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Heftige Kritik nach Rad-Unfall : „Ich habe nie eine so schmutzige Aktion gesehen“

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Groenewegen steht massiv in der Kritik, es sind auch die Streckenplaner der Polen-Rundfahrt und mit ihnen die UCI, die diese Pläne genehmigt. Tempo 80! Ein Sprint bei diesem Tempo ist nur auf einer abschüssigen Zielgeraden wie der in Kattowitz möglich. Der deutsche Profi Simon Geschke (CCC Team) schrieb auf Twitter: „Jedes Jahr derselbe dumme Bergab-Sprint bei der Polen-Rundfahrt. Jedes Jahr frage ich mich, warum die Organisatoren denken, das sei eine gute Idee. Massensprints sind gefährlich genug, man braucht kein Bergab-Finale mit 80 km/h.“ Kittel, der seine Karriere im vergangenen Jahr beendet hat, sieht das genauso. „Ich finde, Geschke hat damit absolut recht. Prinzipiell sollte man es sich nicht so einfach machen und nur auf Groenewegen zeigen. Man muss auch die Streckenführung ganz kritisch beurteilen.“

Kittel hatte in seinem ersten Profijahr 2011 die dritte Etappe der Polen-Rundfahrt gewonnen, auf genau dieser Zielgeraden. „Das war definitiv schon immer ein Finale, wo alle immer ein bisschen weggeschaut und gehofft haben, dass es gutgeht. Dieses Finale ist spektakulär, aber das darf nicht der Grund sein, dass man so lange wartet, bis etwas passiert. Da muss man mit den Veranstaltern reden, und da darf die UCI nicht nur Sportler sanktionieren, sondern muss auch schauen, wie man das besser macht, im Sinne des Sports und der Sportler. Es ist nicht richtig, dass man nach schweren Stürzen immer zuerst auf angeblich verrückte Fahrer zeigt, die arbeiten auch nur in der Umgebung, die sie vorgesetzt bekommen.“

Es sind besondere Zeiten, es ist eine besondere Saison in diesem Jahr. Corona hat dafür gesorgt, dass der Rennkalender jetzt erst beginnt. „Die Saison ist extrem verkürzt“, sagt Kittel. „Da will sich jetzt jeder zeigen, da will jeder vorne sein. Das spielt auch ein Rolle, da wird noch mehr um jeden Millimeter gekämpft.“ In dieser Situation sei es besonders wichtig, den Fahrern möglichst sichere Strecken zu bieten.

Was Groenewegen betrifft, so ist man sich in Sprinterkreisen einig: Der Niederländer trägt die Schuld am Horror-Crash von Kattowitz. Die Regeln sind klar: Der Sprinter muss im Kampf um die besten Plätze seine Linie halten. Das Reglement fordert die Fahrer ausdrücklich auf, „rücksichtsvoll“ zu fahren. Das sei natürlich Wunschdenken bei einem Kampf bei höchster Geschwindigkeit, sagt Kittel. Im Sprint würden alle Fahrer „ein gewisses Risiko“ akzeptieren, auch dass es „etwas rauher“ zugeht. „Aber was am Mittwoch passiert ist, kann man nicht rechtfertigen“, sagt Kittel. „Jeder Fahrer muss bei allem Siegeswillen auch in der heißesten Phase eines Rennens noch so viel Verantwortungsbewusstsein haben, dass er die Gesundheit der anderen respektiert. Das ist am Mittwoch schiefgegangen. Das war extrem gefährlich, das war extrem unsportlich. Das geht nicht.“

Groenewegen meldete sich am Donnerstagnachmittag via Twitter zu Wort: „Ich finde es schrecklich, was gestern passiert ist“, schrieb er. „Ich kann nicht beschreiben, wie schlecht ich mich für Fabio und alle anderen, die stürzten oder getroffen wurden, fühle. Fabios Gesundheit ist im Moment das Allerwichtigste. Ich denke jeden Moment an ihn.“

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