https://www.faz.net/-gtl-1114i

Phil Taylor, Weltmeister im Darts : „Du kannst dich nicht verstecken“

  • Aktualisiert am

„The Power” Taylor: Mit einem „Neundarter” von 501 auf Null Bild:

Gute Nerven und ein dickes Konto: Phil Taylor beherrscht das Spiel mit den kleinen Pfeilen wie kein Zweiter. Im Gespräch mit FAZ.NET schwärmt der 48 Jahre alte Engländer von grölenden Fans, starken Nerven und einem Haus in Portugal.

          2 Min.

          Gute Nerven und ein dickes Konto: Der 48 Jahre alte Engländer beherrscht das Spiel mit den kleinen Pfeilen wie kein Zweiter.

          Darts kann Spaß machen. Aber Sie werden „The Power“ genannt, sind 13 Mal Weltmeister geworden und treffen mit fast jedem Wurf die Dreifach-Zwanzig, das höchste Feld. Ist das nicht furchtbar langweilig?

          Jetzt passen Sie mal auf! Vor drei Wochen habe ich 50.000 Pfund gewonnen, eine Woche danach 20.000, eine Woche danach 50.000. Und jetzt in Frankfurt: 50.000. Keine Sorge, mir wird das nicht langweilig.

          Aber vor zwei Jahren dachten Sie an Rücktritt?

          Jetzt nicht mehr. Ich sage drei magische Worte: Zehn Millionen Pfund. Schon bald geht es bei uns um so viel Preisgeld im Jahr. Keine Chance, da aufzuhören. Die anderen Spieler sagen mir zwar dauernd, ich soll abhauen, aber ich bleibe. Wahrscheinlich noch fünf Jahre.

          Ist Ihnen Geld so wichtig?

          Es ist wichtig, um meine Familie zu unterstützen. Ich habe vier Kinder, dazu einen Enkel, im Dezember kommt der zweite. Ich selbst habe keinen aufwendigen Lebensstil, ich gebe wenig aus und besitze ein Reihenhaus mit kleinem Vorgarten.

          Sie sollen ein Autonarr sein.

          Okay, ich besitze sechs Autos. Ich habe gerade eine Großraumlimousine bestellt. Darin kann man DVD schauen. Und ich liebe Portugal. Dort werde ich mir später ein kleines Haus für den Winter kaufen.

          Was ist beim Darts wichtiger: ein gutes Händchen oder starke Nerven?

          Wenn du der Beste sein willst, musst du unter Druck gut spielen. Stellen Sie sich vor, im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft läuft die letzte Minute, es gibt Elfmeter, und Sie müssen schießen. So fühlt sich Darts am Ende immer an. Ich war 1000 Mal unter Druck. Für mich ist das normal, mich berührt das nicht mehr. Ich merke, die Zuschauer schreien, aber ich nehme keine Notiz von ihnen. Wenn du sie hörst, hast du verloren.

          Im Training lassen Sie manchmal den Fernseher laufen, um die Fans zu simulieren. Ihr schärfster Konkurrent Raymond Van Barneveld trägt im Turnier im Notfall lieber Ohrstöpsel.

          Für mich ist das nichts. Das Gegröle der Fans gehört zum Spiel, wie der Gegner auch. Aber du darfst nicht schauen, was der Gegner macht, sonst zack! - auch wieder verloren. Du darfst nur an deine nächsten drei Pfeile denken.

          Hat Ihre Hand schon mal gezittert vor einem Wurf?

          Oh ja, viele, viele Male. In Liverpool ging es mir einmal so vor 10.000 verrückten Fans. Wenn du einmal nervös bist und zitterst, wirst du es nicht mehr los.

          Was machen Sie dann?

          Da kannst du nichts machen.

          Aber keiner ist in engen Spielsituationen so stark wie Sie. Sie müssen eine Lösung haben.

          Nein. Du kannst nur hoffen, dass das Zittern aufhört. Du bist ganz allein auf der Bühne, du kannst dich nicht verstecken, keiner hilft dir! Du kannst nur auf deine Erfahrung setzen, weil du so oft in dieser Situation, so oft unter Druck warst. Und dann machst du einfach deinen Wurf, wie er sein muss - selbst wenn du zitterst.

          Was anderen Topspielern einmal im Leben gelingt, haben Sie schon sechsmal bei live im Fernsehen übertragenen Turnieren geschafft: Mit neun Pfeilen von 501 auf 0 - das perfekte Spiel. Wenn das klappt, was fühlen Sie?

          Kommt darauf an, ob der Neundarter extra bezahlt wird. Nein im Ernst: Das bedeutet mir jedes Mal viel. Ich will Rekorde erzielen, solche, die keiner jemals schlägt. Ich möchte später als alter Mann mit verschränkten Armen vor dem Fernseher sitzen, Darts schauen und sagen: „Hehe, keiner kann ,The Power' schlagen!“

          Weitere Themen

          Das surreale Leben

          Realityfernsehen : Das surreale Leben

          Was wollen Menschen im Reality-TV? Warum schaut man ihnen zu? Und was erfährt man, wenn man zwei Protagonisten dieses Fernsehens in der Wirklichkeit zusieht? Begegnungen mit Rafi Rachek und Oliver Sanne.

          Topmeldungen

          Sprengung der Kühltürme des 2019 stillgelegten Kernkraftwerks Philippsburg in Baden-Württemberg. Das Foto entstand am 14. Mai 2020.

          Kernkraft im Wahlkampf : Das verbotene Thema

          Laschet erwischt die Grünen auf dem falschen Fuß – ausgerechnet mit dem Atomausstieg. Die „falsche Reihenfolge“ stellt deren Gründungsmythos in Frage.
          Stempeln muss sein auf dem Amt.

          Die Karrierefrage : Wie gelingt Beamten der Ausstieg?

          Wer den Staatsdienst hinter sich lässt, verliert oft üppige Pensionsansprüche und gilt unter früheren Kollegen fast schon als Verräter. Warum einige den Abschied dennoch wagen – und wie er funktioniert.
          Medizinisches Personal bei der Vorbereitung von Corona-Impfungen am 8. Januar in Neapel

          Nichts ohne die 3-G-Regel : Das italienische Impfwunder

          Kein Land in Europa hat die 3-G-Regel so strikt angewandt wie die Regierung von Ministerpräsident Draghi in Rom. Das Ergebnis: Italien hat eine Impfquote, von der Deutschland nur träumen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.