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Finale der Darts-WM : Mit Schlangenbiss zum Titel

Stolzer Weltmeister: Peter Wright präsentiert seinen Fans den WM-Pokal. Bild: dpa

Michael van Gerwen ist entthront: Peter Wright besiegt den seit Jahren in der Darts-Welt dominierenden Niederländer im Finale der Weltmeisterschaft. Mit dem Titel krönt der modisch extrovertierte Schotte seine Karriere.

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          Der bunte Vogel des Darts ist nun auch der König der Pfeilewerfer: Der Schotte Peter Wright hat erstmals die Weltmeisterschaft des Profi-Dartsverbands PDC gewonnen. Im Finale besiegte er Titelverteidiger Michael van Gerwen mit 7:3 nach Sätzen. Der Mann mit dem auffälligen Irokesen-Schnitt und täglich neuen bunten Hosen hat sich damit für die Finalniederlage gegen van Gerwen im Jahr 2014 revanchiert. „Ich hatte schon im Vorfeld das Gefühl, dass ich jetzt einfach dran bin“, sagte Wright.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Finale wusste van Gerwen dem Publikumsliebling der Darts-Fans zu wenig entgegenzusetzen. Zudem leistete er sich im Verlauf des Spiels immer mal wieder folgenschwere Fehler: So verzichtete der dreifache Weltmeister im zweiten Satz auf eine Chance, den Satz mit einem Wurf aufs Bull’s Eye zu beenden und stellte sich stattdessen mit einem Wurf auf die 18 dem leichter zu beendenden Rest von 32 Punkten. Er gab damit Wright die Chance, das Leg mit starken 140 zu beenden. Der Schotte marschierte, sich äußerlich cool gebend, aber sichtlich zufrieden von der Bühne. Der erste Schlangenbiss hatte van Gerwen zumindest etwas gelähmt.

          Die Serie gebrochen

          Der Niederländer kämpfte sich zurück zum 2:2-Ausgleich, aber Wright ging abermals in Führung. Er behielt in den entscheidenden Situationen die Nerven und widerlegte damit van Gerwens Psychospielchen aus dem Vorfeld. Da hatte der 30 Jahre alte dreifache Weltmeister davon gesprochen, dass „er gegen mich die Doppelfelder meistens nicht trifft“. Mit einem solchen Wurf muss ein Leg beendet werden – also ein einzelnes Spiel, das den Grundstock für den Gewinn eines Satzes und später eines ganzen Spiels legt. Tatsächlich traf Wright im Finale rund 55 Prozent seiner Versuche aufs Doppel, eine sehr gute Quote bei einem Spiel auf sieben Gewinnsätze mit einer Dauer von fast zwei Stunden.

          Voll fokussiert: Peter Wright (vorne) lässt Michael van Gerwen im Finale der Darts-WM keine Chance.

          Diese mentale Stärke hatte der Schotte im Verlauf des Turniers systematisch aufgebaut: Während Wright im Viertelfinale noch ein Gentlemen-Duell gegen Luke Humphries gewann, in dem sich beide Spieler immer wieder fair gegenseitig zu guten Wurfserien gratulierten, stellte er gegen Gerwyn Price im Halbfinale auf frostiges Klima um. Der Waliser ist in Fankreisen denkbar unbeliebt, da er sich mit allzu aggressivem Jubel und mancher Provokation von Gegnern mit aller Macht den Ehrentitel als Darts-Rüpel eroberte. Wright schaffte es durch eigene kleine Provokationen, den als Van-Gerwen-Herausforderer vorgesehenen Price aus dem Konzept zu bringen.

          Im Finale strahlte Wright dann von Beginn an eine erstaunliche Ruhe aus, obgleich so viel gegen ihn sprach. So lastete die Negativserie von neun Niederlagen in neun Endspielen der größten Turniere gegen seinen Widersacher auf ihm. Auch die Gesamtbilanz des 49 Jahre alten Schotten gegen van Gerwen war vor diesem Finale erschreckend schlecht: Von 78 direkten Duellen hatte die neue Nummer zwei der „Order of Merit“, der nach Preisgeldern erstellten Weltrangliste, lediglich 17 gegen den seit sechs Jahren ununterbrochen auf dem Platz an der Sonne thronenden Niederländer gewonnen. Der Niederländer hatte den Spitzenplatz 2014 übernommen, nachdem er im WM-Finale eben gegen Wright 7:4 nach Sätzen gewonnen hatte.

          Wright und seine Pfeilwechsel

          Wright gehört seit Jahren zur absoluten Weltspitze, scheiterte aber auch sehr oft in Endspielen der großen Turniere. In den vergangenen beiden Jahren hatte er zudem mit extrem schwankenden Leistungen zu kämpfen, was sich im ständigen Wechsel der Pfeile bemerkbar gemacht hatte. Während van Gerwen seit über einem Jahrzehnt die immer gleichen Pfeile verwendet, wechselte Wright eine Zeit lang von Woche zu Woche oder gar innerhalb von Spielen seine Darts. Zuletzt vertraute er nun stabil auf ein Dreier-Set. Es bekam ihm offenbar gut. Er war der stabilste Spieler des Turniers, erzielte bei 69 180ern die meisten Volltreffer und überzeugte auch im Finale mit einem Durchschnitt von 102,79 im Schnitt der Wurfserien auf drei Versuchen. Im Finale gewann er vor allem, da er jene vier Sätze, die in ein entscheidendes fünftes Leg gingen, allesamt gewann. Normalerweise ist van Gerwen in solchen Decidern (Entscheidungs-Legs) nahezu unschlagbar.

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          Wright hat nun umso bessere Chancen, sich in der Darts-Welt als Marke neben van Gerwen zu plazieren. Dafür ist der Schotte seit Jahren bereit: Für einen Sponsorenvertag mit einem Modelabel aus dem Golf hat er sich das Recht erkämpft, anders als in den Regularien vorgeschrieben nicht mit schwarzen Hosen spielen zu müssen. Stattdessen ist seine Hose jeden Tag ein anderes kunterbuntes Beinkleid. Seine Frau, eine Friseurin, färbt seinen Irokesenschnitt zum Outfit passend, auch die charismatische Kopfbemalung mit einem Schlangenkopf ist perfekt darauf abgestimmt. Diese Schlange hat nun erstmals die größte 500.000 britische Pfund (600.000 Euro) bescherende Beute der Darts-Welt verschluckt.

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