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Deutsche Traditionssportart : Was ist los mit den Springreitern?

Reiche Ausländer zahlen das Dreifache: Bundestrainer Otto Becker über das Problem für Talente, gute Pferde zu halten. Bild: TOFFI-IMAGES

Eine pulverisierte Olympiamannschaft, kein Deutscher mehr in den Top Ten: Bundestrainer Otto Becker kämpft um die Zukunft eines deutschen Traditionssports.

          7 Min.

          Im vergangenen Herbst passierte etwas schier Undenkbares. Es erschien eine Weltrangliste ohne einen Vertreter aus Hans-Günter-Winkler-Land unter den Top Ten. Und das blieb so, bis heute. In der jüngsten Rangliste hat sich zumindest Marcus Ehning, Mannschafts-Olympiasieger von Sydney 2000 und dreimaliger Weltcupsieger, wieder bis auf Platz zwölf herangearbeitet. Und zusammen mit Daniel Deußer, Weltcup-Sieger von 2014, bestreitet er gerade das Weltcup-Finale in Paris. Aber das war es auch schon für die Traditions-Nation. Für hiesige Verhältnisse eine Minimal-Besetzung. Sogar Christian Ahlmann, ohne den lange Zeit ein Weltcup-Finale undenkbar war, fehlt. Er musste absagen, weil ihm nach der Verletzung des eigentlich eingeplanten Epleaser kein geeignetes Pferd zur Verfügung steht. Wie konnte es so weit kommen? Ist eine der erfolgreichsten und traditionellsten olympischen Disziplinen dieses Landes auf dem Sprung nach unten? Die weltweite rasante Beschleunigung hat auch den Pferdesport erreicht und dramatisch verändert, und es wird Zeit, dass sich die alten Meister der Entwicklung anschließen, sonst bleiben sie womöglich als Verlierer zurück.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Bundestrainer Otto Becker bezeichnet sich selbst als nüchtern und rational. Er hat die Aufgabe, der Entwicklung zumindest im sportlichen Bereich entgegenzuwirken. Er kümmert sich um junge Reiter, die er in diesem Jahr einen nach dem anderen bei Nationenpreisen einsetzen wird. Das Beste, was das Land zu bieten hat, soll sich herauskristallisieren von jetzt bis zu den Weltmeisterschaften im September in Tryon in den Vereinigten Staaten. Zeit zu experimentieren hatte er im vergangenen Jahr, in Tryon geht es bereits um die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Sechster müsste die deutsche Equipe dazu mindestens werden. „Das ist aber unser Minimalziel“, sagt er. „Ziel ist nach wie vor eine Medaille. Dafür sind wir nach wie vor gut genug.“ Dazu müsse er ein Puzzle zusammensetzen, sagt er und nennt viele Namen. Unter anderen Laura Klaphake. Maurice Tebbel. Simone Blum. Mario Stevens. Die Jungen im Geschäft. Philipp Weishaupt, Janne-Friederike Meyer und den altgedienten Holger Hetzel, die sich schon behauptet haben. Und vielleicht schafft es ja einer seiner bisherigen Stars doch noch, wieder an ein starkes Pferd zu kommen. „Es ist interessanter als zuvor“, sagt er. „Aber trotzdem gewinnen wir ja auch gerne.“

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