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Deutscher NFL-Profi Johnson : Ein fast perfektes Football-Märchen

Lebt seinen Traum: Jakob Johnson spielt bei den New England Patriots. Bild: AFP

Die Karriere des Football-Spielers Jakob Johnson aus Stuttgart schien schon beendet, doch jetzt steht er plötzlich im Kader des Superbowl-Siegers. Sein bemerkenswerter Aufstieg hängt mit einem ganz besonderen Anruf zusammen.

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          Dieser eine Augenblick, dieser kurze Moment der Stille, bevor die Lautstärke des Stadions wieder auf ihn einbricht, muss sich für Jakob Johnson ziemlich unwirklich angefühlt haben. Ein, zwei Atemzüge, vielleicht ein Blinzeln. Quarterback-Star Tom Brady zieht links vorbei. Runningback Sony Michel findet eine schmale Lücke und schlüpft hindurch. Weil der deutsche Fullback Johnson nur einen Wimpernschlag zuvor alles richtig gemacht hat. Am Ende gewannen die New England Patriots gegen die Buffalo Bills, und Johnson strahlte.

          Vielleicht dachte er an den Augenblick zu Beginn der Partie zurück und daran, dass er alles genau so gemacht hat, wie es seine Trainer von ihm sehen wollen. Vielleicht dachte er aber auch daran, dass er noch vor wenigen Monaten vieles im Kopf gehabt hatte. Aber keinesfalls eine professionelle Karriere im American Football. Und schon gar nicht eine beim derzeitigen Champion der National Football League (NFL), dem Superbowl-Sieger, dem besten Team der Welt.

          Bei den Scorpions fing alles an

          „Im Prinzip sind wir daran schuld“, sagt Erwin Schmidt. „Hätte ich ihn im vergangenen Jahr nicht angerufen, wäre Jakob jetzt wahrscheinlich Mediziner.“ Schmidt ist stellvertretender Vorsitzender Sport bei den Stuttgart Scorpions. Und er war es, der im Sommer 2018 zum Hörer gegriffen und sich die Worte für das wichtige Gespräch zurechtgelegt hatte. Johnson war da in den Vereinigten Staaten und hatte wegen einer Schulterverletzung die Football-Karriere eigentlich schon an den Nagel gehängt. Als Kellner hielt er sich finanziell über Wasser. Ob er nicht nach Stuttgart kommen und den Scorpions im Kampf gegen den Abstieg helfen wolle, fragte Schmidt. Johnson meinte: „Wenn ihr mir den Flug bezahlt, klar.“ Keine zwei Wochen später machte er das erste Spiel in der German Football League. Johnson war zurück in seiner Heimat.

          Denn Johnson ist in Stuttgart geboren. Die Vorwahl der Stadt, 0711, trägt er als Tattoo auf dem linken Arm. Auf dem rechten die von Jacksonville, Florida. Der Vater kam von dort mit der Army nach Deutschland, die Mutter ist Schwäbin. Den Dialekt ist Johnson bis heute nicht losgeworden. Er will es auch gar nicht. Er erinnert ihn daran, wo alles für ihn angefangen hat: Mit zwölf ging er das erste Mal zu den Scorpions. Dort lernte er Football, durchlief alle Jugendmannschaften. Doch er wollte mehr. Also schrieb er Schulen in Amerika an. Die Jean Ribault High School in Jacksonville nahm ihn. Und er spielte so gut, dass er danach einen Platz im Team der renommierten Universität von Tennessee bekam, wo er vier Jahre blieb und auf eine Zukunft in der NFL hoffte.

          Im Einsatz: Jakob Johnson beim Vorbereitungsspiel der Patriots gegen die Panthers

          Plötzlich aber war die Schulter kaputt. Der große Traum schien ausgeträumt. Bis der Anruf aus Stuttgart kam. Bei den Scorpions kämpfte sich Johnson zurück. „Seine Physis ist seine größte Stärke“, sagt Schmidt. Das fiel auch NFL-Scouts auf, die in Deutschland eigentlich einen anderen Spieler beobachteten. Sie waren so begeistert vom heute 24-Jährigen, dass sie ihm einen Platz im International Player Pathway Program anboten, welches Nichtamerikanern den Weg in die beste Liga der Welt erleichtern soll. Johnson war einer von vier Spielern, die im April NFL-Verträge unterschrieben.

          Eigentlich sollte er zunächst nur bei den Patriots trainieren. Weil sich James Develin verletzte und Skandal-Profi Antonio Brown gefeuert wurde, war aber plötzlich Platz im 53-Mann-Kader. Und Johnson erhielt seine Chance. „Er hat halt die Stuttgarter Arbeitsmoral“, sagt Schmidt. Doch was so leicht dahergesagt klingt, bestätigt sein Trainer. Bill Belichick, sonst eher wortkarg, würdigte geradezu überschwänglich die Entwicklung seines Schützlings: „Keiner konnte sich vorstellen, dass er es in den Kader schafft. Was er in kurzer Zeit geleistet hat, ist bemerkenswert. Er hat sich den Respekt aller verdient.“ An diesem Sonntag (19.00 Uhr MESZ auf ran.de) kommt Johnson gegen die Washington Redskins wohl zu seinem nächsten Einsatz. Er lebt nun doch seinen Traum. Auch wenn es sich für ihn vielleicht unwirklich anfühlt.

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