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Pferdesport : Springende Geldschränke

Die Kundschaft ist lieb und teuer: Athina Onassis mit Ad Uceline
          6 Min.

          Welch ein Moment des Schreckens! Deutsche Meisterschaft der Springreiter, erste Wertungsprüfung um den Titel, Ludger Beerbaum kommt aus der dreifachen Kombination und sprengt mit seinem Schimmelhengst Coupe de Coeur auf einen riesigen Oxer zu. Schon halten einige Zuschauer die Luft an: Absprung aus unpassender Distanz. Das kann nicht gutgehen. Und wirklich: Der Schimmel springt krachend in den Oxer hinein, knickt ein und stürzt. Kurz darauf stehen Pferd und Reiter wieder. Aber Coupe de Coeur lahmt.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Was mögen die Umstehenden gedacht haben in jenem Moment? Das Pferdemädchen vielleicht: Das arme süße Pferd! Der Funktionär: Hoffentlich kann er bald wieder im Sport gehen, wir brauchen ihn für die Europameisterschaft. Der Spekulant: Hoffentlich ist der Schimmel versichert. Der Pferdehändler: Herrje, womöglich sind anderthalb Millionen Euro futsch - und das in einer Sekunde.

          Öffentlich in Verruf geraten

          Es gab also viele Gründe für die Besitzerin Madeleine Winter-Schulze, draußen auf dem Abreiteplatz in Tränen auszubrechen. Überhaupt macht die wohlhabende Erbin aus Mellendorf, einst selbst Turnier-Reiterin, schlimme Zeiten durch. Ihr gehören nicht nur viele Pferde im Stall Beerbaum, sondern auch die Dressurcracks von Isabell Werth. Das sind Millionenwerte. Ihre beiden Protegés haben zusammen neun olympische Goldmedaillen gewonnen. Und nun sind beide öffentlich in Verruf geraten.

          Beerbaum wird für - vergleichsweise harmlose - Äußerungen zum Thema Medikation harsch kritisiert. Werth steht seit dieser Woche als harte Doperin da. Sie verlor durch die Gabe von Psychopharmaka an ihr Pferd Whisper schlagartig ihr Renommee. Madeleine Winter-Schulze aber steht eisern zu ihren beiden Reitern. Und das ist wichtig. Leute wie sie, die bereit sind, siebenstellige Summen für verletzliche, vom Schicksal und von Erkrankungen bedrohte Lebewesen zu bezahlen, halten den Sport am Leben und das Geschäft am Laufen.

          Gesamtumsatz liegt bei weit über fünf Milliarden Euro

          Man kann die Reiterei aus vielen Blickwinkeln ansehen. Sie ist romantisch, politisch, athletisch oder olympisch. Und sie repräsentiert eine ganze Industrie mit einem lebhaften Geldkreislauf, dessen Herz die Turniere sind. Nach Angaben des Verbandes in Warendorf leben in Deutschland mehr als 300.000 Menschen von Pferden und dem Pferdesport. Dazu gehören Züchter, Halter, Pfleger, Reitlehrer, Zubehör- und Futtermittel-Händler, Turnierveranstalter und viele mehr.

          Der Gesamtumsatz des deutschen Pferdewesens liegt bei vorsichtiger Schätzung und von der Basis bis zur Spitze bei weit über fünf Milliarden Euro im Jahr. Der Profisport ist da nur ein kleiner, aber dafür sehr entscheidender Teil. Hier wird die Stimmung gemacht. Die aktuellen Probleme des Spitzensports mit Doping und Medikation gefährden die ganze Branche. Gerade mit Blick auf die Basis versucht die Deutsche Reiterliche Vereinigung deswegen eine gewaltige geistig-moralische Kehrtwendung. Sie sucht mit aller Kraft nach dem Rückweg zum gesellschaftlichen Respekt.

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