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Phil Taylor : Der entzauberte Herr der Pfeile

Die entscheidenden Würfe gelangen Phil Taylor bei dieser WM nicht Bild: dpa

Phil Taylor, der große Star der Dart-Szene, scheitert bei der WM so früh wie noch nie. Er verpatzt die Standardübungen und besiegt sich dadurch selbst.

          3 Min.

          Auf einmal zeigte Phil Taylor die gleichen Reaktionen wie Jedermann. Wie jemand also, der sich vor eine Dartscheibe stellt und sich daran versucht, auf ein nur acht Millimeter hohes und lediglich fünf Zentimeter breites Feld zu zielen. Der Rekord-Weltmeister, seit zwei Jahrzehnten Herrscher in der Welt der Pfeilewerfer, schüttelte den Kopf, zuckte ratlos mit den Schultern und biss auf die Flights seiner Darts.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch die „Flügel“ am Ende seiner 26 Gramm schweren Pfeile waren nicht schuld, dass Taylor am Dienstagabend im Spiel gegen Dave Chisnall in Runde zwei und somit so früh wie noch nie bei einem Weltmeisterschaftsturnier seine Sportgeräte wieder einpacken musste. Denn die meisten Darts des Engländers flogen annähernd so präzise in die anvisierten Ziele auf der 2,37 Meter entfernten Scheibe mit den insgesamt 82 unterschiedlichen Wertungsfeldern, wie es der 15-malige Weltmeister seit seinem ersten Titelgewinn im Jahr 1990 in unfassbarer Regelmäßigkeit vorgeführt hatte.

          Nur einer von vier Sätzen

          Doch die entscheidenden Würfe gelangen ihm nicht. Immer wieder scheiterte Taylor an der Aufgabe, ein sogenanntes Leg zu beenden - also als erster jeweils ein Spiel von 501 abwärts bis zur Null zu gewinnen, wofür die Spieler bei einem Höchstwert von 60 pro Wurf mindestens neun Versuche brauchen. Drei solcher Spiele muss ein Dartprofi für einen Satzgewinn für sich entscheiden, vier Sätze hätte Taylor für das Erreichen der dritten Runde gewinnen müssen, er setzte sich aber nur in einem durch.

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          Zum „Auschecken“, wie die - übrigens fast durch die Bank dem Klischee des Kneipensports entsprechend deutlich übergewichtigen - Dartspieler das Beenden eines Spiels nennen, muss der Siegkandidat jeweils punktgenau ein Doppelfeld treffen. Doch diese Würfe ins Glück, eigentlich eine Standardübung für jeden Weltklassespieler, gerieten erstaunlich weit daneben. Am Ende hatte Taylor nur ein Drittel dieser Schluss-Darts getroffen, während Außenseiter Chisnall mit einer Trefferquote von 45 Prozent trotz eines insgesamt etwas geringeren Punkteschnitts den entscheidenden Vorteil auf seiner Seite hatte.

          Den Widersacher ausblenden

          „Ich habe lange gewartet, um erstmals gegen Phil spielen zu können“, sagte Chisnall. „Ich bin das Spiel aber wie jedes andere angegangen und dachte mir, dass ich gegen die Dartscheibe spiele und nicht gegen einen Gegner.“ Die Strategie, den legendären Widersacher auszublenden, war offenkundig der richtige Weg zum bemerkenswertesten Erfolg in der Karriere des von der Insel St. Helens stammenden 31 Jahre alten Dartprofis.

          Er traut sich nun den Titelgewinn bei der am 2. Januar endenden Weltmeisterschaft des Verbandes PDC zu, nachdem er im vergangenen Januar bei der WM des kleineren Konkurrenzverbands BDO im Endspiel gescheitert war. In der Runde der letzten 16 muss er am Donnerstag zunächst Andy Hamilton bezwingen, der wie Taylor und der aktuelle Weltmeister Adrian Lewis aus dem Dart-Mekka Stoke stammt.

          Taylor kündigt Comeback an

          Taylor, der bei dem traditionell zum Jahreswechsel im Londoner Alexandra Palace ausgetragenen Turnier wie immer von den 2500 Zuschauern mit dem auf ihn umgedichteten Weihnachtslied des „Phil Taylor Wonderland“ gefeiert wurde, hat wiederum nur eine Viertelstunde nach der wohl schwersten Niederlage seiner unvergleichlichen Laufbahn seinen Gegnern ein Comeback angekündigt.

          „Ich werde zwar auch nicht jünger, und die Augen werden schlechter“, sagte der 51 Jahre alte Mann aus Stoke, der vor dem WM-Debakel nur 15 Niederlagen in mehr als 150 Duellen des laufenden Jahres hinnehmen musste. „Aber ich werde noch härter arbeiten, um zurückzuschlagen.“ Damit beendete „The Power“, wie Taylor ehrfurchtsvoll mit Spitznamen genannt wird, auch erste Spekulationen, ob die Niederlage gegen Chisnall womöglich den „Power-Cut“ eingeleitet haben könnte.

          Deutsche Spieler im Hintergrund

          Stattdessen wird er sich kaum mit zwei bitteren Rückschlägen - im Vorjahr war er im Viertelfinale ausgeschieden -- von der WM-Szene verabschieden wollen. Dieses Turnier ist schließlich eng verbunden mit seinem Hauptdarsteller, der erst zum vierten Mal in zwei Jahrzehnten das Endspiel verpasst hat. Taylor gehörte als damaliger Weltmeister des Konkurrenzverbands BDO zu den Abtrünnigen, die einen neuen Verband gründeten. Die PDC verhalf dem damals kriselnden Sport tatsächlich zu den so wichtigen, guten Einschaltquoten im Fernsehen. Taylor wiederum profitierte als Bestverdiener der Szene von den neuen Geldquellen, die ihn in England zu einem Millionär gemacht haben - bei der landesweiten Sportlerwahl der BBC 2010 wurde er gar Zweiter.

          Deutsche Spieler haben sich bislang noch nicht allzu sehr hervor getan im Dart. Wie schon so oft in der Vergangenheit scheiterten Jyhan Artut und Kevin Münch schon in den ersten Runden an ihren Nerven. Artut vergab in seinem Erstrunden-Match gegen den Vorjahresfinalisten Gary Anderson gleich vier Matchdarts. Doch solche Schwächen sind seit Dienstagabend nicht mehr allein das Problem der international wenig erfahrenen deutschen Spieler. Plötzlich spürt auch der fast unbezwingbare Taylor wieder die Sorgen des normalen Sportlers vor der Scheibe.

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