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Doping im Pferdesport : Wo bleibt die Empörung?

  • -Aktualisiert am

Galopper-Legende Bob Baffert Bild: AP

Ein Gewinner-Pferd, zwei positive Dopingproben und kaum Konsequenzen. Der Galopper Trainer Bob Baffert und sein Pferd Medina Spirit werden nur regional gesperrt.

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          Das Gebäude an der Union Avenue in Saratoga Springs liegt nur wenige Meter von der ältesten Galopprennbahn der Vereinigten Staaten entfernt und wird von einem noblen Geist durchdrungen. Das „National Museum of Racing and Hall of Fame“ will „die Geschichte der Vollblutzucht bewahren und verbreiten“ und so dem amerikanischen Turf ein Denkmal setzen. Gefeiert werden von der Ruhmeshalle nicht nur herausragende Pferde, sondern vor allem Zweibeiner – und zwar hauptsächlich Jockeys und Trainer.

          Kaum jemand wird an diesem Ort auf halber Strecke zwischen New York und Montreal so gefeiert wie der Trainer Bob Baffert. Und das wurde er bereits, ehe er mit den Hengsten Justify und American Pharoah zweimal ein besonderes Kunststück fertigbrachte: Er gewann mit ihnen alle drei Rennen der Triple Crown, bei denen die Besten des Derby-Jahrgangs ermittelt werden. Sein letzter Erfolg Anfang Mai dieses Jahres beim Kentucky Derby, der ersten Station der Triple Crown auf der Rennbahn Churchill Downs in Louisville, wird denn auch noch immer ohne Einschränkung zelebriert. Und das, obwohl beide Dopingproben nach dem Rennen ergaben, dass das von Baffert betreute Sieger-Pferd Medina Spirit mit dem verbotenen entzündungshemmenden Steroidhormon Betamethason behandelt worden war. Churchill Downs sperrte ihn daraufhin für zwei Jahre, er wird also zwei Kentucky-Derbys ausfallen lassen müssen. Natürlich fehlt im Museum auch darauf jeder Hinweis. Spätestens seit am vergangenen Mittwoch diese Sperre ausgesprochen wurde, gilt Baffert als Personifizierung der pharmakologischen Tricksereien der Branche, die inzwischen sogar den amerikanischen Kongress beschäftigen.

          Die Indolenz der Sachwalter des Milieus ist nicht überraschend. Baffert hat viele Freunde. So wie Sol Kumin, Mitbesitzer von Justify und einer der Vorreiter des Trends zu risikofreudigen Eigentümergemeinschaften, die motiviert von einer gewissen Casino-Mentalität in junge Vollblüter investieren. Er hat nicht die Absicht, seine 30 Pferde aus Bafferts Obhut abzuziehen. „Wir werden ihn auch weiterhin unterstützen“, gab er bekannt.

          Nachteile für Mitbewerber möglich

          Die Rennbahn im kalifornischen Ort Santa Anita, Sitz der Bob Baffert Racing Stables, zieht sich bislang auf eine formaljuristische Betrachtung der Affäre zurück. Denn die Entscheidung von Churchill Downs, der Rennbahn in Louisville und gleichnamigen Aktiengesellschaft mit einer Milliarde Dollar Umsatz und 4500 Angestellten, ist das eine. Die Aufsichtskommission im Bundesstaat Kentucky hingegen, die den Derby-Sieger als einzige wegen des Befunds nachträglich disqualifizieren könnte, hat sich noch nicht mit der Angelegenheit beschäftigt. Den Ausgang der Geschichte will man in Santa Anita erst einmal abwarten.

          Immerhin fehlte Medina Spirit am Samstag bei der dritten Station der Triple Crown, den Belmont Stakes in New York. Bei den Preakness Stakes in Baltimore in Maryland hatte er noch den dritten Platz belegt. Die Rennaufsicht des Bundesstaats New York hatte Baffert aber ebenfalls suspendiert. Das Rennen gewann Wettfavorit Essential Quality mit knappem Vorsprung vor Hot Rod Charlie.

          Die geographisch limitierte Sperre des prominenten Trainers könnte weitere Probleme für die Mitbewerber mit sich bringen. Sie könnte Einfluss haben auf die Derby-Saison im nächsten Jahr. Alle Aspiranten, die beim Kentucky Derby des nächsten Jahres in Louisville an den Start gebracht werden sollen, müssen sich anhand eines Punktesystems bei vorausgehenden Rennen mit guten Resultaten qualifizieren. Das Problem: Jedem Vollblüter, der bei diesen Gelegenheiten gegen ein Baffert-Pferd läuft und ihm unterliegt, werden in diesem System Punkte vorenthalten, und er ist ganz unmittelbar benachteiligt.

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