ivanhowe als galoppierendes Kapital

Schnell und stark wie der Namenspatron: Rennpferd Ivanhowe Bild: dpa

Eine Milliarde Zuschauer in 45 Ländern schauen am Sonntag (16.30 Uhr) zu. Rennpferd Ivanhowe ist die deutsche Hoffnung beim Prix de l’Arc de Triomphe in Paris und sichert seinem Besitzer durch seine Erfolge die Zukunft.

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          Ivanhowe hat seinen Namen verdient. Das Rennpferd ist ein tapferer Kerl - genau wie sein Namenspatron, der Ritter Ivanhoe aus dem Mittelalter. Zweimal schon musste der Vierjährige sich durch Verletzungen kämpfen, zweimal kehrte er vital und leistungsbereit aus seinen Gesundheitskrisen zurück. Im Jahr 2013 gewann er in Köln das Union-Rennen - und enttäuschte anschließend im Deutschen Derby.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          In diesem Jahr siegte er im Gerling-Preis in Köln - danach wurde er in Chantilly als Sechster in einem Feld von acht Pferden abgehängt. Wahrhaftig eine Karriere mit Hochs und Tiefs. Angeblich hatte er Hufprobleme. Und schließlich der Preis von Baden in Iffezheim Anfang September: Da schickte Ivanhowe den Favoriten Sea The Moon in Rente.

          Bis zu einer Milliarde Zuschauer

          Ivanhowe fügte ihm die erste Niederlage bei fünf Starts zu, er siegte mit drei Längen Vorsprung immerhin gegen den Crack, der das Deutsche Derby zuvor spektakulär mit elf Längen Vorsprung dominiert hatte. Diesmal blieben Sea The Moon nur die Schmerzen. Eine alte Verletzung im rechten Vorderbein war wieder aufgebrochen, seine Rennkarriere war zu Ende, die Hoffnung seiner Besitzer auf einen Start beim renommierten und hoch dotierten Prix de l’Arc de Triomphe in Paris erfüllte sich nicht.

          Ivanhowe aber, der Tapfere, ist an diesem Sonntag dabei. „Das Pferd gab mir 600 Meter vor dem Ziel das Gefühl, ich könnte fliegen“, hatte Jockey Filip Minarik in Iffezheim über den braunen Hengst gesagt. Anders als ein gesunder Sea The Moon gehört er nun nur zum erweiterten Favoritenkreis, aber diesmal ist im erlesenen Starterfeld des Rennens, das zu den wichtigsten Events im internationalen Galopprennsport gehört, kein überzeugender Favorit zu finden.

          Auf der Rennbahn in Paris-Longchamp geht es über 2400 Meter in zweieinhalb Minuten um fünf Millionen Euro, was 2083 Euro pro Meter entspricht. Angeblich verfolgen eine Milliarde Zuschauer in 45 Ländern das Rennen. Der Besitzer des Siegers erhält ein Preisgeld in Höhe von 2,875 Millionen Euro. Nur zweimal kamen bisher Sieger des seit 1920 ausgetragenen Rennens aus Deutschland: Danedream 2011 und Star Appeal 1975.

          Solch einen reichen Geldsegen kann jeder Rennstall gebrauchen, auch Gestüt Schlenderhan, der Besitzer und Züchter von Ivanhowe. Das älteste Privatgestüt Deutschlands in der Nähe von Köln, das von Baron Georg von Ullmann in fünfter Generation geführt wird, wird immer wieder im Zusammenhang mit dem Untergang des Bankhauses Sal. Oppenheim genannt. Ullmann, einst Aufsichtsratsvorsitzender der Bank, gehört zwar nicht zu den Angeklagten im laufenden Untreue-Prozess, doch ist auch er von den Folgen betroffen.

          Nach der Notübernahme des Bankhauses Oppenheim durch die Deutsche Bank dürfte das Gestüt zu den Sicherheiten zählen, Ivanhowe ist also auch wichtiges, atmendes und galoppierendes Kapital. Auch ohne das alles zu wissen, wird er unter dem Jockey William Buick in Paris-Longchamp sein Bestes geben. Dazu ist er als Rennpferd geboren.

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