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Pferderennen : Überlebenskampf der Galopper

  • -Aktualisiert am

Bankenstadt Frankfurt: Aber die Galopper im Abseits Bild: dpa/dpaweb

Die Mängelliste des deutschen Pferderennsports ist lang, die Gründe für die Misere altbekannt und teilweise hausgemacht. Gesucht werden neue Marketingstrategien und eine bessere Selbstdarstellung.

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          Insolvenz in Leipzig, Insolvenz in Hannover, Frankfurt kaum noch zahlungsfähig, ein Überleben der Pferderennen in Krefeld nur über Gründung eines neuen Vereins, in Gelsenkirchen sind die Stalltüren schon lange zu, personelle Wechsel im Schnelldurchlauf in fast allen dem Direktorium für Vollblutzucht und Rennen angeschlossenen Vereinigungen, Streit mit den Buchmachern, Sponsoren auf der Flucht, weniger Renntage und weniger Rennen mit immer weniger Pferden und damit verbunden ein verheerender Rückgang auf dem Wettmarkt - diese Aufzählung kann die Dimension der Misere, in der sich der deutsche Galopprennsport befindet, sogar nur unzulänglich ausdrücken. Selbst einst große Bahnen müssen ihre namhaften Rennen an andere Veranstalter "verkaufen" und retten sich nur noch mit einem provinziellen und kaum attraktiv zu nennenden Angebot durch die Saison.

          Ein klein wenig Optimismus herrscht alleine in Baden-Baden beim Internationalen Club, der nach Frühjahrs- und Herbstmeeting mit der Premiere eines dritten Meetings im Oktober geschäftlich einen Erfolg zu verzeichnen hatte. Auch in Hoppegarten, auf der einstigen Paradebahn des deutschen Galopprennsports im Osten der Republik, wurde die allerdings an Renntagen ausgedünnte Saison mit einem positiven Trend abgeschlossen.

          Das Produkt verkaufen

          Der Hamburger Renn-Club, Veranstalter des wichtigsten und bedeutendsten Galopprennens, des Deutschen Derbys, hat jetzt angekündigt, angesichts von aktuell 2,2 Millionen Euro Verbindlichkeiten die Rennpreise im kommenden Jahr um zwanzig Prozent kürzen zu müssen. Diese Reduzierung entspricht exakt dem Umsatz-Rückgang am Totalisator, die Unterstützung der Sponsoren ist ebenfalls um diese Prozentzahl geringer geworden. "Wie soll man denn dann noch das Produkt verkaufen?", fragt fast verzweifelt der kommissarische Präsident des Hamburger Renn-Clubs, Eugen-Andreas Wahler. Der größte Sponsor der Hamburger, die Bayrischen Motoren Werke (BMW), hatte nach den unschönen Querelen in der Hamburger Vorstandschaft mit einschneidenden personellen Veränderungen kurzfristig erwogen, sein Engagement komplett aufzukündigen. "BMW hatte die rechtliche Möglichkeit dazu", sagt Wahler selbstkritisch. Nur wenige sind so zuversichtlich wie der Hamburger Vizepräsident Albert Darboven: "Es gibt nur eines - den Vorwärtsgang." Doch gerade beim Versuch, vorwärts gehen zu wollen, kommen zu viele ins Stolpern. Wenn sie sich überhaupt noch auf den Beinen halten können.

          Das Wettaufkommen hat sich auf allen Rennbahnen im Vergleich zum schon nicht berauschenden Vorjahr um ein Fünftel zurückentwickelt. Viele haben sich an Erklärungen versucht und sind beim Nachbohren immer auf dieselben Gründe gestoßen. Ein Grund ist sicherlich die Weigerung der zwei deutschen Buchmacherverbände, Wetten in die Totalisatoren der Rennbahnen weiterzuleiten. Ihrer Meinung nach sind nämlich die Gebühren für die TV-Übertragung der aktuellen Bilder von den Rennen in ihre Läden zu hoch. Inzwischen liegt den Verbänden und dem Direktorium ein neuer Vertragsentwurf vor, ratifiziert ist er wie manch anderer vor ihm noch längst nicht. Erschüttert hat die Branche sicherlich der graue Wettmarkt, der sich schleichend, aber beharrlich eine führende Marktposition erobert hat. Solange finanzpolitisch nicht geklärt ist, wie legal oder illegal manch ein Wettangebot ist, so lange versickert - auch und vor allem im Internet - sehr viel Geld in dunklen Kanälen. Geld, das vor allem den darbenden Rennvereinen verlorengeht. Viel Hoffnung hatte der deutsche Galopprennsport in den Präsidenten des Direktoriums, den ehemaligen Landwirtschaftsminister Jochen Borchert, und seine Kontakte in die Politik investiert. Bislang eher vergeblich. Eine Novellierung des Rennwett- und Lotteriegesetzes ist nicht in Sicht. Ein Grundsatzurteil über die Legalität verschiedener Wettanbieter und Wettvermittler steht noch immer aus.

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