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Taylors Finale bei Darts-WM : „Es war eine fantastische Karriere“

„Es reicht“: Phil Taylor verlässt die Bühne des Darts. Bild: dpa

Die Karriere von Phil Taylor endet mit einer heftigen Niederlage gegen den erst 27 Jahre alten Rob Cross im WM-Finale. Dabei hat er die Chance auf einen magischen Moment – und verpasst ihn ganz knapp.

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          Es hätte ein magischer Moment werden können. Phil Taylor hatte acht perfekte Darts gespielt im ersten Leg des fünften Satzes. Ein Treffer noch in die Doppel-12 und er hätte mit einem Neun-Darter, der schnellsten Möglichkeit zum Beenden eines auf 501 Punkte angelegten Einzelspiels, die Wende einleiten können bei seinem letzten Auftritt auf der Profitour, im Endspiel der Darts-Weltmeisterschaft in London. Das „Taylor Wonderland“, seit vielen Jahren von den Fans ständig besungen, schien noch einmal Wirklichkeit werden zu können. Taylors Karriere hätte mit dem größten im Darts möglichen Erfolg enden können. Aber Taylors Pfeil landete exakt auf der falschen Seite des Drahtes, wie Darts-Spieler die Begrenzung der Dartfelder nennen.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der 57 Jahre alte Rekordweltmeister setzte auch die drei Pfeile der nächsten Aufnahme daneben. Und sein Gegner Rob Cross nutzte die Gelegenheit zur Führung, wenige Minuten später gewann er auch diesen Satz und baute die 4:1-Satzführung letztlich zum 7:2-Sieg aus. Das Spiel beendete er passend zu seinem starken Auftritt mit einem hohen 140er-Checkout und dem ersten Match Dart. „Ich fühle mich großartig. Es ist meine erste große Trophäe. Aber es geht hier um Phil Taylor. Es ist sein Turnier“, sagte Cross nach dem Spiel im Sieger-Interview auf der Bühne. Er wirkte dabei sehr demütig, fast ein wenig so, als ob er sich des Besiegens von Taylor und somit des Zerstörens eines Sportmärchens schuldig bekennen würde.

          Taylor erwies sich derweil als guter Verlierer, wie er auch in den vergangenen fünf Jahren seit seinem letzten WM-Erfolg grundsätzlich sehr würdevoll die Wachablösung durch Spitzenspieler wie Michael van Gerwen akzeptiert hat. Diese Jahre werden dem einst vom Ehrgeiz nahezu zerfressenen, alles gewinnenden Taylor vermutlich im Nachgang wie auch die Niederlage zum Abschluss jene Menschlichkeit verleihen, die aus erfolgsverwöhnten Sportlern ganz große Sportler werden lassen. In jenen Niederlagen zollte Taylor seinem Sport Tribut, der grundsätzlich eben größer sein sollte als jeder einzelne Spieler. Nachdem Taylor lange Jahre Darts beherrscht hatte, schlug das Spiel mit den 82 Wertungsfeldern und den winzig kleinen, nur vier mal 0,8 Zentimeter großen entscheidenden Doppelfeldern zurück und verwies Taylor zurück in seine Schranken. Spätestens seit Neujahr ist Darts nun nicht mehr Phil Taylor. Auf einen Rücktritt vom Rücktritt angesprochen, sagte er nur: „Es war eine fantastische Karriere. Barry Hearn (der Vermarkter der Darts-WM) hat mich gefragt, ob ich noch weitermache, aber es reicht.“

          Der Rekord-Champion trauerte nach dem Ende der einseitigen Partie lediglich dem Neun-Darter nach, der kurioserweise bei all seinen Erfolgen bei Weltmeisterschaften sein allererster auf der größten Bühne gewesen wäre. „Ich sehe bei Rob Cross viele Parallelen zu mir. Er verschreibt sich komplett dem Darts“, sagte Taylor. „Ihm geht es nicht ums Geld, ihm geht es ums Gewinnen.“ Der Sieg von „The Voltage“ („Spannung“), der Cross eine gute halbe Million Euro einbringt, ist die größte Sensation in der Geschichte der Weltmeisterschaften, weil jener Engländer, der 1990 im Jahr von Taylors erstem von insgesamt 16 Titelgewinnen, geboren wurde, zu Beginn des vergangenen Jahres erst in seine Profikarriere startete. Zuvor hatte er jahrelang wegen beruflicher Sicherheit und auch wegen seiner Kinder darauf verzichtet, den Sport mit letzter Konsequenz zu betreiben.

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