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Pferderennen beim Royal Ascot : Die Queen bleibt im Castle

  • -Aktualisiert am

Die Rennbahn beim Royal Ascot ist bereit, die Zuschauer aber werden fehlen. Bild: AFP

Die britische Königin Elisabeth II. hat in fast sieben Jahrzehnten seit ihrer Krönung 1953 kein Meeting verpasst. Nun darf der berühmteste Royal-Ascot-Fan allerdings nicht kommen zum Glamourrennen.

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          Keine königliche Kutschenprozession, keine extravaganten Hüte und auch kein alkoholgetränktes Singen zum Abschluss des Renntages: Royal Ascot, das an diesem Dienstag beginnt, wird kaum wiederzuerkennen sein. Denn die Corona-Pandemie hat das berühmteste Galopp-Meeting auf sich selbst zurückgeworfen – Pferderennen auf absolutem Topniveau. Das wird in der medialen Betrachtung der glamourösen Veranstaltung nahe Windsor Castle häufig verdrängt.

          Daran trägt auch der berühmteste Royal-Ascot-Fan ungewollt eine Mitschuld: Die britische Königin Elisabeth II. hat in fast sieben Jahrzehnten seit ihrer Krönung 1953 kein Meeting verpasst. Doch nun muss auch die Monarchin zu Hause bleiben, um die Rennen am Bildschirm zu verfolgen, statt wie üblich zu Beginn eines jeden Renntages in der Royal Carriage Procession, die Anfang des 19. Jahrhunderts von King George IV eingeführt wurde, das Geläuf im Vierspänner entlangzufahren.

          2020 sollte nach dem Willen von Ascot-Geschäftsführer Guy Henderson ein „Meilenstein-Jahr“ werden. Das ist nun der Fall, doch anders als gedacht. Eigentlich sollte das Gesamtpreisgeld auf umgerechnet 8,9 Millionen Euro wachsen, und erstmals waren zwei Rennen mit einer Börse von jeweils einer Million Pfund geplant. Stattdessen hat man die Rennpreise mehr als halbiert. Die insgesamt acht Gruppe-I-Prüfungen an den fünf Tagen sind „nur“ noch mit jeweils 278.000 Euro dotiert, und in jedem der 36 Rennen bis einschließlich Samstag gibt es mindestens 39.000 Euro zu verdienen. Wahrlich nicht schlecht, aber doch weit entfernt von der Vor-Corona-Zeit. „Gut 70 Prozent unseres Einkommens kommt aus Eintrittsgeldern und Hospitality“, erklärt Henderson die Sparmaßnahmen.

          Um trotz allem für etwas Glamour zu sorgen, sind alle Ascot-Freunde aufgefordert, zu Hause Hut oder Zylinder aufzusetzen und das Foto in den sozialen Medien zu posten – verbunden mit einer Spende in Höhe von fünf Pfund. „In diesem einzigartigen Jahr gehen unsere Gedanken an die Betroffenen der Covid-19-Krankheit und an das nationale Gesundheitswesen und alle Helfer, die eine so heldenhafte Rolle spielen“, so Henderson. In Deutschland trainierte Pferde werden beim Royal Ascot Meeting vermutlich nicht an den Ablauf kommen, obgleich die führenden europäischen Rennsportnationen ihre Grenzen nun wieder geöffnet haben.

          Queen Elisabeth II. (links) ist Stammgast beim Glamourrennen.
          Queen Elisabeth II. (links) ist Stammgast beim Glamourrennen. : Bild: dpa

          Der deutsche Championtrainer Henk Grewe nutzte dies am Sonntag anderweitig und schickte den „Galopper des Jahres 2019“ nach Rom. Dem dreijährigen Rubaiyat gelang in der italienischen Hauptstadt ein guter zweiter Platz über 1600 Meter in dem mit 154.000 Euro dotierten Gruppe-III-Rennen. Noch besser lief es für Grewe auf der Heimatbahn in Köln-Weidenpesch. Dort bestätigte der von ihm betreute Wonderful Moon mit einem Sieg im Union-Rennen über 2200 Meter seine Favoritenrolle im Deutschen Derby.

          Es war der vierte Erfolg beim sechsten Start für den dreijährigen Hengst im Besitz des Stalls Wasserfreunde aus der Zucht des Gestüts Görlsdorf. Allerdings fühlte ihm der Zweitplazierte Grocer Jack durchaus auf den Zahn. „Wonderful Moon hat alles wieder mit Bravour gemacht, aber es war kein Spaziergang“, so Siegreiter Andrasch Starke. „Ich hoffe, dass er im Derby noch einen Zahn zulegen kann.“ Und Grewe fügte an: „Er hatte einen aufwendigen Rennverlauf, musste außen gehen. Er war heute nicht bei 100 Prozent, aber in Hamburg werden wir ein anderes Pferd sehen.“

          Beste Chancen für das Derby rechnet sich auch der Trainer des Zweitplazierten, Waldemar Hickst, aus: „Wir sind sehr zufrieden. Die 200 Meter längere Distanz im Derby ist noch besser für ihn. Wir gehen zuversichtlich nach Hamburg.“ Der Regen in Köln sorgte für ein aufgeweichtes Geläuf. Kein Problem für Grocer Jack, meinte dessen Reiter, der aktuelle Championjockey Bauyrzhan Murzabayey: „Er ist vom Boden völlig unabhängig.“ Zwischen dem Sieger und dem fünftplazierten Kaspar lagen am Ende allerdings nur zweieinhalb Längen – ein Zeichen dafür, dass trotz der ausgemachten Favoritenrolle von Wonderful Moon das wichtigste Rennen des Jahres offener sein dürfte, als es nach Papierform aussieht.

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