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Phil Taylor : Der Herr der Pfeile

Phil Taylor: Spezialbegabung, Pfeile präzise zu befördern Bild: AFP

Er begann als Bodybuilder, doch seine Frau schickte ihn lieber in die Kneipe. Dort warf er Pfeile. Von Aussehen und Lebensstil strahlt der Mann eine perfekte Mittelmäßigkeit aus. Doch im Nervenkrieg an der Scheibe ist er ein Genie.

          Man sieht ihm das heute nicht mehr an, aber bis zum Alter von 26 war Phil Taylor Bodybuilder. Zum Glück hat er eine Frau mit Weitblick. Sie sagte ihm, er solle lieber in die Kneipe gehen. Zum Darts-Spielen, dabei käme man nämlich unter Leute. Die Empfehlung hat Taylor seitdem allein an Preisgeld über 2,5 Millionen Pfund eingebracht – ein Vermögen, gemacht aus der Fähigkeit, drei Pfeile in grölender Gesellschaft und rauchiger Luft präzise in winzige Kreissegmente zu befördern.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Am Sonntag hat der beste Spieler der Darts-Geschichte seinen Kontostand um 125.000 Pfund erhöht, als er den Niederländer Raymond van Barneveld vor 2500 feiernden Fans im vollbesetzten Alexandra Palace in London im Finale der PDC-Weltmeisterschaft in 7:1 Sätzen besiegte.

          Drei-Pfeile-Durchschnitt von 110,94 Punkten

          Es war für den 48-jährigen, sympathisch rundlichen Leistungssportler der 14. WM-Titel. Und zugleich ein ganz besonderer. Denn nie hatte die Karriere einen Knick erlebt – bis ihn 2007 van Barneveld in einem legendären, dreistündigen Finale im „Sudden Death“ besiegte. Im Jahr darauf schied Taylor im Viertelfinale aus, das einzige Mal bei 18 WM-Teilnahmen, dass er nicht das Finale erreichte, und schon klangen die Berichte wie Nachrufe auf eine einmalige Karriere.

          Der Bodybuilder, der lieber in die Kneipe ging: Phil Taylor

          „Ich will meinen Titel zurück“, erklärte Taylor, trainierte verbissen seine Fitness, schwamm, um abzunehmen, besuchte einen Sportpsychologen, hörte CDs mit Zuschauergeräuschen. „Aber das brachte mir nichts“, fand er heraus. „Entweder du hast es in dir oder nicht.“ 2008 hatte er es wieder in sich, er gewann 19 von 26 Turnieren. Nun hat er mit einem Drei-Pfeile-Durchschnitt von 110,94 Punkten, Rekord für ein WM-Finale, selbst den Gegner schwärmen lassen: „Ich habe gegen einen Computer gespielt.“

          „Power“ und „Glory“ und eine Spezialbegabung

          Von Aussehen und Lebensstil strahlt der Mann, der unterarmfüllend die Tätowierungen „Power“ und „Glory“ trägt, eine perfekte Mittelmäßigkeit aus. Doch im Nervenkrieg an der Scheibe ist er ein Genie. „Es geht darum, die Körpersprache zu lesen. Ich sehe es, wenn ein Fußballer gleich den Elfmeter verschießen wird. Im Darts wartest du auf solch einen Durchhänger, und dann schlägst du hart zu.“

          Diese Spezialbegabung hat ihm auf der Insel Zutritt zur angenehmen Welt der Prominenz verschafft. Taylor erfreut sich der Bekanntschaft vieler Darts-begeisterter Profifußballspieler, des Snooker-Stars Ronnie O’Sullivan und auch der von Robbie Williams, der wie er aus Stoke-on-Trent stammt. Der Popstar schenkte ihm seinen „Brit Award“, die Auszeichnung für den „besten Song des Jahres“.

          „Schaff dir vier Kinder an, das klärt den Geist“

          Die Verlockungen der Prominenz haben auch dunkle Seiten, sie sind der einzige Schatten auf Taylors Image. Nach einem Show-Match 1999 in Schottland nahm er zwei betrunkene junge Frauen mit in sein Luxuswohnmobil. Sie zeigten ihn wegen sexueller Belästigung an. Taylor, dem eine Haftstrafe drohte, kam nach den „beiden schlimmsten Jahren meines Lebens“ mit einer Geldbuße von 2000 Pfund davon. Er verlor Sponsorenverträge und wurde aus der Liste derjenigen verdienten Untertanen gestrichen, die am Neujahrstag 2001 als „Member of the British Empire“, als Mitglied des 1917 von Georg V. gestifteten Ritterordens, ausgezeichnet werden sollten.

          Heute präsentiert er sich als vorbildlicher Familienvater, der als Geheimnis seiner Nervenstärke gern nennt: „Schaff dir vier Kinder an, das klärt den Geist.“ Was er auch tut, er hat nach eigenem Bekunden einen leicht zwanghaften Hang zur Perfektion. Selbst bei Ablenkungen wie Schwimmen oder Poker überkommt ihn der Ehrgeiz, „sich Bücher zu besorgen und es richtig zu lernen“. Deshalb verzichtet er auf Golf, um „nicht davon besessen zu werden“. So besessen wie vom Darts. Einem Reporter gestand Taylor, dass das auch im Schlaf nicht nachlässt: „Dann wache ich auf, weil mein Arm zuckt und Pfeile wirft.“ Seine Gegner schlägt er auch im Schlaf.

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