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Schwimm-WM : Alltags-Philip gegen Helden-Heintz

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„Etwas ganz anderes, als wenn man die Medaille nur von sich selbst erwartet“: Philip Heintz, WM-Favorit. Bild: Picture-Alliance

Kritisch und schnell: Philip Heintz ist die größte deutsche Hoffnung auf eine Medaille bei der Schwimm-WM. Dabei wollte er nach den olympischen Spielen in Rio hinschmeißen.

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          Du bist nicht fit.“ Klingt nicht gerade aufbauend. Für Philip Heintz aber ist es Teil seines Rituals, sich einzureden, dass er eben nicht fit ist. Denn mittlerweile kennt dieser Philip Heintz aus der Rennvorbereitung eben auch jenen Philip Heintz von der Startbrücke – und das sei eben ein ganz anderer Typ. Dieser Philip Heintz ist sehr selbstbewusst: „Er ist zu 100 Prozent der Meinung, dass er alles schafft, was er sich in den Kopf gesetzt hat.“ Jenen Heldentaten-Heintz muss der Vorher-Philip manchmal daran erinnern, kein Rennen, keinen Gegner zu unterschätzen.

          „Das war wahrscheinlich auch das Problem in Rio“, sagte Heintz. „Da bin ich in das Finale reingegangen und sagte mir: Ich hol diese Medaille. Punkt. Aus.“ Philip Heintz gehörte zu den Lichtblicken in den dunklen Schwimm-Nächten von Rio de Janeiro. Finale über 200 Meter Lagen erreicht. Deutschen Rekord geschwommen. Doch als der sechstschnellste Lagenschwimmer der Welt um die Ecke der Interview-Zone bog, weinte er. Weil er die Medaille nicht holen konnte, die eigentlich niemand von ihm erwartet hatte – außer er selbst.

          Nach „gefühlt tausend“ Analysen des Rio-Rennens war Heintz und seinem Heidelberger Trainer Michael Spiekermann klar: Der Lagenspezialist verlor das Rennen auf der Rückenbahn. Deshalb haben beide das sogenannte „Ultra short race pace training“ adaptiert, eine relativ junge Trainingsmethode, die trotz geringerer Trainingsumfänge durch mehr Arbeit im Renntempo Leistungssteigerungen verspricht. „Ich habe eine gute Ausdauer, aber mir hat der Rhythmus und die Leichtigkeit gefehlt, um 29,2 Sekunden anzugehen“, erklärt Heintz den Weg von vielen, vielen Wiederholungen in möglichst hohem Tempo. „Jetzt weiß ich, wie es geht, jetzt fällt es mir eher schwer, langsamer zu schwimmen.“

          Bei den Weltmeisterschaften nun, dem ersten internationalen Kräftemessen nach den Spielen, gilt Philip Heintz als heißester Medaillenkandidat des Deutschen Schwimmverbands. Kein leichter Job. Von der durch harte Normzeiten, Rücktritte und verletzungsbedingte Saisonabsagen minimierten, vierzehnköpfigen WM-Reisegruppe kam kaum jemand über die Vorläufe hinaus. Drei Tage, eine Halbfinalteilnahme von Aliena Schmidtke über 100 Meter Schmetterling, ein Finaleinzug für Florian Wellbrock über 800 Meter Freistil. Eine Medaillenprognose mochte Bundestrainer Henning Lambertz nach der Olympia-Pleite schon gar nicht mehr abgeben.

          Tatsächlich hat sich aber an der Zahl ein Jahr nach Rio gar nicht viel geändert. Die deutschen Schwimmer könnten dreimal Edelmetall aus dem Becken am Ufer der Donau fischen. Das Team könnte aber auch leer ausgehen, wieder mal. Die Hoffnungen ruhen auf Weltmeister Marco Koch sowie auf Franziska Hentke – und vor allem auf Philip Heintz.

          Vorzeigeschwimmer Marco Koch bezeichnet sich selbst als „Wundertüte“. An ihm war zu beobachten, welche Folgen das vom DSV verordnete Maximalkrafttraining haben kann. Bei den deutschen Meisterschaften vor fünf Wochen konnte Koch die dazugewonnene Kraft nicht ins Wasser bringen. Franziska Hentke, die an diesem Mittwoch über 200 Meter Schmetterling ebenfalls um den Finaleinzug kämpft, muss beweisen, dass sie endlich auf der ganz großen Bühne ihre fleißigst antrainierten Fähigkeiten abrufen kann.

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