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PGA Championship : Dufner, der König der Langeweile

  • -Aktualisiert am

Der passt gut ins Familienalbum: Jason Dufner (rechts) mit seiner Frau Amanda Bild: AFP

Jason Dufner hat das „Dufnering“ erfunden - Golf spielen kann er auch. Das beweist er beim letzten Major das Jahres. Mit einer 68er-Runde fängt er Jim Furyk ab und gewinnt die PGA Championship.

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          Jason Dufner spielt hervorragend Golf, keine Frage. Doch seine Popularität und seine mittlerweile mehr als 200.000 „Follower“ auf der Kurznachrichten-Plattform Twitter hat er nicht nur seinen Erfolgen zu verdanken, auch wenn sich seine berufliche Bilanz sehen lassen kann. Am Sonntagabend (Ortszeit) gewann er die PGA Championship, das letzte Major das Jahres in Rochester im Bundesstaat New York.

          Der 36-jährige Profi aus Cleveland (Ohio), der seit seiner Studienzeit in Auburn in Alabama lebt, hatte zwei Turniere auf der PGA Tour gewonnen, verlor vor zwei Jahren aber im Stechen der PGA Championship gegen seinen amerikanischen Landsmann Keegan Bradley und belegte bei den letzten beiden US Open jeweils den vierten Platz.

          Seit der Mann mit dem Markenzeichen Wuschelkopf als Titelverteidiger der Byron Nelson Championship ein Jugendzentrum in Irving (Texas) besuchte und Kindern unter anderem die Frage beantwortete, ob er einen Kamm besitze (“Ich habe einen, weiß aber nicht, wo er ist“) wurde Dufner nicht nur zu einem Internet-Phänomen.

          Er bereicherte auch noch die amerikanische, insbesondere die Golfsprache um ein neues Wort. Dufner wurde bei diesem PR-Termin fotografiert. Er saß inmitten der Kinder auf dem Boden, den Rücken an die Wand gelehnt, die Beine weit von sich gestreckt und schaute mit stierem Blick gelangweilt in die Gegend - eine Pose, für die schnell das Wort „Dufnering“ geprägt wurde.

          Viele Berufskollegen ahmten das „Dufnering“ nach und stellten die Bilder ins Netz. Bei der British Open vor drei Wochen gab Dufner nach einer gemeinsamen Übungsrunde mit Tiger Woods auch dessen neuer Lebensgefährtin Lindsey Vonn Nachhilfeunterricht in dieser von ihm geprägten Langweilshaltung - und natürlich findet sich auch dieses Bild im Internet.

          Dufner erläuterte seine scheinbare Teilnahmslosigkeit auf Twitter ebenso gelassen, wie er nun schon seit Monaten die Frotzeleien der Kollegen und unzähliger Golffans, die ihre Version des „Dufnering“ in den Social-Media-Plattformen veröffentlichen, erträgt. „Ich war müde, mein Rücken tat vom Sitzen auf dem Boden weh, und wir haben über Entspannung und Konzentration gesprochen.“

          Dufner flirtet mit einem Platz in der Historie

          Am Freitag bot Dufner bei der PGA Championship Anschauungsunterricht, dass man auch, wenn man äußerlich so tiefenentspannt, ja fast gelangweilt und ohne jegliche Gefühlsregung seinem Tagewerk nachgeht, hochkonzentriert sein kann.

          Dufner flirtete an diesem Tag, an dem der East Course des Oak Hill Country Clubs durch Regen aufgeweicht war, mit einem Platz in der Golf-Historie. Exakt 3,60 Meter standen bei der 95. PGA Championship zwischen ihm und dem Major-Rekord von 62 Schlägen. Nach zwei brillanten Schlägen musste er nur noch einen machbaren Putt am 18. Loch, bergauf und ohne jeden Break, ins Loch bugsieren.

          Mit einer hervorragenden Schlussrunde setzt sich Dufner doch noch durch

          Dufner gab dem Ball nicht genügend Fahrt mit, der Ball blieb auf der Linie 40 Zentimeter vor dem Loch liegen. „Es war der schlechteste Putt der Runde. Ich wünsche, ich könnte ihn noch mal machen. Aber am Ende war der Druck unheimlich groß, fast wie in der Schlussrunde, wenn man um den Sieg spielt. Es war für mich eine ungewohnte Situation. Ich war noch nie irgendwo der Erste, der etwas erreichte“, sagte Dufner mit der gewohnten Nonchalance.

          Aber auch wenn es ihm nicht vergönnt war, als Erster in der 153 Jahre langen Geschichte der Majors eine Runde mit 62 Schlägen abzuschließen, wurde Dufner in einen exklusiven Kreis aufgenommen. Mit 63 Schlägen unterbot er nicht nur den Platzrekord von 64 Schlägen, er ist jetzt erst der 25. Golfer, der bei einem der vier wichtigsten Turniere mit 63 Schlägen auskam.

          „Ich werde noch weitere Chancen bekommen“

          Dufner (68+63 Schläge) hatte damit bei Halbzeit die alleinige Führung übernommen. Er kennt die Situation, als Spitzenreiter auf die letzten 36 Löcher eines Majors zu gehen. Vor zwei Jahren führte er das Feld bei Halbzeit des Masters an. Er fiel noch auf den 24. Platz zurück. Als er vor den Sieg verspielte, grämte er sich nicht groß: „Ich werde noch weitere Chancen bekommen, ein Major zu gewinnen.“

          Diese Chance kam am Sonntag - und er nutzte sie. „Mein Name steht jetzt auf diesem Pokal“, sagte Dufner und zeigte bei der Pressekonferenz voller Stolz auf die riesige silberne Trophäe mit den großen Henkeln: „Das kann mir keiner mehr nehmen.“ Die Favoriten hatten in Rochester schon vor der Schlussrunde nichts mehr mit dem Sieg zu tun: Nicht Tiger Woods, der nur auf dem geteilten 40. Platz landete, nicht 2010-Gewinner Martin Kaymer, der sich auf der geteilten 33. Position wiederfand und auch nicht Vorjahressieger Rory McIlroy, der als Achter immerhin noch unter die Top-Ten kam.

          Vor zwei Jahren hatte Dufner im Stechen gegen seinen amerikanischen Landsmann Bradley verloren. Diesmal behielt er die Nerven und fing im letzten Durchgang den bis dahin führenden Jim Furyk noch ab. Der 36 Jahre alte Dufner überholte dank einer 68er-Runde im Finaldurchgang den US-Open-Gewinner von 2003. Am Ende kam der Ryder-Cup-Spieler auf insgesamt 270 Schläge, für Furyk schlugen nach einer 71 zum Abschluss 272 Versuche zu Buche.

          Dritter wurde der Schwede Henrik Stenson (273). Für den Sieg beim vierten Major des Jahres kassierte Dufner 1,45 Millionen US-Dollar. „Es war ein harter und langer Tag“, sagte Dufner, dessen wuscheliges Haar unter dem weißen Base-Cap dem 36-Jährigen immer noch ein bisschen jugendliches Flair verlieh. „Ich kann kaum glauben, dass ich das erleben darf.“ Nun darf er sich erstmal beruhigt zurücklehnen.

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