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Paul Kimmage im F.A.Z.-Gespräch : „Ich war ein Paria im Radsport“

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Wird es das noch nicht?

Ein Schweizer Staatsanwalt entscheidet, ob er den Fall verfolgt oder nicht. Ob er die Polizei mit Ermittlungen beauftragt, oder ob er findet, da sei nichts dran.

Ist das nicht eine verrückte Situation: Sie sorgen mit für den Sturz eines der größten Doper im Sport, werden verklagt und kehren arbeitslos aus London nach Dublin zurück?

Es ergibt keinen Sinn. Für mich ist das schwer, ein bitter-süßes Gefühl. Ich kann keine Befriedigung aus meinem Erfolg ziehen, wie ich es tun sollte. Wenn ich immer noch bei der „Sunday Times“ beschäftigt wäre, würde ich mich wie auf dem Gipfel der Welt fühlen. Stattdessen suche ich eine feste Beschäftigung bei einer Zeitung.

Wird immer noch gedopt bei der Tour?

Das haben mich viele gefragt im Sommer. Ich weiß es nicht. Wenn man an Toursieger Bradley Wiggins denselben Maßstab anlegt wie an Lance Armstrong, was Befragung und was Logik angeht, dann gibt es ähnliche Felder, die alarmierend sind. Bei Armstrong war es der Doping-Arzt Michele Ferrari, bei Wiggins war es der Arzt Geerd Leinders, der vorher für das Team Rabobank arbeitete und dort ins Doping-System involviert war. Armstrong hat sich auf Teneriffa vorbereitet, Wiggins hat sich auf Teneriffa vorbereitet. Man schaut sich an, wie dominant ihre Teams waren: Postal für Armstrong, Sky für Wiggins. Sie haben einen Kern von vier, fünf Fahrern, die drei Wochen lang stark fahren ohne einen einzigen schwachen Tag. Da denkt man: Ist das logisch? Man guckt sich an, was seit der Tour passiert ist. Sky hat den Arzt rausgeworfen und drei Mitarbeiter. Michael Rogers ist gegangen, er war einer der stärkste Fahrer. Ich kenne niemanden, der sagen könnte, dass dies ein völlig überzeugender Tour-Sieg ist.

Empfinden Sie nicht auch die Magerkeit der Sky-Fahrer als verdächtig?

Da habe ich mich auf Cadel Evans bezogen. Als Wiggins und Christopher Froome Erster und Dritter im Zeitfahren der Olympischen Spiele wurden, schrieb er auf Twitter, dass diese mageren Typen das Zeitfahren verändert hätten dieses Jahr. Das ist die Beobachtung eines Fahrers. Die Rennfahrer sind unglaublich mager und unglaublich stark.

Das Buch „L.A. Confidential“ von Pierre Ballester und Ihrem Freund David Walsh erscheint wie der Plan, nach dem erst die staatsanwaltlichen Ermittlungen und dann die Untersuchungen der amerikanischen Anti-Doping-Agentur gegen Armstrong gelaufen sind.

Ganz genau.

Welches war Ihr Anteil?

Ich habe Kleinigkeiten zu diesem Buch beigetragen. Wir wechseln uns ab wie in einer Staffel. Als David 2005 die harte Arbeit hinter sich hatte und unter Druck kam, habe ich den Stab übernommen und bin gerannt.

Wann kommen Sie mit dem nächsten Buch über den Radsport?

Jetzt habe ich erst einmal die Autobiographie unseres beliebtesten Rugbyspielers hier in Irland vor mir, Brian O’Driscoll. Ich kann nur ein Buch auf einmal schreiben. Mal schauen, was los ist, wenn ich damit fertig bin.

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