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EM der Springreiter : Silberne Wiedergutmachung

  • -Aktualisiert am

Bestes deutsches Duo: André Thieme auf DSP Chakaria Bild: dpa

Die deutschen Springreiter korrigieren bei der Heim-EM das schwache Bild von Tokio. Das mit drei EM-Neulingen und einem Routinier angetretene Quartett freut sich über Edelmetall.

          3 Min.

          Eine goldene Wiedergutmachung ist es zwar nicht geworden. Aber mit dem zweiten Platz bei den Heim-Europameisterschaften in Riesenbeck hat die deutsche Springreiter-Equipe bewiesen, dass die Schlappe bei den Olympischen Spielen in Tokio nicht ihr wahres Niveau war.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Das Experimental-Quartett von Bundestrainer Otto Becker, mit drei Europameisterschafts-Neulingen auf exzeptionellen Pferden und einem Routinier auf einem vierbeinigen Anfänger, hinterließ am Freitag nicht nur mit seiner Mannschaftsleistung – ein Springfehler weniger, und es wäre Gold gewesen – einen starken Eindruck, sondern auch mit seinem Mannschaftsgeist. „Jeder hat seinen Beitrag geleistet“, sagte Christian Kukuk, mit 31 Jahren der Jüngste im Team. „Das ist definitiv eine Rehabilitation für Tokio.“  

          Jedes der vier Paare hatte in den drei Wettkampftagen mindestens eine perfekte Runde geliefert. Und Null-Fehler-Ritte sind die Währung in Nationenpreisen, sie entfalten eine ähnlich entscheidende Wirkung wie die Asse auf der Hand eines Skatspielers. Noch mehr davon lieferten die Schweizer, in Tokio ebenfalls leer ausgegangen, die in Riesenbeck Europameister wurden. Die Titelverteidiger aus Belgien wurden trotz eines starken Endspurts Dritte.  

          André Thieme in guter Position

          In der Einzelwertung, die am Sonntag in zwei schweren Runden entschieden wird, liegt nun bereits der dritte Deutsche in aussichtsreicher Position. Diesmal ist es der 46 Jahre alte Senior André Thieme aus Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern mit seiner Stute Chakaria, der vom zweiten Platz aus ins Finale starten wird, nur ganz knapp hinter dem Führenden, dem Schweizer Titelverteidiger Martin Fuchs mit dem erst neunjährigen Wallach Leone Jei.

          Fuchs, dessen EM-Pferd von 2017, der Hengst Clooney, sich vor kurzem bei einem Weideunfall schwer verletzt hat, erleichterte auf seinen Runden in Riesenbeck auch ein bisschen sein schweres Herz. Thieme hingegen, der in zwei Umläufen fehlerfrei geblieben war, lachte fröhlich. Noch einmal blendete er in einer langen Rede auf seine Schwierigkeiten in Tokio zurück, wo er das Einzelfinale verpasste und die Mannschaft in der Endrunde glücklos ausschied. „Für uns beide war es dort ein Zacken zu viel. Da kommst du an den Punkt, an dem du denkst: Warum habe ich das auf mich geladen? Wenn der Druck kommt, denkt man, soviel Spaß macht‘s nicht mehr. Also bin ich hierher gekommen und wollte beweisen, dass mein Pferd zu Recht in Tokio war. Wenn man es dann so zurückbekommt, das ist sehr befriedigend.“

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          Nun hatte er allen Grund, zusammen mit der Altherren-Fußballmannschaft aus Lübz zu feiern, die ihn auf der Tribüne in Riesenbeck angefeuert hatte. Ähnliches hatte er auch schon zur Vorbereitung getan: „Ich habe den Bundestrainer gefragt, ob ich mit den Jungs ein Bier trinken kann. Er hat geantwortet, wenn du danach wieder eine Nullrunde machst, kannst du sogar zwei Bier trinken. Es wurden dann drei.“ So sind die Reitersleute eben.  

          Marcus Ehning aus Borken, ein extrem erfahrener Nationenpreis-Reiter, der am Vortag noch eine kleine Krise an der Triple-Barre hatte meistern müssen, rettete am Freitag das Renommee seines zehnjährigen Hengstes Stargold, und das nicht nur, weil dieser während der Ritte immer wieder spektakulär auskeilt. Endlich entwickelte das Pferd die nötige Sicherheit und Entspanntheit auf dem Rasenplatz. Ehning hatte am Abend vorher Platten von den Hufeisen entfernt, die das Pferd offenbar gestört hatten. „Heute hat er es mir leicht gemacht“, sagte Ehning. „Er war wieder so, wie ich ihn kenne.“ Es folgte Christian Kukuk, der in Riesenbeck ein Heimspiel hat. Er ist beim Stall von Gastgeber Ludger Beerbaum angestellt.

          Sein Pferd, der Schimmelhengst Mumbai, steht im Besitz von Beerbaums Firma, die seit Januar Teil einer Unternehmensgruppe ist, die wiederum dem milliardenschweren niederländischen Private-Equity-Investor Waterland gehört und auf Rendite durch Pferdeverkäufe aus ist. Mumbais Tage im schönen Tecklenburger Land könnten also gezählt sein. Je besser der Eindruck, desto höher der potentielle Verkaufspreis.

          Am Freitag gab der Hengst sich alle Mühe, einen Lapsus des Reiters wieder auszugleichen, aber vergeblich. „Ich bin etwas zu dicht und mit zu wenig Schwung in die Dreifache gekommen“, sagte Kukuk. „Dadurch habe ich es Mumbai ein bisschen schwer gemacht. Der Fehler geht auf meine Kappe. Er hat alles gegeben.“ Eine Null-Fehler-Runde des 33 Jahre alten David Will aus Dagobertshausen bei Marburg mit dem Wallach C Vier hätte die Partie offen gehalten. Doch das war viel verlangt von einem EM-Neuling, der mit der Verantwortung als Schlussreiter gleich ins eiskalte Wasser geworfen wurde.

          Diese Rolle spielten in anderen Nationen so abgebrühte Leute wie der Schwede Peder Fredricson, der allerdings seiner Mannschaft mit seiner Null-Fehler-Runde keine Medaille mehr retten konnte. Will vertat sich vor der zweifachen Kombination kurz vor Schluss in der Distanz, eine Stange fiel, das war‘s mit dem Titel. „Das vorherrschende Gefühl ist, dass ich das Gold aus der Hand gegeben habe. Aber so langsam sickert‘s durch, dass wir Silber gewonnen haben“, sagte er. C Vier bekomme jetzt 17 Kilo Leckerli. „Und ich kriege geschimpft.“

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